Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Von Halluzinogenen und dem Propheten Weil

Aus meinem Papierkorb Von Halluzinogenen und dem Propheten Weil

Michael B. Berger mit 
einem satirischen Rückblick auf die Woche – heute: Ein Massenrausch vor den Toren Hamburgs und dem niedersächsischen Propheten Stephan Weil.

Voriger Artikel
Von Schwarzen, Negern, Liebesglück
Nächster Artikel
Von beigen Hosen und Nikotinpflastern

Nachdem 29 Heilpraktiker kürzlich in einem Dorf bei Hamburg nach einem Massenrausch ärztlich behandelt werden mussten, wundert uns gar nichts mehr. Und wir mussten auch nicht wie die durch Handeloh torkelnden Heilpraktiker zur Szenedroge „2C-E“ greifen, die die Blicke weitet und Stimmen zum Klingen bringt, die gar nicht existieren, um die Presseinformation 98-15 des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums für bare Münze zu nehmen. Ja doch: „Niedersachsen wird ab 2016 Weinland.“ Nach einer EU-Neuregelung sei erstmals der erwerbsmäßige Anbau von Wein möglich, frohlockt Landwirtschaftsminister Meyer. Steillagen im Harz oder im Weserbergland hätten gute Chancen auf zusätzliche Bewilligung. Was dem Kröver sein Nacktarsch ist (übrigens eine Verballhornung des lateinischen Wortes nectarius), könnte künftig der Osteroder Sausack sein.

Das Land Niedersachsen, so lernen wir, ist also nicht nur das Land der Heilpraktiker und Halluzinogene, sondern auch im Begriff, ein Hoffnungsort des kultivierten Rausches zu werden. Der allgegenwärtige Klimawandel hat doch seine guten Seiten und Ministerpräsident Stephan Weil zweifellos prophetische Gaben, weil er vor gut einem Jahr das Weserbergland als „Toskana des Nordens“ bezeichnete und wir damals vermuteten, er stünde unter dem Einfluss einer Wunderdroge. Doch es war die schiere Weitsicht, die ihn vermutlich beflügelte und Sichten auf Weserberglandhänge ermöglichte, auf denen fette Reben in der Spätherbstsonne reifen. Ach, Herr, der Sommer war so groß, leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren und lass die Winde los...

Nur dem Sturmgewehr G36 scheint er nicht bekommen zu haben, denn unsere Bundesverteidigungsministerin zieht die Knarre, die nach Medienberichten „nach mehreren hundert Schuss“ so heißgelaufen beziehungsweise -geschossen sein soll, dass sie nicht mehr ganz genau trifft, nun bald aus dem Verkehr. Eigentlich schade, denn jedes Gewehr, das nicht ganz genau trifft, ist aus friedenspädagogischer Sicht äußerst wertvoll. Wie auch die Gulaschkanone eine der sinnvollsten Einrichtungen des Militärs sein dürfte...

Dabei hatten wir früher immer gedacht, Wiederholung sei die Mutter aller Lernerfolge („repetitio est mater studiorum“, wie mein Lateinlehrer näselte). Doch ein Sturmgewehr kennt keine Lernerfolge, auch wenn es Schuss um Schuss wiederholt. So eine Knarre geht meist „hart“ vor, aber selten „fair“, womit wir bei der Sendung von Frank Plasberg wären, die diese Woche noch einmal mit denselben Darstellern neu inszeniert wurde, weil Frauenverbände gegen die Erstsendung mit dem fröhlichen Titel „Nieder mit dem Ampelmännchen“ protestiert hatten. In Genderfragen kennt der Ampel- beziehungsweise Anchorman keinen Spaß. Da sitzt schnell die Hälfte der Menschheit beleidigt auf dem Sofa und mault. Immerhin gruppierte der einzige neue Gast, Frau Mattfeldt-Kloth aus Niedersachsen, das Ganze richtig ein: „Das ist doch eine Unterhaltungssendung?“ Fürwahr, Politklimbim vom Feinsten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb
Wo sind die Hochburgen der Parteien? Ein Blick nach Niedersachsen

Wo sind die Hochburgen der Parteien, wer hat von wem profitiert? Ein Blick auf das Bundestagswahlergebnis in Niedersachsen.

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.

24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr