Der Wahlkampf dürfte Ihnen als Rentnervertreterin doch Freude bereiten – so, wie die Politiker um die Gunst der Rentner buhlen.
Es ist schon so, dass die Politiker unseren Einladungen zu Diskussionsrunden folgen und sich für die „schönen Veranstaltungen“ bedanken. Aber wenn Sie auf die Rentengarantie anspielen: Das ist eine Wohltat auf Zeit.
Warum sollten denn ausgerechnet Rentner vor den Folgen sinkender Einkommen geschützt werden?
Arbeitsminister Olaf Scholz hat zwar klargemacht, dass es erst mal keine Rentenkürzungen geben wird, aber in konjunkturell besseren Zeiten wird das nachgeholt werden. Die Rentner haben sich in den vergangenen Jahren nicht gerade ein goldenes Näschen verdient. Sie haben drei Nullrunden hinter sich, die Einschnitte nach der Gesundheitsreform haben sie hart getroffen.
Aber mit durchschnittlich 1972 Euro netto pro Haushalt ging es doch keiner Rentnergeneration so gut wie der heutigen.
Was ist denn das für ein Vergleich? Früheren Generationen ging es gar nicht gut. Und die jüngere Generation sollte nicht vergessen, dass all das, was den Älteren heute genommen wird, auch ihr später fehlen wird.
Wie erklären Sie Jüngeren, dass sie für die Renten der Älteren aufkommen und zugleich für sich selbst vorsorgen müssen?
Das Umlageverfahren besagt, dass die aktive Generation die Renten finanziert – dieser Generationenvertrag darf nicht aufgekündigt werden, sonst wäre die heute aktive Generation wirklich gekniffen. Mich stört dabei, dass das Thema Generationengerechtigkeit auf die Rentenzahlung fixiert ist. Dabei ist es doch die Bildung, in die investiert werden muss, um langfristig Generationengerechtigkeit sicherzustellen.
In Zeiten knapper Kassen sprechen einige schon von Verteilungskämpfen. Würden Sie als Vertreterin der Rentner zugunsten von Bildungsinvestitionen zurückstecken?
Deutschland ist ein reiches Land mit einer hohen Wertschöpfung. Sehen Sie sich doch mal an, wofür wir alles Geld ausgeben!
Für Rentengarantien?
Für die Abwrackprämie! Sie können sicher sein, dass Jüngere alle Großeltern auf ihrer Seite haben, wenn sie bessere Bildungschancen fordern. Ich sehe da keinen Generationenkonflikt. Großeltern unterstützen ihre Enkel heute finanziell in hohem Maß.
Aber das Taschengeld von Oma und Opa reicht nicht, um zurechtzukommen in Zeiten von Studiengebühren, unbezahlten Praktika, Bafög-Schulden ...
Bafög gab es zu meiner Studienzeit überhaupt nicht! Früher war die Ausbildung auch nicht preiswert. Aber es stimmt schon: Die Belastungen sind auch für Junge hoch. Auch sie sind von ausbeuterischer Arbeit betroffen.
Was können sich denn die Jungen von den Älteren abgucken, wenn es um die Vertretung ihrer Interessen geht?
Sie sollten wählen gehen.
Interview: Marina Kormbaki
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