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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Wildsauen und Gurkensuppen
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Wildsauen und Gurkensuppen
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22:32 27.10.2017
Quelle: HAZ
Von Wildsauen und Gurkensuppen (1,6 MB)

Aus gegebenem Anlass wollen wir heute die Domestizierung der Wildsau zum Hausschwein loben. Denn das Wildschwein ist für den Menschen das, was nach einem alten lateinischen Sprichwort der Mensch dem Menschen sein kann. Also eine Art Wolf. Höchstgefährlich. Schon Homer berichtet, dass die Göttin der Jagd, Artemis, aus Rache eine Wildsau auf die Erde geschickt habe, damit sie dort allerlei Verwüstungen anrichte. Deshalb sollte man skeptisch sein, wenn eine Wildsau, wie gestern in Heide geschehen, eine Sparkassenfiliale betritt. Sie wird dort gewiss kein Konto eröffnen. Wildschweine gelten als höchst intelligent und anpassungsfähig, weshalb man sie immer häufiger in befriedeten Gebieten oder großen Städten zu sehen bekommt. So gilt Berlin bereits als Hauptstadt der Schweine. Und dies nicht nur im übertragenen Sinn. Absolutistische Herrscher züchteten extra große Hunde, um der Schweine Herr zu werden. So kam der sogenannte „Sauhund“ ins politische Geschäft. Und die „Saufeder“ ist kein Schönschreiber der Schweinepresse, sondern ein Jagdspieß.

Der Übergang zu den wunderbaren Sondierungsgesprächen von CDU, CSU, FDP und den Grünen liegt jetzt geradezu auf der Hand, weshalb ich die rituelle Frage „wie jetzt den Übergang schaffen?“ auf vielfachen Leserwunsch hier nicht stelle. Aber warf nicht einst im Streit um die Kopfpauschale der FDP-Politiker Daniel Bahr der CSU vor, „wie eine Wildsau“ zu wüten? Und gab der wunderbare CSU-Heroe Alexander Dobrindt, dieses bebrillte Abbild Alexander des Großen, zurück, bei der FDP handele es sich um eine gesundheitspolitische „Gurkentruppe“? Nicht nachahmenswert diese Wortwahl, rügte damals die Kanzlerin - und wir freuen uns schon auf die wundersamen Auseinandersetzungen, die eine „Jamaika“-Koalition uns erwarten lässt. Wobei wir eine Gurkentruppe oder auch Gurkensuppe jedenfalls stets einer Wildsau vorziehen würden - sofern diese nicht tellerfertig aufbereitet ist.

Aber in Berlin muss man ja wohl essen, was auf den Tisch kommt. Obwohl noch nicht klar ist, was es morgen gibt. Aber das ist nicht anders als in Hannover. So lebt man in der Hauptstadt der Schweine nicht anders als in der Hauptstadt des gesunden Mittelmaßes und der kleinen Rathausskandale.

Das kann Emden nicht von sich behaupten, das diese Woche zur Scheidungs-Hauptstadt Deutschlands gewählt wurde. Auf 246 neue Ehen kommen in Emden 204 Scheidungen, was nicht unbedingt mit dem guten Museumsangebot der Stadt begründet werden kann, sondern eher mit der Kneipenszene und der Dynamik des ostfriesischen Tourismus, in dem der Bettenwechsel eine feste Größe ist. Am treuesten sollen die Bewohner Kemptens sein, wo auf 347 neue Ehen nur 39 Scheidungen folgen. Liegt dies nun an der hohen Bindewirkung der CSU? Oder der katholischen Kirche? Oder an der Enge der Alpen? Oder liegt es am inneren Schweinhund, der im Freistaat der Wildsäue nur ganz begrenzt Auslauf hat? Fragen über Fragen.         

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