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Interview zum Online-Wahlkampf

Experte: "Strategien gleichen sich"

Von Dirk Kirchberg

Markus Beckedahl berät Unternehmen und politische Organisationen zu Web-2.0-Strategien. Im Interview bewertet er den deutschen Online-Wahlkampf.
Markus Beckedahl

Markus Beckedahl

© Dirk Kirchberg

Wie bewerten Sie die Online-Kampagnen der Parteien?

Nach der Europawahl dachte man, dass die Parteien diese als Spielwiese genutzt hätten und dass jetzt etwas Neues käme. Einen Monat vor der Wahl stellen wir aber fest, dass da nichts mehr kommt. Ich erwarte keine Überraschungen mehr.

Nutzen die Parteien das Internet richtig für ihre Zwecke?

Die Strategien gleichen sich alle und sind auf das Senden von Botschaften ausgelegt, klassische Broadcasting-Strategien. Man bekommt das Gefühl, die Politiker haben das Internet nicht verstanden. Der fade Online-Wahlkampf bildet letztlich nur den allgemeinen Wahlkampf ab, der eben auch langweilig ist. Die Slogans gab es alle schon mal: weniger Steuern, mehr Ökologie, mehr Jobs. Solche Botschaften locken heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor.

Haben deutsche Politiker Angst vor mitmachenden Wählern?

Viele Politiker sind sicherlich erschreckt, was ihnen an Kritik im Internet entgegenschlägt. Dabei gab es diese Kritik schon immer in der Gesellschaft. Sie wurde am Stammtisch oder vor dem Fernseher artikuliert. Im Internet wird sie nun aber sichtbar, die Bürger können zurücksenden.

Fürchten die Politiker, im Netz die Kontrolle über ihre Botschaften zu verlieren?

Ja, sie müssen aber akzeptieren, dass die neuen Medien längst Realität sind. Also müssen sie ihre Strategien ändern. Es fehlt den Parteien anscheinend aber der Mut, den Kontrollverlust zu akzeptieren und neue partizipative Kampagnen zu nutzen.

Die Piratenpartei hat die Freiheit des Internets zum zentralen Wahlkampfthema gemacht. Wie ernst zu nehmen ist diese Splitterpartei?

Viele frustrierte Wähler sammeln sich bei der Piratenpartei, weil sie sich von keiner anderen Partei vertreten fühlen. Die Piraten probieren wegen fehlender Mittel viel aus. Es entstand eine Art Open-Source-Kampagne, bei der jeder mitmachen kann. Wähler werden viel stärker motiviert, sich zu engagieren. Das sollten sich die großen Parteien unbedingt anschauen.

Wie sollte moderner Wahlkampf aussehen?

Moderne Politiker kommunizieren offen und transparent auf vielen Kanälen, erklären ihre Ziele und diskutieren diese mit Bürgern – nicht nur im Wahlkampf, sondern auch und gerade zwischen den Wahlen. Volker Beck und Reinhard Bütikofer sind da kleine Leuchttürme. Aber in allen Parteien gibt es jüngere Politiker, die Technologie offen und neugierig gegenüberstehen. Sie probieren das Internet und soziale Medien aus und verstehen es nicht nur als Raum für Erlebnisberichte.

Wann wird es einen echten Online-Wahlkampf nach dem Vorbild Obamas geben?

Frühestens 2013. Wir können nur hoffen, dass sich die alte Politgeneration an ihre eigenen Regeln hält und spätestens mit 67 in Rente geht.

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