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Von Zielkonflikten und Kormoranen

Aus meinem Papierkorb Von Zielkonflikten und Kormoranen

Niedersachsen-Redakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Über Abwege selbstfahrender Autos, den Absturz des "Vogels des Jahres" und die "Schnippeldisko" unseres Ministerpräsidenten.

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Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Auto zu sich selbst finden sollte. Dabei ist das selbstfahrende Automobil unter den Begriffen das, was der weiße Schimmel für die Deutschlehrer bedeutete, als die Bevölkerung noch Pferdekutschen für die Fahrten von A nach B bevorzugte. In Bayern müssen sich jetzt jedenfalls von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bestallte Ethikkommissionen damit befassen, welche moralischen Maßstäbe in die Lenkzentrale eines selbstfahrenden Automobils eingebaut werden müssten, damit es nicht auf Abwege oder in eine am Straßenrand campierende Rentnergruppe gerät. Die Frage, welchen Zielpunkt man als Crashpunkt wählt ist keineswegs abwegig, weil es auch beim jetzt schon üblichen Autoverkehr eine Menge von Zielkonflikten geben kann: Rase ich nun gegen den Baum oder in die Rentnergruppe? Na klar, an den Baum, werden Sie rufen, während das Autoradio „Mein Freund, der Baum, ist tot“ dudelt. Na klar, aber wie entscheiden Sie, wenn sich die Frage stellt, ob mein Auto nun dem Kind ausweichen soll, das gerade hinter seinem Ball auf die Straße strebt, oder ob man nicht eher den zwangsläufigen Crash mit der Rentnerkombo am Straßenrand schon aus demografischen Gründen als humanere Alternative bevorzugen sollte? Fragen über Fragen, in denen früher in Kommissionen für Kriegsdienstverweigerer räsonniert wurde - als sich die Automobile noch nicht als die neuen Autonomen gerierten.

Natürlich kann es von Vorteil sein, wenn sich der menschliche Faktor aus zentralen Fragen des Verkehrswesens herauszieht, weil ein Parkpilot oft unbestechlicher arbeitet als ein Alexander D. beim Rückwärtseinparken oder bei der Erfindung der sogenannten Ausländermaut. Aber ohne Ethik und Moral kommt man selbst im Zeitalter des Automatismus nicht aus - und das ist irgendwie auch beruhigend.

Gänzlich ohne Moral versorgt sich hingegen der Kormoran mit Frischfutter, weshalb sich jetzt alle im Landtag Niedersachsens vertretenen Fraktionen auf eine neue Kormoranverordnung geeinigt haben, die dem wunderbar gefräßigen Vogel auch ohne selbstfahrende Automobile demografische Grenzen setzt. Als reiner Fischfresser gefährde der Kormoran bei übermäßiger Ausbreitung, frohlockt die CDU, „nicht nur die Artenvielfalt in den niedersächsischen Gewässern, sondern auch die Teichwirtschaft und die Binnenfischerei“. Herrje, jetzt wird zurückgeschossen. Keine guten Zeiten für den „Vogel des Jahres 2010“.

Während sich Ministerpräsident Stephan Weil mental auf eine Reise in das Silicon Valley vorbereitet, wo er studieren will, wie das digitale Niedersachsen der Neuzeit (4.0) aussehen könnte, hat sich sein grüner Stellvertreter Stefan Wenzel dieser Woche verschrumpeltem und verwachsenem Gemüse hingegeben. Bei einer sogenannten „Schnippeldisko“ schälte der Umweltminister im grauen Einreiher Kartoffeln und presste eigenhändig Apfelsaft. Ob und wie und zu welchen Rhythmen der nachhaltige Mann mit dem Kartoffelmesser beim Schnippeln getanzt hat, ist nicht überliefert. Ein Reggae wäre Wenzel zuzutrauen.

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