Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 11 ° heiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Von Nasenküssen und Nazi-Devotionalien

Aus meinem Papierkorb Von Nasenküssen und Nazi-Devotionalien

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Diesmal: Von Nasenküssen und Nazi-Devotionalien.

Voriger Artikel
Von Angstgesichtern und Avataren
Nächster Artikel
Von Pusteln und Potentaten

Im Obergeschoss des Bremer Übersee-Museums soll man diese Woche den unheimlichen Ton der Putatara vernommen haben, den Schrei des pazifischen Schneckenhorns. Das klingt etwa so wie das Nebelhorn eines Dampfers, bevor der auf eine Sandbank läuft. Broooooaaaarrah. Die Maori blasen dieses älteste Instrument der Welt bei rituellen Vorgängen, etwa wenn sie die Gebeine ihrer Vorgänger bestatten. Es soll geeignet sein, böse Geister zu verschrecken, was man gern glauben mag, wenn man den Klang der Muschel vernimmt. Vielleicht schafft sich Ursula von der Leyen, geübt in Selbstverteidigung, so eine Muschel an, die bösen Ahnen zu vertreiben. Musikalisch ist sie ja.

Eine Maori-Delegation aus dem neuseeländischen Wellington hat diese Woche das Bremer Museum verlassen mit Muschelhorn und Schachteln, in denen die Schädel ihrer Vorfahren ruhten. Sie waren in der Kolonialzeit vom Gründungsdirektor des Übersee-Museums ausgebuddelt und nach Bremen gebracht worden. Der Ahnenraub geschah offenbar nach dem Motto der Bremer Stadtmusikanten: Etwas Besseres als den Tod findest du überall. Die Strandräuber aus Bremen können übrigens froh sein, dass ihnen nichts Grausiges geschah, denn die Maori glauben, dass auch die Gebeine der Vorfahren noch nach dem Tod beseelt bleiben. Aber alles ging friedlich und gut aus. Zum Abschluss des feierlichen Knochen-Transfers soll es noch einen Hongi gegeben haben, den traditionellen Nasenkuss der Maori.

Jetzt den Übergang zum früheren Innenminister Uwe Schünemann zu finden ist nicht undelikat, zumal der Christdemokrat im Gegensatz zu einigen Fraktionskollegen nun gar nichts von einem Maori-Krieger hat, obwohl er als Innenminister auch untätowiert recht martialisch auftreten konnte. Aber in der Vergabeaffäre, die Wirtschaftsminister Olaf Lies derzeit heftig plagt, hat Schünemann wieder einen großen Auftritt hingelegt, der so an alte Zeiten erinnerte, dass man entfernt das pazifische Schreckenhorn zu vernehmen glaubte. Bei seiner Rede an den Affären geplagten Lies zeigte Schünemann den Regierungsfraktionen die kalte Schulter. Die reagierten geradezu erbost auf die Tatsache, dass Schünemann sich demonstrativ zu dem hinter ihm sitzenden Wirtschaftsminister wandte, und den Sozialdemokraten ohne Rücksicht nur den Rücken bot, der in diesem Fall auch den Kollegen Watermann nicht entzücken konnte.

Unter den 41 (in Worten: einundvierzig) Gegenständen, die die Bundesverteidigungsministerin im Zuge ihrer razziahaften Suche nach Nazi-Devotionalien in deutschen Kasernen entdeckte, befand sich übrigens kein Maori-Schädel, was zeigt, dass der Ahnenkult bei der Bundeswehr nur von begrenzter Reichweite ist. Die spannende Frage aber bleibt, wie künftig Kasernen benannt werden sollen, wenn schneidige Wehrmachtsgenerale nicht mehr als Namensgeber Pate stehen können? Besucht die Verteidigungsministerin künftig das Margot-Käßmann-Korps oder die Dalai-Lama-Kaserne?

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb

Welche Parteien stellen sich in NRW zur Wahl? Welche Themen liegen ihnen am Herzen? Im Wahl-O-Mat können Sie Ihre Standpunkte mit denen der Parteien vergleichen. Der Wahl-O-Mat ist ein Angebot des Redaktionsnetzwerks Deutschland in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung.  mehr

Landesparteitag der SPD

In Hameln hat die SPD ihren Landesparteitag abgehalten. 

Die Karikatur des Tages

So sehen unsere Karikaturisten die Welt.

25. April 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Welches Glück müssen wir jahrzehntelang gehabt haben, dass wir in Frieden und relativ sicher in Deutschland leben konnten – mit all den Türken, die das Land bevölkern.

mehr