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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von vaterlandslosen Gesellen und Trinkliedern
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von vaterlandslosen Gesellen und Trinkliedern
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18:52 09.03.2018

Potzblitz. Das nennt man wohl ein Machtwort, das Niedersachsens CDU-Landesvorsitzender Bernd Althusmann all jenen Gleichstellungsbeauftragten entgegengeschleudert hat, die des Deutschen heiligsten Gesang, die Nationalhymne, der Vergenderung anheimfallen lassen wollen. „Das Wort ‚brüderlich‘ kann nicht sinngleich durch ‚couragiert‘ ersetzt werden“, donnert Althusmann. „Und ‚Vaterland‘ nicht einfach durch ‚Heimatland‘.“ Schließlich gebe es feste Begriffe wie „Muttersprache, Mutter Natur, Mutterboden“ oder - Althusmann schreckt vor nichts zurück - auch „Mutterkonzern“. Wobei jeder Konzernmitarbeiter weiß, dass gerade Großkonzerne wenig mit Großmüttern gemein haben und oft keineswegs mütterlich agieren. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Althusmann jedenfalls weist den Vorschlag aus dem Bundesfamilienministerium, einzelne Teile der Nationalhymne zu ändern, „eindeutig und couragiert“ zurück: „Finger weg von unserer Nationalhymne!“

Dabei hat der gute Hoffmann von Fallersleben seine Hymne vermutlich im Suff gedichtet oder zumindest schwer verkatert nach einigen ziemlich heftigen Trinkrunden mit hannoverschen Männerfreunden auf der Insel Helgoland. In dieser Runden habe, so notierten etwa Geheimagenten, „allgemeine Heiterkeit vom Anfang bis zum Ende“ geherrscht, was man der zweiten Strophe des Hoffmann‘schen Trinkliedes ja noch anmerkt, wo von „deutschen Frauen, deutscher Treue, deutschem Wein und deutschem Sang“ die Rede ist. Einige Teilnehmer der Hoffmann‘schen Runde, so wurde jüngst in einem großen Helgoland-Buch überliefert, seien „durch Trunkenheit ganz unschädlich geworden“. Da wirft man doch einen leicht glasigen Blick auf „des Glückes Unterpfand“, das Einigkeit und Recht, hicks, und Freiheit darstellen sollen. Wie auch immer: „Blühe, deutsches Vaterland!“

Zu den vaterlandslosen Gesellen, die auch nichts vom Mutterboden halten, zählen gewiss Wölfe, die nicht nur die finstersten Geschichten in Vintage-Kinderbüchern zieren, sondern immer größere Teile der norddeutschen Tiefebene verunsichern. Der CDU-Abgeordnete Martin Bäumer, der nicht nur die Chem-Trails am Himmel verfolgt, sondern auch die Spuren der Wölfe auf der heimatlichen Scholle, hat jetzt ausgerechnet, dass 40 000 Raubtiere dereinst unser blühendes Vaterland bevölkern werden. Bereits 2030 werden aus den jetzt 4000 mehr als 40 000 Exemplare, prophezeit Bäumer: „Wir brauchen dringend ein effektives Wolfsmanagement.“

Ach ja, einmal im Leben Wolfsmanager sein. Ein Traumberuf. So etwas hätte die SPD-Bundesspitze gebraucht, die künftig, so hören wir, gemeinsam mit Mutter Nahles und dem coolen Olaf „im Team“ arbeiten will, was die Rudelbildung fördert. Aber ohne das Wölfchen Siggi, der so herrlich die Marietta Slomka anknurren konnte, und ohne das Lämmchen aus Würselen. Zumindest in der SPD war der Erhaltungszustand des Wolfes so beschaffen, dass einige Exemplare auch nach strengsten naturschutzrechtlichen Bestrebungen zur „Entnahme“ geeignet erschienen.

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