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Von Heizspargel und Lehrerglück

Aus meinem Papierkorb Von Heizspargel und Lehrerglück

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Von Heizspargel und Lehrerglück.

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Quelle: HAZ

Mit dem Spruch „Vorsprung durch Technik“ hat die Firma Audi jahrelang geworben. Beim Diesel-Skandal hat sich gezeigt, dass die Audi-Techniker den Slogan konsequent umgesetzt haben. Frei nach Audi titelt diese Woche die Deutsche Presseagentur (dpa): „Vorsprung durch Heiztechnik“ und berichtete, wie es Bauern trotz herber Märztemperaturen jetzt schon fertigbringen, Spargel zu ernten – obwohl dies eigentlich noch viel zu früh ist. Sie heizen vermittels  angeschlossener Biogasanlage einfach den Boden so auf, bis es dem Spargel zu heiß wird und er heraus will. „Heizspargel“ tituliert dpa das einst königliche Gemüse. Achja, früher hieß es einmal, alles habe seine Zeit. Aber wer braucht eigentlich einen so frühen Spargel?

Ein früh gezogener Spargel ist jedenfalls unwichtiger als ein aufmerksamer Fahrdienstleiter, wie ein Bericht von der wundersamen Rettung einer Frau in Osnabrück belegt. Die Dame war mit Stöckelschuhen in einem Gleisbett stecken geblieben. Ein Fahrdienstleiter sah das Malheur und konnte einen mit Tempo 140 herannahenden Zug gerade noch rechtzeitig stoppen. Die Frau, 42 Jahre alt, war  sturzbetrunken. „Der 33-jährige Stellwerksbeamte und Schutzengel wird der Frau in ähnlicher Lage wohl nicht mehr helfen können“, heißt es in der dpa-Meldung lakonisch: Denn „mit dem Bau eines Zentralstellwerks fällt sein Posten  weg“.

Bevor wir völlig wehleidig werden über die hemmungslose Wegrationalisierung verdienter Fahrdienstleiter, die neuen Zentralstellwerken geopfert werden (passiert nicht nur bei der Bahn), endlich eine positive Nachricht aus dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten-und Naturschutz: „Uferschnepfe vom Dümmer in Marokko gesichtet.“ Soweit können nämlich Uferschnepfen aus der Dümmerniederung fliegen, die in Westafrika überwintern und auf ihrem Rückflug auch Marokko streifen, wo diesen Monat die erste „Sichtmeldung“ des beringten Tieres einging. Jetzt warten alle am Dümmer auf die Ankunft der Schnepfe, die wir uns wie Sisyphos als glückliches Wesen vorstellen müssen.

Der letzte Relativsatz ist nur dem Übergang geschuldet zu einer Meldung aus Braunschweig. Dort sollen Forscher ein spezielles Glückstraining für Lehrer entwickeln, deren „Glücksanfälligkeit“ gezielt erhöht werden soll, damit sie noch mehr Schüler glücklich machen. Mich würde schon die Pension eines Lehrers glücklich machen, aber das gehört nicht hierher, weil wir am 20. März nicht den Welt-Neid-Tag, sondern den Weltglückstag feiern, den die Vereinten Nationen 2013 eingeführt haben.

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