Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Beuteltieren und Glücksgefühlen
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Beuteltieren und Glücksgefühlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:10 16.03.2018
Quelle: HAZ

Die Finnen also. Unter 156 Völkern dieser Erde haben sie sich als glücklichste Nation hervorgetan. Wieder einmal. Und das trotz eisiger Temperaturen im Winter, trotz eines übermässigen Konsums von Bohnenkaffee gepaart mit überdurchschnittlich häufigen Saunabesuchen. Nach dem "World Happiness Report" der Vereinten Nationen leben in Finnland die glücklichsten Menschen. Das wird man etwa von Hildesheim nicht behaupten können, wo sich frühmorgens schon uniformierte Mitarbeiter des Landkreises mit Zollstöcken auf schmale Anwohnersstraßen legen, um zu messen, ob der Abstand zwischen Außenspiegel eines geparkten Fahrzeuges und der Bordsteinkante weniger als drei Meter misst. Ist dies der Fall wird mit fröhlichem Lachen ein Knöllchen unter den Scheibenwischer geschoben. Aber Hildesheim (nur ein Beispiel) liegt auch nicht in Finnland. Wie auch Berlin nicht, wo derzeit die Große Koalition ihre glückliche Wiederkehr feiert.

Den Vizekanzler Olaf Scholz könnten wir uns übrigens ganz gut als Finnen vorstellen, obwohl er bei Fernsehinterviews das eine Auge so fulminant zusammenziehen und nur das andere Auge schalkhaft blitzen lassen kann. So einer wie Scholz, der vermutlich nur im Panikraum herzhaft lacht, hat es  faustdick hinter den Ohren, wie man so sagt. Eine Meisterin der verhaltenen Freude ist auch die Kanzlerin, seine neue Chefin, obwohl sie jetzt mit Horst Seeehofer den verschlagenen Kurator eines Heimatmuseums im Kabinett hat. Deutschland habe sich übrigens, so die UN, beim Glücksreport von Rang 16 auf Rang 15 vorgerobbt, liege aber immer noch hinter Ländern wie Israel oder Costa Rica. Die USA sind von Platz 14 auf Platz 18 gefallen. Das liege an "Übergewicht, Drogenmissbrauch und unbehandelten Depressionen", teilte ein Verfasser des Glücksreports mit. Uns fielen da noch ganz andere Dinge ein. Aber wir wollten diese Rubrik ja möglichst trumpfrei halten. Wegen des Glücksgefühls.

Weniger Glücksgefühl verspürt derzeit eine Familie aus Bergen, der der Landkreis ziemlich zusetzt. Grund für das Unwohlsein liefert eine Verfügung, die sich auf "Viggo" bezieht, ein kleines Känguru, das seit geraumer Zeit im Garten herumspringt. Vermutlich sind auch hier Landkreismitarbeiter mit dem Zollstock angereist. Wie auch immer: Sie haben festgestellt, dass der Garten 50 Quadratmeter zu klein sei für ein herumhopsendes Känguru. Im übrigen müsse das Beuteltier "vergesellschaftet" werden, also anderen Artgenossen zugeführt werden. Tatsächlich ist die Vergesellschaftung von Kängurus in der Heidelandschaft weit weniger fortgeschritten als die von Wölfen...

Interessant wäre es in diesen Zeiten, in denen alle Welt nach Abschiebungen schreit, die Abschiebungsquote von Kängurus unter den Bundesländern einmal zu vergleichen. Denn die Kängurisierung Deutschlands schreitet ebenso mutig voran wie die Globalisierung in Teilen Sachsens. Aber nicht jedem Verwaltungsakt kann man sich durch eine Sprungrevision entziehen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Von vaterlandslosen Gesellen und Trinkliedern.

09.03.2018

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute:

05.03.2018

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Von Zwergen und Giganten.

22.01.2018