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Rededuelle

„Jugend debattiert“ im Landtag

Von Hannah Suppa

Rededuell über politische Themen: 250 Schüler aus Niedersachsen diskutierten beim Wettbewerb „Jugend debattiert“ im Landtag mit Spitzenpolitikern.
Debattieren mit Zeitvorgabe: Schüler stellten sich am Donnerstag einem Rededuell mit den Spitzenkandidaten wie Edelgard Bulmahn (SPD) und Ursula von der Leyen (CDU).

Debattieren mit Zeitvorgabe: Schüler stellten sich am Donnerstag einem Rededuell mit den Spitzenkandidaten wie Edelgard Bulmahn (SPD) und Ursula von der Leyen (CDU).

© ddp

Mit abstrakten Umschreibungen lässt sich Sarah Müller nicht abspeisen. „Was wollen Sie denn ganz konkret machen?“, hakt sie bei der Bundesministerin Ursula von der Leyen (CDU) nach und wird dabei hinter ihrem Rednerpult etwas lauter. Der Blick ist geradeaus gerichtet, die Stimme klar. Die 17-jährige Schülerin aus Oldenburg ist sicherlich keine einfache Streitgegnerin, auch nicht für eine erfahrene Rednerin wie die Bundesfamilienministerin.

Sarah Müller und Ursula von der Leyen lieferten sich am Donnerstag im Plenarsaal des Niedersächsischen Landtages ein Rededuell über Themen der Familienpolitik. Mit so jungen Menschen wie zur bundesweit einzigartigen Veranstaltung „Schüler fragen Spitzenkandidaten der Bundestagswahl“ waren die Regierungsbank und das Plenum im Landtag wohl noch nie besetzt: Die fünf rhetorischen Herausforderer der Politiker, Durchschnittsalter 17 Jahre, hatten dort Platz genommen, wo sonst die Mitglieder de Landesregierung sitzen. 250 Schüler aus ganz Niedersachsen lauschten auf Einladung des Kultusministeriums, der Hertie-Stiftung und des Vereins Kumulus der ungewöhnlichen Debatte. Viel Zeit für eine tiefgründige Debatte war nicht vorgegeben: Zwei Minuten Eröffnungsrede, dreimal eine Minute Aussprache und eine Minute Schlussrede.

„Ja“, kontert Ursula von der Leyen. Natürlich gebe es immer noch Defizite bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, es müsse von Politik und Wirtschaft eine Balance geschaffen werden. „Unternehmen profitieren davon.“ Der Gymnasiastin Sarah Müller ist das noch nicht deutlich genug. Mit dem Verweis auf das Elterngeld und Betreuungsmöglichkeiten für Kinder in Unternehmen gibt sich die 17-Jährige aber doch zufrieden. Auch, wenn die Aussagen doch nach Wahlkampf geklungen hätten, wie die Oldenburgerin später zugibt.

Neben der Bundesministerin stellten sich am Donnerstag auch Edelgard Bulmahn (SPD), Carl-Ludwig Thiele (FDP), Brigitte Pothmer (Grüne) und Diether Dehm (Linke) den Argumentationen der Schüler zu Themen der Bildungs-, Steuer-, und Wirtschaftspolitik – und nutzten die Veranstaltung für ein bisschen Wahlkampf vor potenziellen Erstwählern. Auch wenn aufgrund ihres Alters noch nicht alle in knapp zwei Wochen ihre Stimme abgeben dürfen.

Die fünf Jugendlichen, die den Berufspolitikern am Rednerpult gegenüber stehen, sind keine rhetorischen Anfänger mehr. Als Landessieger des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ wissen sie, wie man sich argumentativ streitet. Und auch die jugendlichen Zuhörer im Publikum trauen sich, den Politikern knifflige Fragen zu stellen. „Ihr könnt die Kandidaten nach allen Regeln der Kunst aufs politische Glatteis führen“, hatte Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU) zur Eröffnung der Veranstaltung gesagt. Und an mancher Stelle bringen die Schüler die erfahrenen Berufspolitiker tatsächlich leicht aus der Fassung. Als der 17-jährige Simon Opitz aus dem Plenum aufsteht und nach der Debatte über mehr Gesamtschulen in Niedersachsen bei Edelgard Bulmahn nachfragt, warum die Politik denn die Orientierungsstufe abgeschafft habe, wenn sie nun für mehr gemeinsamen Unterricht von Kindern aller Bildungsstufen plädiere, weicht die Politikerin aus. „Jetzt haben Sie eigentlich meine Frage nicht beantwortet“, sagt der Schüler frech.

Und so ist die Erkenntnis am Ende der Veranstaltung nüchtern. „Berufspolitiker gehen nicht so genau darauf ein, was man gesagt hat“, sagt Ev-Christin Heide aus Celle, die mit Brigitte Pothmer über eine Föderalismusreform im Bildungssektor debattiert hatte.

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