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Von Nacktschnecken und Braunschweigern

Aus meinem Papierkorb Von Nacktschnecken und Braunschweigern

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. 

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Es gibt Zahlen, die sich langsam entfaltende Schreckens- und Horrorszenarien aufs Trefflichste belegen und die Vermutung stützen, dass die wahren Gefahren nicht von Piraten, fremden Religionen oder unter Frauke Petrys Kurzhaarfrisur lauern, sondern auf deutscher Scholle. Nehmen wir nur die Zahl 500. Ganze fünfhundert Eier kann eine Nacktschnecke in einem Jahr in einem Garten ablegen, berichtet die dpa in ihrem Undercoverstück „Mit Bier, Kaffee oder Kamille – sechs Tipps gegen Schnecken“. Und was noch schlimmer ist: Mit diesen 500 Eiern, die aus diversen Schneckengelegen à zehn bis 30 Eiern hervorgehen, kann eine einzige Nacktschnecke gleich mehrere Generationen generieren, deren Nachkommen bereits nach sechs Wochen wieder weitere Nacktschnecken hervorbringen, die wiederum weitere Eigelege ablegen, die sich unter sogenannten günstigen Bedingungen nach zwei bis vier Wochen zu weiteren Nacktschnecken entwickeln  ... Mir stockt der Atem, ich breche ab. Hörte ich nicht neulich in einer Predigt, wie wunderbar und geordnet doch die Natur sei, die uns immer wieder ins Erstaunen versetze? Nein, in meinem ganz persönlichen Schöpfungsplan kommen diese Schleimer nicht vor. Überhaupt scheint bei der Schöpfung einiges danebengelaufen zu sein, siehe Genesis Kapitel drei.

Wahre Kultur entstehe durch Triebverzicht, durch Sublimierung, Veredelung niederer in höhere Triebe, habe ich mal irgendwo gelesen. Muss lange her sein. Damals, in Zeiten großer Verklemmung, schickte die Bundesbahn den „Triebwagen“ auf die Gleise, der sicherlich nicht nur Horst Seehofers Eisenbahnkeller schmückt, sondern sich auch in der Realwelt ungehemmt durch die Landschaft schiebt. Der freien, ungebremsten Fahrt im Triebwagen scheinen auch Landespolitiker einiges abzugewinnen. So vermerkt der offizielle Terminplan der Landesregierung für kommende Woche ein Treffen des Ministerpräsidenten Stephan Weil mit seinem Verkehrsminister Olaf Lies auf dem hannoverschen Hauptbahnhof, um dann mit einem „Triebwagen der Westfalenbahn“ zur Verkehrskonferenz nach Braunschweig zu fahren.

Apropos Braunschweig: Ob diese Stadt im Schöpfungsplan des Allmächtigen vorgesehen war, lässt sich biblisch nicht belegen. Wir hätten da auch unsere Zweifel. Historisch belegt ist jedenfalls, dass diese Stadt Ungeheuerliches hervorgebracht hat. Man denke nur an die Ausbreitung des Straßenkarnevals, die selbst Nacktschnecken ins Erstaunen versetzt. Oder an Heinrich, den Löwen, den die Braunschweiger immer wieder hervorkramen, um eigene Größe hervorzuheben. Diese Woche tagte die SPD-Landtagsfraktion dort – in einem Hotel, in dem jedes Zimmer mit einem Leitspruch des Braunschweigers und Mathematikers Carl Friedrich Gauß geschmückt war. Hier nur einer: „Es ist nicht das Wissen, sondern das Lernen, nicht das Besitzen, sondern das Erwerben, nicht das Dasein, sondern das Hinkommen, was den größten Genuss gewährt.“ Klingt nach Triebwagen.

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