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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Frühlingsgefühlen und Schlechtmachern
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Frühlingsgefühlen und Schlechtmachern
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19:57 06.04.2018
Quelle: HAZ
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Angesichts lauer Lüfte, aufspringender Knospen, blauer Himmelszelte scheint es Zeit, sich des sogenannten Frühlingsgefühls zuzuwenden, das Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil diese Woche zur politischen Kategorie erklärt hat. Ja, dank facebook ist es heraus: Stephan Weil hat Frühlingsgefühle, er hat sie schon vor Ostern bekommen, obwohl er nach eigenem Bekunden seit der Landtagswahl nicht mehr so richtig über eine richtig gute Nachricht in der Zeitung gelacht hat. Dabei gebe es doch so viele, viele gute Nachrichten wie sinkende Arbeitslosigkeit und steigende Geburtenraten, die Gebührenfreiheit der Kitas, die mit den Herbstlüften des Septembers kommt, das wachsende Ansehen Deutschlands. Und und und. Kinder, der Frühling ist da und lässt flattern sein blaues Bändchen in die Lüfte. Ach, es möriket sehr…

Wenn nur dieser Herr Spahn nicht wäre, ein Mann, der eigentlich für unsere Gesundheit zuständig ist, aber den Keim der Inneren Unsicherheit in unsere öffentlichen Medien trägt, sodass sich ein größeres auf Vereinfachung getrimmtes Blatt schon fragt, ob Spahn nun unser Land schlecht rede oder einfach recht habe, wenn er sich über das Fehlen von Recht und Ordnung in ausgesuchten deutschen Stadtteilen ereifere. Aber dass dieser Spahn, der sich doch um die Volksgesundheit kümmern sollte, ausgerechnet einem Schweizer Blatt empfiehlt sich deutsche Arbeiterviertel in Berlin, Duisburg anzuschauen, ist voll daneben. Man kann doch einem Schweizer nicht mit Duisburg kommen. Irgendwo gibt es Grenzen…. (Und die will der Spahn doch wohl auch).

Gewöhnen müssen wir uns auch an den neuen Bundesaußenminister Heiko Maas, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger ja ungemein smart aussieht, dass er in Berlin schon zu den „sexiest members of goverment alive“ gerechnet wird. Wenn er nicht in Interviews einen so nasalen Tonfall von sich geben würde, dass man ihn am liebsten einem HNO-Arzt zur Betreuung überließe. Der leicht nasale saarländische Akzent ist allerdings noch überhaupt kein Grund, Maas als „gut gestylten Nato-Strichjungen“ zu schelten, wie es der einstige Liedermacher und Linken-Wildsau Dieter Dehm tut. Der gute Dehm ist imstande, einem auch noch das letzte Frühlingsfühl auszutreiben, das auch der Linken gut täte. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Dehm zählt vermutlich zu den sogenannten 68ern, die jetzt in Ausstellungen hochgejubelt werden, weil sie schon altersmäßig gut ins Museum passen. Aber sexuelle Befreiung, Rockmusik, Reformunis und Kinderläden – mein Gott, was für ein herrliches Frühlingslüftchen wehte damals durch unser Ländle, als die Deutschnationalen noch in der FDP strammstanden und die CSU eine Partei war, von der selbst ein Jens Spahn weit entfernt scheint. Schon vom Alter her. Der Kerl ist erst 37. Zu jung für Museum. Einen wunderschönen Frühlingstag wünscht Ihnen Ihre Nachrichtenzentrale in Hannover.

Und vergessen Sie nicht: Auf jeden Frühling folgt ein Sommer, ein Herbst, ein Winter…

Das volle Programm.

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