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Wie Robin Hood in der Neidgesellschaft

Aus meinem Papierkorb Wie Robin Hood in der Neidgesellschaft

Niedersachsen-Redakteur Michael B. Berger mit 
einem satirischen Rückblick auf die Woche. Diesmal: Über Robin Hood in der Neidgesellschaft.

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Quelle: HAZ

Ach ja, der gute, alte Schäuble. Ist immer wieder für einen politischen Rätselspruch gut. „Erbarmungswürdiges Gerede“, hat er dem alerten SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel vorgeworfen, als dieser endlich ein Thema für den Wahlkampf entdeckt zu haben glaubte, mit dem sich die SPD rattenscharf von der nach halb links abdriftenden Kanzlerin abgrenzen kann. Den Neid. Was wären wir ohne den guten alten Neid? Wie käme der bundesdeutsche Kapitalismus ohne ihn zum Blühen, das deutsche Berufsbeamtentum, der Journalismus? Der Neid ist doch das Thema, das die Gesellschaft im Kern zusammenhält – eines, über das man sogar mit seinem Hauspsychologen ins Gespräch kommt, konfessionenübergreifend, transgendergenial, vom Gebär- zum Penisneid. Ein formidables Wahlkampfthema. Und Gabriel spricht aus, was doch alle in der Mitte der SPD denken: Den Flüchtlingen wird alles hinterhergeworfen ... Bleibt die alte Heide-Simonis-Frage: „Und was wird dann aus mir?“

Schäuble, die schwarze Null mit dem messerscharfen Intellekt, findet das „erbarmungswürdig“. So rede doch kein Vizekanzler, sondern nur ein SPD-Chef im Wahlkampf, befand er, grimmig schwäbelnd wie Kretschmann bei der Würdigung von Volker Becks Drogenkarriere. Dabei ist Gabriel doch beides, Vizekanzler und SPD-Chef. Auch wenn’s keiner glaubt. Er ist keineswegs der „Robin Hood“, als den ihn nun ausgerechnet Sahra Wagenknecht verhöhnte. Passt schon figürlich gar nicht. Und mal im Ernst, Frau Wagenknecht: Wollen Sie sich den Siggi in Zeiten der Baumschutzssatzung im grünen Wams mit Pfeil und Bogen auf einer englischen Eiche vorstellen? Nur wenn Gevatter Lafontaine den Sheriff von Nottingham gibt, die Fieslingrolle schlechthin für eingefleischte Sozialdemokraten.

Der Begriff „eingefleischt“ kommt auch nicht mehr ohne Weiteres auf den Teller, seitdem sich kaum eine Sau traut, in der Kantine Kotelett zu kredenzen und der Vegetarismus die deutsche Mitte erreicht hat, deren Gründergeneration noch mit Eisbein an Sauerkraut großgeworden ist. Aber Freunde, ich sage euch, es kommt alles einmal wieder. Wie der Hawaiitoast, die neue deutsche Rechte und die alte Sinnfrage, wie fruchtbar jener Schoß ist, aus dem so manches kroch.

Allen Dehnungen der Geschmacksknospen zum Trotz bleibt der Grünkohl ein angesagtes Gericht. Diese Woche sah man sogar Honoratioren aus Hannover nach Brüssel fliegen, um sich in der niedersächsischen Landesvertretung dem Grünkohl hinzugeben - und einer Pinkelwurst, die dem schottischen Häggis ähnelte. Als ungekrönter König der Grünkohlrede erwies sich Comedian Günther, der Treckerfahrer. Er lüftete endlich das Geheimnis, warum Seehofer ausgerechnet bei Putin in Moskau das Gespräch suchte. „Es ging darum, Merkel im Gefangenenaustausch gegen Gerard Depardieu auszuliefern ...“.

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