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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Pottwalen, Irrungen und Wirrungen
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16:18 18.01.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ

„Verirrter Wal findet Heimat in Hörsaal“, titelt die Deutsche Presseagentur diese Woche. Und wir finden die Meldung gut, weil wir uns manchmal auch fragen, wer sich alles in einen Hörsaal verirrt. Der Wal gehörte einst zu einer Gruppe glückloser Pottwal-Jungbullen die sich in der viel zu flachen Nordsee verirrt hatten. In den Hörsaal der Uni Gießen ist er übrigens nicht geschwommen, sondern hängt jetzt als 15 Meter langes Skelett über den Köpfen der Studierenden, während die Wissenschaftler unter seinen Überresten davon schwärmen, welch eine Heidenarbeit es war, die 200 Teile dieses „Pottwahl-Puzzles“ (dpa) wieder zusammenzusetzen. Nun also hängt „der Wal von Gießen“ im Hörsaal, „fernab der See mitten in Hessen“, frohlockt die Deutsche Presseagentur. Und wir freuen uns mit über dieses Wunder der Natur, das selbst als Skelett noch zu beeindrucken weiß.

Das kann man von den Abgeordneten des Londoner Unterhauses nicht sagen, die unter merkwürdigen Grunzrufen diese Woche den Brexit-Deal abgelehnt haben, den Theresa May mit den Damen und Herren von der EU ausgehandelt hatte. Roaar, tarrra, und so etwas wie wawwaw konnte man aus den Räumen des ältestesten Parlamentes hören - Laute, die noch enigmatischer klangen als die Kernlaute des schottischen Dialekts. Dass die Schotten in ihrem erst 20 Jahre alten Parlament auf derartige Idiome verzichten und wesentlich europäischer denken, hat Niedersachsens Landtagspräsidentin Gabriele Andretta jetzt erfahren, als sie den Kollegen in Edinburgh besuchte. Dessen Botschaft war: „The Scottish Parliament is not Westminster.“ Also ohne Grunzlaute und andere Kapriolen.

So gänzlich ohne Kapriolen muss die Kabinettsklausur abgegangen sein, zu der sich das Landeskabinett unter Führung des Landesvaters Stephan Weil in Dinklage versammelt hatte. Denn nach der Klausur im Oldenburger Münsterland, in einem recht rustikalen Wellness-Hotel, betonte der Ministerpräsident in einer von neuen Inhalten weitgehend befreiten Pressekonferenz, dass man sich um die Belange der Menschen kümmern wolle. Und zu Wellness-Musik auf Facebook verkündete Weil: „Wir sind für einen starken Staat, wir setzen uns massiv für Integration ein..wir sind für Europa.“ Und sein Vize Bernd Althusmann meinte: „Europa ist Gemeinsamkeit in Vielfalt – so wie in einer Großen Koalition.“ Das sind die Botschaften, die das Land braucht. Vielfalt in Einfalt, Ahoi.

Jetzt den Übergang zum AfD-Bundestagsabgeordneten Armin-Paulus Hampel zu finden, fällt nicht schwer. Dieser beschwerte sich jüngst darüber, dass seine AfD, die schon für alle Ästheten eine echte Prüfung darstellt, vom Bundesverfassungsschutz als „Prüffall“ eingeordnet wurde. „Und wie steht‘s mit den USA?“, fragt Hampel in einer Pressemitteilung. Müsste, fragt Hampel, nicht der amerikanische Präsident vom Verfassungsschutz unter Beobachtung genommen werden, weil er sage, was das Volk denke? Keine schlechte Idee. Nur leider handelt es sich beim Bundesverfassungsschutz nur um einen Inlandsgeheimdienst und bei Trump um einen Volltrottel, den noch nicht einmal sein Büroleiter unter Kuratel stellen kann. God bless America.

Von Michael B. Berger

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