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Von neuronalen Störungen und dem Blaubeerland

Aus meinem Papierkorb Von neuronalen Störungen und dem Blaubeerland

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Nahbegegnung mit dem Schweinehund.

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Quelle: HAZ

Es gibt scheinbar einfache Dinge, die von langer Hand und wachem Hirn vorbereitet sein müssen, um zu gelingen. Schnürsenkel binden etwa. Oder zu einer Kaffeetasse greifen, den Löffel sachte reingleiten lassen und umrühren. Oder eine ostfriesische Teezeremonie mit klitzekleinen Tässchen und irre lachenden Ostfriesen im Hintergrund durchziehen. Hochkomplexe Vorgänge. Wir kommen auf dieses Thema nur, weil wir neulich hörten, dass Primatenforscher jetzt anhand der Hirnaktivität von Rhesusaffen herausfinden wollen, welche neuronalen Signale zu welchen Griffbewegungen führen. Keine unwichtige Frage, denn die Ergebnisse sollen ermöglichen, dass man Handprothesen so vielfältige Griff- und Greifbewegungen beibringen kann, dass sie Gelähmten helfen, das Leben besser zu meistern. Alles neuronal gesteuert.

Der Übergang zu Donald Trump scheint jetzt ohne Risiko, nur leider haben sich unsere Primatenforscher noch nicht an die Frage herangewagt, welche neuronalen Störungen den amerikanischen Wahlkampf begleiten, der dem Antiamerikanismus die beste Plattform liefert. Die Vorstellung, dass sich Trump, Putin und Erdogan demnächst „auf Augenhöhe“ treffen könnten, um vielleicht Herrenwitze zu erzählen, sprengt alle Vorstellungskraft. Aber im Vergleich zu den anderen beiden anderen Herren sehen wir die einst einem Moderatorenmund entsprungene Metapher von Putin als dem „lupenreinen Demokraten“ schon in einem anderen, wesentlich milderen Licht.

Neuronal gesteuert scheinen auch die Sprüche zu sein, die der Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht Beifall von ganz rechts bescheren, etwa wenn sie gegen die Kanzlerin giftet. Denn kaum war die Bombe in Ansbach hochgegangen, ließ Wagenknecht nach dem „Da-siehste-mal-Prinzip“ ihr rethorisches Bömbchen los, das kein Beispiel gelungener Willkommenskultur sein dürfte. Wer Merkel von rechts kritisiere, könne nicht Vorsitzende der Linken-Fraktion sein, befand der wackere Abgeordnete Jan van Aken. Eine schlichte, aber bestechende Logik.

Nichts für die Feinmotorik von Roboterhänden dürfte der Krönungsakt sein, auf den sich Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer schon seit Tagen vorbereiten soll. Meyer soll am Sonntag nicht nur die „Heidelbeerstraße“ eröffnen (wir freuen uns über jeden Grünen, der mal eine Straße eröffnet), sondern auch die diesjährige Helena I. krönen, die die logische Antwort auf die Birne Helene der Heidelbeerbauern zu sein scheint. Ferner präsentiere der Minister noch ein neues Logo („Die blauen Höfe“) und einen neuen Slogan. Mit dem Spruch „Entdecke dein Beerenfeeling“ (daran haben Wortakrobaten bestimmt Monate gefeilt wie die Göttinger Polizei an ihrem jüngsten Einsatz gegen Hildesheimer Salafisten) wollten 41 direkt vermarktende Heidelbeerbetriebe „die Wahrnehmung der blauen Beeren stärken“, frohlockt das Ministerium. Schließlich sei Niedersachsen mit über 1700 Hektar im Bundesvergleich „Blaubeerland Nummer Eins“. Naja, immer noch besser als Braunbärland.

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