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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Kardinälen und Kanzlerinnen-Kanzler-Treffen
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18:00 25.09.2015
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Sie sind selten, an ihren scharlachroten Talaren und Biretten schnell zu erkennen und verhältnismäßig schwer zu erschüttern. Nur zu Zeiten des Kaisers Napoleon zählten sie zu den gefährdeten Arten. Die Rede ist von katholischen Kardinälen, deren Namen dem lateinischen „cardinalis“ entspricht, was nicht weniger als „wichtig, vorzüglich“ übersetzt werden kann. Insofern hat es schon Gewicht, wenn Ihre Eminenz Reinhard Kardinal Marx diese Woche befand, dass der Abgasskandal bei VW ihn „erschüttert“ habe. „Denn VW steht ja für mehr als eine kleine Autofabrik aus Norddeutschland“, meinte der Kardinal etwas gönnerisch. Da können wir ihm, der mit einem BMW-Diesel der 7er Klasse vorfährt, wenn er sich zur Bischofskonferenz beeilt, nur zustimmen.

Den freundlich-reformatorischen Hinweis verkneifen wir uns indes, dass auch so manche dem Gotteslob und -dienst gewidmete katholische Veranstaltung gegen die Europäische Feinstaubrichtlinie verstoßen könnte – angesichts der enormen Weihrauchschwaden, die zu Ehren des Allerhöchsten den gemeinen Gläubigen die Sinne benebeln.

Immerhin scheint es von weiser Voraussicht geleitet, dass Franz, der Pontifex Maximus, sich und seinen Pileolus (so nennt man das Käppchen auf dem Köpfchen) meist in einen Fiat 500 zwängt, wie jüngst auch in den USA geschehen. Denn sagten nicht die alten Lateiner; „Fiat justititia, et pereat mundus“? Was so viel heißt wie: Es muss Gerechtigkeit geschehen, selbst wenn die Welt zusammenbricht? So spielt halt eins ins andere..

So eine kleine Betrugssoftware wünschten wir uns indes auch, mit Blick auf eigene Blut-, Fett- und Cholesterinwerte. Und der Blick auf die elektronische Waage im Leerlauf der Tage wäre mit der wunderbaren VW-Software auch etwas entspannter, wie der hannoversche Kabarettist Matthias Brodowy feststellte. Denn Verdrängung ist nach wie vor einer der meist geübten Kulturtechniken. Auch ohne VW-Software und ausgefeilter Katalysatoren mit vorgeschalteter Harnstoffeinspritzung zur Schadstoffreduktion.

Wie jetzt den Übergang finden zu einem Gipfel der besonderen Art, zum Kanzlerkanzlerinnentreffen diese Woche, einem Kuscheltermin ohne Gewinnwarnung? Ich muss zugeben: Von Zeit zu Zeit seh’ ich den Alten gern... Zumal wenn er neben seiner Nachfolgerin sitzt, die als Pfarrerstochter schon früh geübt hat, die Kirche im Dorf zu lassen, was er wohl mit „den Ball flach halten“ übersetzen würde. Da saßen sie nun in heller Eintracht nebeneinander und haben, da Eigenlob stinkt, einander kongenial komplimentiert.

Achja, der Gerhard Schröder, das war schon großes Kino, Politik mit Gefühl, während die Bescheidenheit in Person sich nur ganz kurz, dann aber umso heftiger zu Gefühlsausbrüchen hinreißen lässt und dann alle Atommeiler abstellen oder alle Völker zu sich rufen lässt. Vermutlich ist die vermeintlich kühle ostdeutsche Kanzlerin doch ein Vulkan. Nur leider, leider, merkt es keiner.

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