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Von beigen Hosen und Nikotinpflastern

Aus meinem Papierkorb Von beigen Hosen und Nikotinpflastern

Niedersachsen-Redakteur Michael B. Berger mit 
einem satirischen Rückblick auf die Woche – heute: Von beigen Hosen und Nikotinpflastern.

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Es gibt Grundfragen der Menschheit, auf die man auch nach längerem Nachdenken keine rechte Antwort findet. Etwa: Warum ist die Banane krumm? Oder: Warum wird Hitlers Goldzug nicht gefunden? Oder: Warum lassen sich Sachsen so viel schwerer als Syrer integrieren? Die Mutter aller Fragen scheint jedoch im Harz zu lagern: Warum tragen überdurchschnittlich viele Osteroder beige Hosen? Als „Stadt der beigen Hosen“ hat ein Reporter der Deutschen Presseagentur diese im milden Herbstlicht funkelnde Perle des Harzes ausgemacht.

Und prompt schlug der Osteroder Bürgermeister, ein pfiffiges Kerlchen, zurück. Der Mann stellte sich todesmutig in Hawaii-shorts vor seinen Kleiderschrank und postete das Foto bei Facebook mit der Unterzeile: „Jeden Morgen das gleiche Drama: Welche beige Hose ziehe ich heute an?“ Sicher wird bald das NDR-WDR-SKL-Allinclusive-Reporter-Rechercheteam enthüllen, dass die Vielzahl der Grau- die Vielzahl der Beigetöne in Osterode um ein Vielfaches übertrifft. Aber das geht sicherlich auch im allgemeinen Nachrichtentaumel unter.

Wie auch die wirklich überraschende Nachricht, dass Helmut Schmidt mit dem Rauchen aufhören will, obwohl seine Leibärzte meinen, er könne ruhig weiterpaffen, weil man einem 96-Jährigen schwerlich den Wechsel der Lebensgewohnheiten befehlen könne. Stimmt, das kann ich bestätigen. Das wäre so, als wenn man dem Dalai Lama den Verzicht auf seine Flipflops nahelegen würde oder Horst Seehofer den Vorzug solidarischen Handelns. Himmel und Erde mögen vergehen, Helmut Schmidt bleibt. Jetzt knabbert er halt an seinen Nikotinpflastern.

Wer hätte übrigens gedacht, dass Helmut Schmidt, von dem es hieß, mit seinen Sekundärtugenden könne man auch ein Schullandheim leiten (entschärfte Fassung, d. Red.), irgendwann einmal als Exempel bürgerlichen Ungehorsams erscheinen könnte? Times, they are a changin...

Das merkt man auch darin, dass jetzt im Landkreis Hameln der erste Geburtstag des sogenannten Schnullerbaumes gefeiert wird, mit dem Landrat Tjark Bartels auf die Wichtigkeit des „Abschnullerns“ hinweisen will. Also nochmals, liebe Leser, die Mahnung des Landkreises: „Kinder sollten bis zum 24. Lebensmonat vom Schnuller entwöhnt werden, da fortdauerndes Lutschen zu Zahn-, Kiefer- und Zungenfehlstellungen sowie daraus resultierenden Sprachfehlern führen kann.“ Hätte es in Dresden einen Schnullerbaum gegeben, hätte es einen Herbert Wehner wohl nie gegeben.

Wie kommen wir jetzt vom Schnullerbaum zum CDU-Politiker Frank Oesterhelweg, einem Bauern, der in seiner Rhethorik die ganze Wilde des Vorharzgeländes repräsentiert? Ihm gehe es auf den Geist, wenn Agrarminister Meyer von „Turbo-Hühnern“ spreche, rumpelte Oesterhelweg im Landtag. Und man war schon froh, dass er nicht sagte, der Minister gehe ihm auf den Sack.

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