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Rückblende Teil 11

Die DDR feiert Geburtstag - aber nicht alle feiern mit

Von Kristian Teetz

Mit einem Tag Verzögerung und nach einer strapaziösen Zugfahrt sind sie endlich in Freiheit: Am 5. Oktober 1989 kommen Tausende DDR-Bürger in der Bundesrepublik an.

Nachdem bereits am 30. September etwa 4000 Ausreisewillige die Prager Botschaft verlassen konnten, haben sich innerhalb von nur drei Tagen erneut 8000 Menschen auf dem Gelände des Palais Lobkowitz versammelt. Weil die DDR negative Schlagzeilen kurz vor ihrem 40. Geburtstag vermeiden will, genehmigt sie auch deren Ausreise. Im gleichen Atemzug beschränkt die SED den Reiseverkehr in die Tschechoslowakei: Nur noch mit einem Visum dürfen die Ostdeutschen nun ins Bruderland einreisen. Damit geht den DDR-Bürgern vor den bevorstehenden Herbstferien auch die letzte bescheidene Reisemöglichkeit verloren.

Von den 8000 Übersiedlern fahren 750 von Hof in Bayern am selben Tag weiter nach Hannover. Sie kommen in Laatzen an und werden in der Messehalle 21 von Niedersachsens Innenminister Josef Stock (CDU) begrüßt. Diejenigen, die es an dem Tag noch in die Innenstadt schaffen, erleben den ersten „langen Donnerstag“ der Einzelhandelsgeschichte, statt um 18.30 Uhr schließen die Geschäfte erstmals donnerstags erst um 20.30 Uhr.

Am 6. Oktober schottet sich die DDR im Vorfeld der Republikfeierlichkeiten ab. Unter Bruch des Viermächteabkommens über Berlin sind die Grenzübergänge für Bundesbürger und Westberliner seit den Morgenstunden geschlossen. Eine Einreise in den Ostteil der Stadt ist nicht möglich. Die westlichen Alliierten und die Bundesrepublik protestieren. Aber die SED bleibt hart, sie will vermeiden, dass der Westen ihr Vorgehen gegen Demonstranten beobachten kann.

Der Protest lässt sich nicht aufhalten, in zahlreichen Städten kommt es zu Demonstrationen, Friedensgebeten, Kundgebungen. Der Staat geht mit brutaler Gewalt vor. Inhaftierte müssen Spießruten laufen, während Volkspolizisten mit Gummiknüppeln auf sie einprügeln, andere müssen stundenlang in ihren Zellen stehen, stumpfe Gewalt über sich ergehen lassen.

Trotz allem gehen auch während des Staatsfeiertags am 7. Oktober zahlreiche Menschen auf die Straße, am 8. Oktober spitzt sich die Lage in Dresden zu, wo allein 1000 Demonstranten festgenommen werden. Am 9. Oktober wird die Montagsdemonstration in Leipzig zum entscheidenden Tag auf dem Weg zur friedlichen Revolution. 70.000 Menschen machen ihrer Wut Luft, wie durch ein Wunder kommt es zu keiner Gewalt (zu den Ereignissen zwischen dem 7. und 9. Oktober lesen Sie in den kommenden Tagen einen ausführlichen Bericht).

Am 11. Oktober räumt das Politbüro erstmals Fehler ein. In einer Erklärung, die in den Abendnachrichten verlesen wird, heißt es: „Der Sozialismus braucht jeden. Er ist die Zukunft der heranwachsenden Generationen. Gerade deshalb lässt es uns nicht gleichgültig, wenn sich Menschen, die hier arbeiteten und lebten, von unserer Deutschen Demokratischen Republik losgesagt haben.“ Das war die Zurücknahme des skandalösen Honecker-Zitats vom 2. Oktober „Man sollte ihnen (den Flüchtlingen, Anm. d. Red.) keine Träne nachweinen“. Und es war ein Zeichen für die nahende Ablösung des greisen Chefsozialisten.

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