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Von überwältigenden Eindrücken

Aus meinem Papierkorb Von überwältigenden Eindrücken

Niedersachsenredakteur Michael B. Berger blickt am Ende jeder Woche in seinen (virtuellen) Papierkorb – und erzählt die Nachrichten, die liegen geblieben sind, aber doch Beachtung finden sollten. Heute: Von überwältigenden Eindrücken.

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Manchmal hilft ein Blick von außen, das Grauen zu erkennen, das trotz aller zivilisatorischer Fortschritte unter uns wohnen kann. So berichtete diese Woche eine Zeitung aus Osnabrück, dass englische Boulevardmedien intensiv den Fall eines Japaners diskutieren, der von seiner eigenen Porno-Sammlung erschlagen worden sei - ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Vorgang. Der Mann sei erst sechs Monate nach seinem merkwürdigen Ableben entdeckt worden, weil sein Vermieter wegen erheblicher Mietrückstände nach dem Rechten haben schauen wollen. Er fand seinen Mieter unter hunderten von Pornomaterialien begraben, vor allem Zeitschriften und Filme. An die sechs Tonnen. Unklar sei, ob der Mann von dem Material erschlagen worden oder einem Herzinfarkt erlegen sei. In jedem Fall hatte das Material einen überwältigenden Eindruck auf ihn gemacht. Warum? Fragen über Fragen. 

Ein Rätsel bleibt letztlich auch, was Martin Schulz hat, was andere Männer nicht haben. Nun gut, kein Haupthaar. Haben viele andere auch nicht. Den rheinischen Tonfall, diese glockenähnliche Singsangstimme? Hatte Adenauer auch. Diese „ich kam von ganz unten und habe mich als Buchhändler nach oben gearbeitet“-Melodie, diese exorbitante Exlibris-Existenz? Haben auch andere so vorzuweisen. Ist schon erstaunlich, dass sich die SPD an einem trockenen Alkoholiker berauscht, der am 26. Juli 1980 sein letztes Bier zu sich nahm, wie er diese Woche „Bild“ erläuterte. Oder spiegelt Schulzens Halbglatze so mächtig in die bundesdeutsche Ödnis, dass sie wie eine gewaltige Projektionsfläche dient? Fragen über Fragen, während die Umfragewerte weiter in die Höhe gehen. 

Aber oft hat eben das Eine wenig mit dem Anderen zu tun, auch wenn es schwer fällt, dies zu glauben. Sollen wir also wirklich glauben, dass dem türkischen Außenminister tatsächlich aus Brandschutzgründen der Auftritt in einem etwas heruntergekommen Veranstaltungszentrum versagt wurde, obwohl er im Stück „Biedermann und die Brandstifter“ einer der Hauptakteure ist? Von fehlenden „Entfluchtungen“ war die Rede. Wieder ein neues Wort. Erdogans Reaktion, er werde bald einen „Aufstand“ machen, war aufschlussreich. Das tut er doch schon seit langem. Nur dass sein Ziel nicht der Staat, sondern die Demokratie ist. 

Vollverschleierungen passten nicht zu Deutschland, hat diese Woche der niedersächsische CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann gemeint, obwohl gerade die Union der Schleierfahndung einiges abgewinnen kann und auch Schleiertänzen nicht abhold ist. Dabei böte gerade die Vollverschleierung einigen Spitzenrepräsentanten der Landtagsfraktion die Möglichkeit, hier und da im Parlament einen optischen Reiz zu schaffen. Nicht nur Streifen machen schlank. Immerhin: ein Jens Nacke mit Nikab und im Tschador wäre eine verwegene Vorstellung, der Ammerländer einmal anders.       

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