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Von Mummenschanz und Knast-Kochbüchern

Aus meinem Papierkorb Von Mummenschanz und Knast-Kochbüchern

Niedersachsen-Redakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: heiße Ware aus dem Knast, "Universaldilettanten" aus Berlin und "Cappucino"-Bären aus Osnabrück.

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Quelle: HAZ

Na also, es gibt doch noch positive Meldungen aus Niedersachsen: Während der Absatz von VW-Dieselfahrzeugen weiter rückläufig ist, obwohl die Dinger sparsam sind und gar nicht mehr nachdieseln, verkaufen die niedersächsischen Justizvollzugsanstalten immer mehr Geräte aus eigener Herstellung. So seien Gefängnisprodukte äußerst gefragt, berichtet zum Wochenschluss die Deutsche Presseagentur: „Der Flaschenöffner in Handschellenform ist ausverkauft.“ Und auf den Grill aus dem Knast müssten Kunden bis zu sechs Wochen warten, heißt es weiter. Demgegenüber kann man einen Golf-Diesel ohne Geschenkpapier bei vielen Autohändlern vom Hof mitnehmen. Doch hat das eine mit dem anderen überhaupt nichts zu tun, aber so ist das nun mal auf dem Nachrichtenmarkt, der mindestens so volatil ist wie Sigmar Gabriels Haltung zum amerikanischen Freihandelsabkommen TTIP. Mal so, mal so, Hauptsache, die Sozis bleiben bei Laune oder bei der Stange, um im Knastbild zu bleiben. In den Gefängnisshops der Freien und Hansestadt Hamburg sollen übrigens Spiele wie „Knast-Land-Fluss“ oder Kochbücher mit Titel wie „Huhn in Handschellen“ Kultstatus haben. Aber das erscheint angesichts der Tatsache, dass die Hälfte der jugendlichen Bevölkerung immer tätowierter herumspringt, auch nicht ungewöhnlich. Aber über Geschmack soll man, wie der Lateiner sagt, ja nicht streiten. Non est disputandum. Basta.

Denn manchmal ist es auch klüger „keine Ahnung“ zu sagen, wenn man mit seinem Latein am Ende ist. So reagierte Sigmar Gabriel, den ein Besucher beim Tag der Offenen Tür in Berlin mit gerade zu teuflisch detaillierten Fragen drangsalierte. Gabriels Tipp an den Fragesteller, keinen Politiker zu wählen, der „auf jede Frage ´ne Antwort geben“ könne, kam jedenfalls von Herzen. Und wer möchte dem Vizekanzler widersprechen, wenn er seine Zunftgenossen  als „Universaldilettanten“ charakterisierte, die von allem ein bisschen aber nichts richtig wüssten. Recht gesprochen.

Den richtigen Ton trifft auch oft der Osnabrücker Bischof Josef Bode, der diese Tage einen runden Geburtstag feierte und als wahrer Menschenfreund in die Annalen seines Bistums eingehen kann. Der joviale Oberhirte schreckt allerdings auch vor Mummenschanz nicht zurück: Im Osnabrücker Zoo tauschte er jüngst seinen Pileolus (Lateinisch für „Hütchen“, deutsch für: „Scheitelkappe“) gegen eine Bärchenmütze, für die es noch keine lateinische Bezeichnung gibt. Diese liturgisch ungewohnte Kappe legte er an, um zwei Bären zu segnen, die aus einer Kreuzung zwischen Braun- und Eisbären stammen und nichts für ihre Namen können: Tips und Taps. Wie die „Hybrid“- oder auch „Cappucino“-Bären genannten Tiere auf das Weihwasser reagierten, ist nicht überliefert. Auch nicht, ob nun das Ende der Arktis oder der Beginn der Endzeit bevorsteht. Fest steht nur, dass Bischöfe mit Bärchenmützen ebenso hybrid wirken wie Cappucino-Bären. Und fest steht auch, dass es allemal besser ist, wenn Bischöfe Bärchen segnen als Sturmhaubitzen oder Panzerwagen, Nur die Gulaschkanone dürfte sich dem Zuspruch des Schöpfers erfreuen. Sofern der kein Veganer ist.       

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