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Von Bier, Bäumen, Genussfreude

Glosse "Aus meinem Papierkorb" Von Bier, Bäumen, Genussfreude

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Diesmal: Von Bier, Bäumen und Genussfreude.

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Dass „aus einem verzagten Arsch kein fröhlicher Furz“ komme - diese doch etwas derbe Erkenntnis verdanken wir Doktor Martin Luther, dem Vater des Reformationstages, dem kommende Woche und dann spät bis ins Jahr 2017 auf Kirchentagen, mit Playmobilfiguren, Lutherbroten und -Bibeln sowie allerlei frommen Gesängen und klugen Gedanken gehuldigt werden soll. Um einen guten Spruch war der Mönch, der uns nicht nur eine veritable Bibelübersetzung, das nachhaltige Lob des Einbecker Bieres sowie die protestantische Kirche hinterlassen hat, nie verlegen. Das unterscheidet ihn von manchem Akteur auf der politischen Bühne. Aber der Spruch „Wenn morgen die Welt unterginge, so wollen wir heute unser Apfelbäumchen pflanzen“ stammt – im Gegensatz zum fröhlichen Furz - indes nicht vom Altmeister der Tischpredigten, sondern von einem Pfarrer aus dem Hessischen, der Mitglied der Bekennenden Kirche war. So ist es nur folgerichtig, dass an diesem Wochenende Geistliche nicht ausschwärmen, um Apfelbäumchen zu pflanzen, sondern zum Spaten greifen, um junge, deutsche Eichen in den Boden zu rammen. So werden Landwirtschaftsminister Christian Meyer und der hannoversche Landesbischof Ralf Meister an diesem Sonnabend im Garten des Agrarministeriums eine sogenannte Luther-Eiche pflanzen, deren Samen aus einer Luther-Eiche in Polle an der Weser gezogen sein soll. Und die wurde vermutlich während der Lutherfeiern im 19. Jahrhundert gepflanzt. So haben Luther-Feiern auch ihr Gutes.

Eine gewisse Genussfreude dürfte Niedersachsens früherer Wirtschaftsminister Jörg Bode mit dem Reformator gemein haben. Auch die Leibesfülle dürfte in etwa stimmen. Im Gegensatz zum Reformator, der dem Bier aus Einbeck zusagte, ist Bode indes bekennender Rotweintrinker, GTI-Fahrer, Spaßmacher und Schokoladenesser, wie er in einer bemerkenswerten Landtagsrede bekannte, in der er zurecht ein Recht auf Unvernunft reklamierte. Die Replik der Grünen Susanne Menge ging im Gemurmel unter, dabei war sie auch nicht von schlechten Eltern: „Mein Maserati fährt zweihundertzehn, schwupp, die Polizei hat’s nicht geseh’n, das macht Spaß! Ich geb’ Gas....Ich will Spaß.“ Vielleicht sollte mehr Lyrik in den Landtag. Viele Reden wären dann erträglicher.

Wo wir grade beim Spaß sind. Eine gewisse Komik atmet die Überschrift der jüngsten Pressemitteilung der Landesstelle Jugendschutz: „Rauchen, Kiffen, Komasaufen - wie man konsumierende Jugendliche erreicht“. Genau so. Das ist ja das Problem.

Bevor Sie jetzt aber völlig ins Nachdenken geraten, noch ein aktueller Vorschlag zur Bundespräsidentenwahl: Nachdem der Genosse Gabriel erst über Margot Käßmann als Kandidatin geredet hatte, kam er diese Woche mit dem Vorschlag, den Genossen Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten zu küren. Wie wäre es, man arrangierte die gesamte Kandidatensuche so als eine Art Pokemon-Go-Spiel, bei der die Spieler versuchen müssten, virtuelle Kandidaten zu fangen, die sich an verschiedenen Orten in der realen Welt verstecken? Für Spaß wäre dann gesorgt.            

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