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Von Pferdefleisch und Hundeelend

Aus meinem Papierkorb Von Pferdefleisch und Hundeelend

Niedersachsen-Redakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: die mangelnde Wertschätzung für das niedersächsische Wappentier - das Pferd.

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Heute, liebe Tierfreunde, möchte ich Ihnen einen vom Pferd erzählen. Das erfreut sich in Niedersachsen schon so großer Beliebtheit, dass es im Landeswappen fröhlich herumspringt. Aber der rot-grünen Landesregierung, die mit ihrer Einstimmenmehrheit zwar nicht kerzengerade aber doch einigermaßen kommod im Sattel sitzt, mangele es an nötiger Wertschätzung für das Wappentier beziehungsweise für die Pferdewirtschaft, Bemängelt der Cloppenburger CDU-Landtagsabgeordnete Clemens Große Macke (heißt wirklich so).

Das Pferd, so Große Macke, sei aber nicht nur Wappentier, sondern zähle, sportlich geritten, zu den Tourismusfaktoren des Landes. Der Mann hat recht. Früher, als Niedersachsen noch nicht „Pferdeland Nummer Eins“ war, genoss der Gaul sogar noch wesentlich größere Anerkennung. Es wurde zuweilen als Gottheit verehrt und war als Opfertier eine gern gesehene Fleischbeilage auf den Holztellern der Germanen. Die Kirche hat dem heidnischen Opfer- und Pferdekult dann ein Ende gesetzt. Aber das Tabu war so nachhaltig, dass sich die allermeisten Niedersachsen heute vor Pferdebraten ekeln, obwohl er in anderen Gegenden Europas gern verzehrt wird (und auch köstlich schmeckt). Doch da wir uns jetzt den Schlachtruf der Kanzlerin „Deutschland wird Deutschland bleiben“ zu Herzen genommen haben, bleibt das Pferdefleisch tabu auf dem niedersächsischen Teller.

Soviel nur zur Wirkmacht der Gefühle, die doch leider stärker manche Entscheidungen beeinflussen als Vernunft und Verstand. Nach Meckpom hat auch die große Politik das große Gefühl entdeckt, und man darf gespannt sein, wie die Politiker mit denen in der Wählerschaft umgehen, die sich so hundeelend fühlen. Aber Deutschland bleibt Deutschland, Blaukraut bleibt Blaukraut und gefühlt ist Bayern jetzt überall.

Gefühlt gewöhnungsbedürftig ist jedenfalls das Sächsische, zumindest in unseren Breiten. Als wir noch die Mauer hatten, konnten nur wenige dieser Landsleute mit dem zumindest für Hannoveraner seltsamen Idiom herübermachen. Doch jetzt gibt es sogar Fußballspiele, vor denen die Deutsche Polizeigewerkschaft warnt. Das am Sonntag zwischen Hannover 96 und Dynamo Dresden sei ein „Hochsicherheitsspiel“, schreibt die DPolG. Manchmal hat man das Gefühl, man werde von einem Pferd getreten. Und wiehert keineswegs vor Vergnügen...

Es bleiben die kleinen Fluchten. So sucht der Naturschutzbund Niedersachsen jetzt „Fledermausbotschafter“. Das muss ein Traumjob sein. Ich stelle mir das herrlich vor, nachts mit Radar durchs Land zu flattern und Drakula-Vierzeiler des Göttinger Literaten Reinhard Umbach zu rezitieren: „Fledermäuschen, Fledermäuschen. flieg’ herum ums Nachbarhäuschen. Und kommst Du erst nach Mitternacht, wird’s Blut halt nochmal warmgemacht.“

Das war jetzt herber Nonsens, aber warum sollen wir den denn nur unsereren Politikern überlassen. Oder möglicherweise prügelnden Fußballfans? Oder Idioten, die sich vor Fledermäusen fürchten? Ein traumhaftes Wochenende!

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