1980: Als erste deutsche Produktion wird „Die Blechtrommel“ in Hollywood mit einem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet. Regisseur Volker Schlöndorff erzählt in seiner Verfilmung des Romans von Günter Grass vom Danzig der Vorkriegszeit, vom Nationalsozialismus und der Vertreibung der Deutschen. In der Hauptrolle des jungen Oskar Matzerath brilliert der kleinwüchsige Schauspieler David Bennent.
1981: Gorleben, Brokdorf, Gronau – wo immer Atomenergieanlagen entstehen sollen, regt sich in diesen Jahren massiver Widerstand. Die 1980 als bundesweite Partei gegründeten Grünen unterstützen die Proteste. Zu einer der größten Kundgebungen kommt es im Februar 1981 in Brokdorf bei Hamburg. Rund 100.000 Menschen aus ganz Deutschland protestieren gegen den Weiterbau des dortigen Kernkraftwerks.
1982: Die FDP kündigt nach 13 Jahren die sozialliberale Koalition auf. In einem konstruktiven Misstrauensvotum wählt der Bundestag CDU-Chef Helmut Kohl am 1. Oktober 1982 zum Bundeskanzler – es ist der Beginn einer 16-jährigen Ära. Bei der Bundestagswahl 1983 wird seine Koalition aus Union und FDP bestätigt. Erstmals ziehen dabei auch die Grünen (5,6 Prozent) ins Parlament ein.
1983: Freiheit für die Streichhölzer: Nach mehr als einem halben Jahrhundert läuft in Deutschland das staatliche Zündwarenmonopol aus. Im Gegenzug für einen 125-Millionen-Dollar-Kredit hatte sich der schwedische Zündholzkonzern 1930 eine Art Alleinverkaufsrecht für Deutschland gesichert. Jetzt ist die letzte Rate zurückgezahlt, die „Welthölzer“ bekommen Konkurrenz, der Preis sinkt um etwa ein Drittel. Später fallen noch Monopole bei Post, Bahn und Telekommunikation.
1984: Der Mediziner Julius Hackethal überlässt einer schwer an Krebs erkrankten Frau Zyankali und ermöglicht ihr so, sich das Leben zu nehmen. Er löst damit heftige Diskussionen um humanes Sterben und inhumanes Töten, um Gerätemedizin und die Grenzen des Machbaren aus. Zahlreiche Ärzte kritisieren Hackethal, doch gerichtlich wird der streitbare Sterbehilfeaktivist nie verurteilt, da die Frau die Kapsel selbstständig geschluckt hatte.
1985: Deutschland ist im Tennisfieber: In Wimbledon geht ein 17-jähriger, rotblonder Leimener als Turniersieger vom Platz. Bis zu seinem Karriereende 1999 wird Boris Becker sechs Grand-Slam-Turniere gewinnen und 28 Wochen lang auf Platz 1 der Weltrangliste stehen, Becker-Faust und Becker-Hechtrolle werden seine Markenzeichen. Außerdem sorgt er als Steuerflüchtling und mit der Zeugung eines unehelichen Kindes in einer Besenkammer für Schlagzeilen.
1986: Ein Atomunfall von albtraumhaften Ausmaßen im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl erschüttert die Welt. Über die Zahl der Todesopfer wird bis heute gestritten. Mehr als 150.000 Menschen werden evakuiert, ganze Landstriche sind kontaminiert. Eine radioaktive Wolke verbreitet sich über halb Europa. Die Katastrophe löst auch in Deutschland vehemente Proteste gegen Atomenergie aus.
1987: Es ist einer der größten bundesdeutschen Politskandale: „Der Spiegel“ enthüllt, dass Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Uwe Barschel (CDU) seinen Rivalen Björn Engholm (SPD) bespitzeln ließ. In einer Pressekonferenz gibt Barschel sein Ehrenwort, dass die Vorwürfe haltlos seien. Am 11. Oktober wird er tot im Genfer Hotel „Beau Rivage“ aufgefunden. Viel spricht für einen Freitod, doch immer wieder gibt es Gerüchte, er sei ermordet worden.
1988: Bei einem Bankraub in Gladbeck nehmen die Kriminellen Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner mehrere Geiseln. Ihre Flucht wird zu einer 54-stündigen Odyssee; unter anderem kapern sie einen Nahverkehrsbus. Skrupellose Medienvertreter führen während der Geiselnahme Interviews mit den Tätern. Auch die Polizei gerät wegen gravierender Pannen in die Kritik. Insgesamt fordert das Geiseldrama drei Tote, die Täter sitzen bis heute in Haft.
1989: „Wahnsinn“ ist das Wort der Stunde. Der unspektakuläre Satz „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Voraussetzungen beantragt werden“, beiläufig gesprochen vom SED-Politbüromitglied Günter Schabowski bei einer Pressekonferenz, leitet am 9. November nach 28 Jahren den Fall der Mauer ein. Seit Monaten fordern Demonstranten in der DDR und anderen Ostblockstaaten mehr Freiheit. Am Ende brechen die kommunistischen Diktaturen zusammen.
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