1949: In diesem Jahr entsteht das moderne Deutschland: Am 23. Mai wird das Grundgesetz unterzeichnet. Bei der Bundestagswahl stimmen 31 Prozent für die Union, 29,2 Prozent für die SPD, 11,9 Prozent für die FDP und 5,7 Prozent für die KPD. Am 20. September wird der 73-jährige Konrad Adenauer als erster Kanzler vereidigt. „Gut, dass Vater wieder Arbeit hat, da sitzt er nicht mehr zu Hause rum“, soll seine Familie in Röhndorf gesagt haben.
1950: In den Kinos läuft „Schwarzwaldmädel“ an. Der erste deutsche Nachkriegsfarbfilm wird mit rund 16 Millionen Besuchern zu einem der größten Kassenschlager der Nachkriegszeit. Sonja Ziemannn und Rudolf Prack sind fortan das Traumpaar des deutschen Films – und die Operettenverfilmung zieht eine ganze Welle an „Heimatfilmen“ nach sich.
1951: Die bunten Blätter haben das Thema des Jahrzehnts: In Teheran heiratet Schah Reza Pahlewi die 19-Jährige Soraya Esfandiary – eine Hochzeit wie aus 1001 Nacht. Die Brautmutter ist eine Deutsche, Sorayas Vater stammt aus einer angesehenen persischen Familie. Ihr Schicksal wird Millionen Herzen rühren: Die Ehe bleibt kinderlos, wird geschieden, Soraya wird zur Galionsfigur des europäischen Jetset.
1952: Die Flimmerkiste kommt in die ersten Wohnzimmer: Der Nordwestdeutsche Rundfunk nimmt Weihnachten den ersten regulären Programmbetrieb auf, zu den frühen Stars zählen Showmaster Peter Frankenfeld und Ansagerin Irene Koss. Anfangs sind nur wenige Zuschauer dabei: Bis Ende 1952 wurden erst 4000 der teuren Geräte verkauft. Fernseher werden Prestigeobjekte: 1957 steigt ihre Zahl auf eine Million, 1960 sind es bereits vier Millionen.
1953: Die vor vier Jahren gegründete DDR gerät in eine Krise, die die Geburtsfehler des Oststaates bloßlegt: Zunächst demonstrieren in Ostberlin nur Bauarbeiter gegen eine Normerhöhung, bald fordern Menschen überall im Osten freie Wahlen. Arbeiter holen die rote Fahne vom Brandenburger Tor. Am 17. Juni schlagen sowjetische Panzer den Aufstand nieder. Es gibt mehrere Dutzend Tote.
1954: „...und die Ungarn, wie von der Tarantel gestochen, drehen den siebten oder zwölften Gang auf ... und Kocsis flankt, Puskás abseits, Schuss, aber nein, nein, kein Tor, Puskás abseits...“ Herbert Zimmermanns Radioreportage vom WM-Endspiel in Bern ist ein Stück deutsche Geschichte. Am Ende hatte bekanntlich Rahn aus dem Hintergrund geschossen. Deutschland war Weltmeister – und wir waren wieder wer.
1955: Da wusste man, was man hatte: In Wolfsburg läuft am 5. August 1955 der einmillionste VW Käfer vom Band – der meistproduzierte Wagen Europas. Als Standardmodell kostet er 3790 Mark. Der Käfer gehört zur Biografie von Millionen Deutschen. Nichts wird so sehr zum Symbol des Wirtschaftswunders wie seine geschwungene Silhouette. Erst am 30. Juli 2003 wurde in Mexiko der letzte von 21.529 464 Käfern gebaut.
1956: Der „Barras“ ist zurück: Die ersten Wehrpflichtigen werden zur neu gegründeten Bundeswehr eingezogen. Seit einem Jahr ist die Bundesrepublik Nato-Mitglied. Adenauers CDU hatte Wiederbewaffnung und Westintegration gegen Widerstand aus der SPD vorangetrieben. Die Lage in Europa ist angespannt: In Ungarn schlagen die Kommunisten einen Volksaufstand nieder.
1957: Das Wirtschaftswunderland produziert auch Skandale: In Frankfurt wird die Edelprostituierte Rosemarie Nitribitt erwürgt. Hartnäckig halten sich Gerüchte, „gewisse Kreise“ würden Ermittlungen gegen prominente Industrielle behindern. Aufgeklärt wird der Fall, in dem sich die (Doppel)moral jener Zeit spiegelt, nie. Erst 2008 wird der zu Lehrzwecken aufbewahrte Schädel der Nitribitt auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof beigesetzt.
1958: Der größte aller Popstars lebt jetzt in Deutschland: Am 1. Oktober kommt Elvis Presley als G.I. in Bremerhaven an, Fans bereiten ihm einen stürmischen Empfang. Bis zum 2. März 1960 ist er im hessischen Friedberg stationiert – sein einziger längerer Auslandsaufenthalt. Er wohnt teils in Bad Nauheim, Goethestraße 14. Hier lernt er auch seine spätere Frau kennen, die erst 14-jährige Soldatentochter Priscilla Beaulieu.
1959: Triumph für die Gewerkschaften: In Deutschland setzen sie nach einer langen Kampagne („Samstags gehört Vati mir“) die Fünf-Tage-Woche durch, zunächst im Steinkohlebergbau, andere Bereiche folgen. Nur 187.000 Menschen sind arbeitslos, Tendenz sinkend. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt jetzt bei 41,5 Stunden (England: 47,3 Stunden). Neben dem Lohn wird den Deutschen die Freizeit immer wichtiger.
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