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Von Wildfleisch und Gesundheitsversammlungen

Aus meinem Papierkorb Von Wildfleisch und Gesundheitsversammlungen

Niedersachsen-Redakteur Michael B. Berger mit seinem satirischen Rückblick auf die Woche. Heute unter anderem über Wildfleisch und Gesundheitsversammlungen.

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Quelle: HAZ

Wer meint, die Zeit der Schreckensbotschaften sei spätestens mit Beginn der Karnevalszeit vorbei, der irrt. Mit Blick auf „invasive Arten“, die sich dank der Globalisierung auch bei uns ausbreiten sollen, hat die Deutsche Presse-Agentur (dpa) gerade den unvermeidlichen Kampf der Kulturen entdeckt.

„Fürchtet den Japanischen Staudenknöterich!“ ist diese Woche ein Korrespondentenbericht überschrieben. Mit Ausrufezeichen! Der widmet sich in deutscher Gründlichkeit dem Kampf heimischer Gewächse gegen „aus aller Welt eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten“, die heimische Artgenossen „überrumpeln“. Der selbst gestellten Frage „Was tun gegen Waschbär, Japanischen Staudenknöterich und Schwarzmundgrundel?“ werden allerdings nur Teilantworten zuteil. Nicht beruhigend jedenfalls die Erkenntnis, dass der Waschbär auf manchen Zeitgenossen zwar „putzig“ wirkt, aber in der Lage sein soll, ganze Wohnungen zu verwüsten, wenn er erst einmal in sie eingedrungen ist. „Dann brach die Hölle los“, wird im Waschbär-Einbruch-Zusammenhang die Paderborner Polizei zitiert. Und geradezu IS-mäßig scheint sich das putzig wirkende Tier gegenüber brandenburgischen Sumpfschildkröten zu verhalten: „Er beißt ihnen die Köpfe ab und gräbt deren Eier aus.“ Abscheu und Empörung äußern wir an dieser Stelle.

Nicht eben beruhigend ist auch jene Reportage, die die dpa wunderbar stabreimend Tage vorher in den Äther knallte: „Waffen, Wild und Weiblichkeit: Immer mehr Frauen jagen.“ Nicht nur, dass sie auf Chefetagen jetzt die Hosen anhaben. In den Kursen für die Jägerprüfung säßen mitunter 30 bis 40 Prozent Frauen, sodass der Jägerei als reiner Männerdomäne getrost das letzte Halali geblasen werden kann. Und immer mehr Städter interessierten sich für die Jagd, berichtet der Sprecher eines Landesjagdverbandes: „Die möchten wissen, wie das Fleisch auf dem Teller vorher gelebt hat.“ Na Hauptsache, es lebt nicht mehr, wenn es auf dem Teller landet. Und Wildfleisch, schwärmt der Jägersprecher weiter, erfülle alle Kriterien zu trendigem Essen: „Wenn es gut läuft, hören die Tiere nicht einmal mehr den Schuss.“ Das wird wohl an der bleifreien Munition liegen, die zu einem wunderbar bleifreien Tod verhelfen soll ...

Wo wir gerade bei Umweltthemen sind: Zur Bestandsaufnahme zum Thema „Gesund im MU“ hat kürzlich das Umweltministerium (MU) eingeladen. Doch die nächste Woche geplante Informationsveranstaltung muss Staatssekretärin Kottwitz leider absagen - „aus gesundheitlichen Gründen einiger Beteiligter“. Dafür kann sie am Sahlenburger Strand bei Cuxhaven einen „alten Bekannten“ begrüßen, wie die dpa notierte: Der hier angespülte Kadaver sei bereits vor drei Wochen auf der Sandbank „Knechtsand“ gesichtet worden, von dort aber wegen stürmischen Wetters weggedriftet. Der Wal, zwölf Meter lang und zehn Tonnen schwer, soll auf natürliche Weise verwesen. Das dauert. Eine halbe Legislaturperiode. Zwei Jahre.

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