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Von Leitwölfen und Landtagsdebatten

Aus meinem Papierkorb Von Leitwölfen und Landtagsdebatten

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Diesmal: Von Leitwölfen und Landtagsdebatten.

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Quelle: HAZ

Anlässe, sich die Kugel zu geben, gibt es viele. Das schlechte Wetter. Die noch schlechteren, weil albernen Wetterberichte in renommierten Nachrichtenkanälen. Der Siegeszug der Fruchtfliege an Orten, wo sie nichts zu suchen hat, und die Fruchtlosigkeit von Debatten über den „Plan B“, „Plan 2a oder „Plan 0815“. Die Tatsache, dass Julia Klöckner nicht mehr als Weinkönigin kandidiert. Aber sich wegen Frauke Petry die Kugel geben? Das gibt der Schießbefehl nun auch wieder nicht her. Und so wichtig ist die AfD auch wieder nicht. Was also hat EU-Kommissar Günther Oettinger („Schwäbisch für Englischsprecher“) veranlasst zu sagen, er würde sich erschießen, wenn er die Petry zur Frau hätte? Woher nimmt Oettinger die Gewissheit, dass es Frauen irgendwie drängen könnte, unbedingt die Seine zu werden? So dicke ist es um die angebliche Erotik der Macht denn nun nicht bestellt.

Natürlich böten auch die Qualität und Lautstärke mancher Landtagsdebatte am hannoverschen Leineschloss hinreichenden Anlass, ob es nicht doch geboten wäre, sich hin und wieder die Kugel zu geben, zumal hier mit dem Entsetzen die gröbsten Scherze getrieben werden. Auch diese Woche bot der Landtag eine Fortsetzung der Fastnacht mit anderen Mitteln, etwa wenn über Wölfe und „Bürgerwehren“ diskutiert wird. Wolf und „Bürgerwehr“, das wäre doch ein wunderbares Gebräu, um darzulegen, dass der Mensch dem Menschen eben doch ein Lupus bleiben wird, der die Zähne fletscht, wenn Fremde sich ihm nähern. Vielleicht sollte man die Wölfe, die ihre Sender heulend abschütteln, vom Verfassungsschutz beobachten lassen. Erfahrungen mit den Grauen Wölfen sind vorhanden.

Wie jetzt den Übergang schaffen zu Christian Dürr, dem FDP-Fraktionsvorsitzenden im niedersächsischen Landtag? Verhaltensauffällig wie der Wolf im Heidekreis ist er nicht, schüchtern wie ein normales Rudeltier allerdings auch nicht. Bellen kann er wie ein Weltmeister, zubeißen auch, sofern ein sozialdemokratischer Ministerpräsident in der Nähe ist. Als „Seehofer des Nordens“ hat Dürr jetzt den Stephan Weil charakterisiert, weil der wie der CSU-Horst in immer neuen Interviews der geplagten Kanzlerin zusetzt. Keine schlechte Polemik. Aber dabei redet sich Dürr so in Rage, dass man manchmal fürchten muss, sein Wolfsmanagement gehe vollends mit ihm durch. Aber ihn deshalb gleich „entnehmen“? Zumindest für den Parlamentarismus wäre es ein Verlust.

Denn der Landtag ist eben immer auch großes Volkstheater - mit vielen Laiendarstellern. Oder auch „ein großes Klassenzimmer“, wie Schüler einer Integrierten Gesamtschule aus Wardenburg notierten. Mit Klassenlehrer und Klassenclown. Während der Sitzungen, so schrieben die Schüler diese Woche, gebe es durchaus für die Abgeordneten die eine oder andere Beschäftigung, etwa Dinge über Facebook zu posten. „Zudem wird über viele politische Themen geredet.“ Na immerhin.

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