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Von Glücksbringern und Waffenbrüdern

Aus meinem Papierkorb Von Glücksbringern und Waffenbrüdern

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten.

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Quelle: HAZ

„Happiness is a warm gun“, haben die Beatles in einem ihrer schönsten Songs einmal geschrieben, Glück und Zufriedenheit seien eine „warme Waffe“, auf der die Hand des Jägers liege. Mag sein, dass dieser Spruch, der in einem ziemlich anzüglichen Liebeslied der britischen Popband auftaucht, in Donald Trump einen geistigen Waffenbruder fände. Die Autoren des „Glücksatlas 2017“ stellen sich unter Happiness offensichtlich aber etwas anderes vor. Etwa eine Tasse dampfenden Tee bei freiem Blick auf die Wattkante. Oder blökende Schafe am Ostseestrand. Oder ein Kaminabend mit Björn Engholm, der Strümpfe stopft und von den großen Zeiten der großen alten Tante SPD erzählt. Also Glück muss etwas Kontemplatives sein, sonst hätte die Deutsche Post nicht schon wieder ausgerechnet die ausgeruhten Menschen in Schleswig-Holstein zu den Glücklichsten in Deutschland gerechnet, während die Sachsen-Anhaltiner auf dem letzten Platz landeten. Vermutlich wegen der vielen Lutherfeiern. Aber Niedersachsen, das soll in dieser Zeit großkoalitionärer Aufbrüche nicht verschwiegen werden, ist vom dritten auf den siebten Platz abgerutscht. Und das, obwohl auch man auch bei uns mit leerem Kabeljaublick stundenlang aufs Watt starren kann, ohne dass dort etwa ein Sack Reis umfiele. Und das, obwohl uns Stephan Weil noch ein paar Jahre weiterregiert...

Aber so ganz kann die Studie nicht stimmen. Denn sie suggeriert, dass Geld allein nicht glücklich macht, sondern die Faktoren Familie wie auch Wohnen. Wobei das Wohnen in einer feudalen Villa inklusive Skaten in riesigen Zimmerfluchten nicht unglücklich machen wird und Geld, so ein richtiger wunderbarer Batzen Geld natürlich auch keine Anleitung zum Unglücklichsein darstellen muss. Aber wenn Happiness eine warme Kanone sein soll, bei der jederzeit der Finger am Abzug zucken kann, dann kann aus großem Glück auch schnell ein großes Unglück werden. Insofern muss man nicht unglücklich sein, wenn man jetzt nicht glücklich ist.

Diese Ahnung dürfte die Abgeordneten der FDP in Niedersachsen befallen, wenn sie kommende Woche im Landtag Platz nehmen und Gewahr werden (Gewahr nicht Gewehr), dass sie verglichen mit den Christ- und Sozialdemokraten doch ziemlich wenige sind, und Gefahr laufen als freischwebende Oppositionelle im breiten Mahlstrom einer GroKo unterzugehen. Deshalb haben die Liberalen jetzt erklärt, sollte die GroKo zerbrechen, vielleicht doch noch zur Verfügung zu stehen. Ach, wer zu spät kommt...

Immerhin sind die Niedersachsen beim Koalitionieren fixer als die Politiker in Berlin, die sich ohne Unterlass beschnuppern und beleidigen. Irgendwann präsentiert das Recherchenetzwerk Wahnsinn, an dem 453,5 Journalisten in 89 Ländern unter Mitwirkung von ARD, BRD, NDR, HR, SR, SWR, dem Institut für Angewandte Tollkühnheit und der Süddeutschen Zeitung mitarbeiten, auch die „Jamaika-Papers“ - Zeugnisse verpennter Möglichkeiten. Demnächst auch mit Horst Seehofer als Hörbuch, singend den alten Beatles-Song: „Happiness is a warm gun“.     

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