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Von Oettinger und der gelben Leber

Glosse "Aus meinem Papierkorb" Von Oettinger und der gelben Leber

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Diesmal: Von Oettinger und der gelben Leber.

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Aus aktuellem Anlass wollen wir heute, liebe Papierkorbgemeinde, über die antike Viersäftelehre reden. Sie könnte Einiges über die innere Natur eines Günther Oettinger erklären.  Der sagte diese Woche entschuldigend, er habe in Hamburg „frei von der Leber weg“ geredet, als er die Chinesen als „Schlitzaugen“ titulierte, was Asiaten verständlicherweise gar nicht so gern hören. Nach antiker Auffassung soll in der Leber die gelbe Galle lagern - einer jener Säfte, von der sich Choleriker ab und an befreien müssen, wenn sie frei von der Leber weg reden. Denn in der Leber, glaubten die Gelehrten damals, sollen sich Zorn und Ärger ansammeln. Und die müssten sich hin und wieder Luft machen, damit der Mensch gesund bliebe. Wie bei einem Vulkanausbruch. So gesehen ist Oettinger, der ab und zu rethorisch explodiert , so etwas wie der Eyjafjallajökull der Europäischen Kommission, ein Vulkan des Wortes wie des Blickes. Eyjafjallajökull, nur zur Erinnerung, war jener isländische Vulkan, der 2010 den Himmel über Nordeuropa verdunkelte. Die Frage bleibt nur: Wie spricht man Eyjafjallajökull auf schwäbisch oder in Oettingers grausamen Englisch aus? Und: Wann verdunkelt Günther Ö. das nächste Mal Europas Himmel?

In Niedersachsen wird selten frei von der Leber weg geredet, weil schon aus klimatischen Gründen Choleriker hier selten sind und der ab und zu explodierende Ammerländer im Landtag sich in letzter Zeit erfreulich im Zaum hält. Nach alter Sitte gehen die Hannoveraner noch immer zum Lachen in den Keller, wie man auch bei der Feier des Landesjubiläums am Dienstag im Herrenhäuser Schloss feststellen konnte, wo sich zwar im Keller ein wunderbarer Vortragsraum findet, nur dass keiner bei dem Symposium herzlich gelacht hat. Dabei waren einige Thesen komisch, etwa dass Niedersachsen durch die Zuwanderung zum „neuen Rom“ werden könnte. Eine utopische Vorstellung angesichts des moderaten Temperaments der Niedersachsen. Auch „spätrömische Dekadenz“, von der noch heute die alten Römer schwärmen, ist in der niedersächsischen Staatskanzlei schwer vorstellbar. Immerhin bringen „Doris&Boris“, das Paar der Woche, jetzt Fidelity in die Hütte.

Ministerpräsident Weil hat unterdessen angekündigt, es beim Landesjubiläum 2021, wenn das Bundesland Niedersachsen 75 werde, „richtig krachen zu lassen“ - eine Sprachwendung, die auch auf Vulkanausbrüche angewendet werden könnte. Unvergesslich ist sie indes mit dem früheren Minister- und Bundespräsidenten Christian Wulff verbunden. Dessen Frau Bettina sagte nämlich, wenn ihr Mann es einmal richtig krachen lassen wolle, dann trinke er ein Glas Bananensaft. Also: Bananensaft für alle könnte die Devise 2021 lauten.

Vordringlicher erscheint indes, dass die Landesregierung endlich eine Strategie zur Regulierung von Kreuzkrautarten entwickelt, wie die FDP dankenswerterweise in der Drucksache 17/6687 fordert. Bohrend fragen die Liberalen, wo das Monitoring zur Ausbreitung der Kreuzkrautarten bleibe, die hochgiftig und nicht nur für Wiederkäuer ein Problem sind.

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