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Wahlsonntag

Schichtdienst im Wahllokal


4000 Helfer sorgen am Sonntag für einen reibungslosen Ablauf der Bundestagswahl in der 402 Wahllokalen Hannovers. Darunter sind auch einige Erstwähler.
Im Namen des Volkes: Max Jansen (links) ist zum ersten Mal Wahlhelfer. Für Klaus Beck hat das Stimmenzählen schon Tradition.

Im Namen des Volkes: Max Jansen (links) ist zum ersten Mal Wahlhelfer. Für Klaus Beck hat das Stimmenzählen schon Tradition.

© Herzog

Für den 18-jährigen Max Jansen gibt es bei der Bundestagswahl gleich zwei Premieren. Er darf zum ersten Mal wählen – und versucht sich auch als Wahlhelfer: „Ich bin für meine Mutter eingesprungen“, erzählt der Gymnasiast. Er war einfach neugierig auf die Abläufe im Wahllokal. „Gerade weil das meine erste Bundestagswahl ist, finde ich das alles total spannend.“ Dass er an diesem Sonntag nach einer langen Partynacht nicht ausschlafen kann, stört den Lehrter nicht. Schließlich weiß er als Badmintontrainer und Leiter einer Technik-AG, wie wichtig das Ehrenamt ist.

Max Jansen ist einer von 4000 Wahlhelfern in Hannover, die in 402 Wahllokalen zum Einsatz kommen. Das Wahlamt der Stadt sucht die ehrenamtlichen Helfer unter den Wahlberechtigten aus. „Wir haben viele Quellen, die uns die Suche erleichtern“, sagt der Wahlleiter der Stadt Hannover, Hubert Harfst. Es gibt eine Wahlhelferdatei, in der Personen aufgelistet sind, die von Parteien oder der öffentlichen Verwaltung vorgeschlagen wurden. Zudem sucht das Amt per Zufallsprinzip Bürger aus dem Wählerverzeichnis heraus.

Laut Wahlgesetz muss jeder, der dazu aufgefordert wird, auch tatsächlich im Wahllokal mitarbeiten. „Es gibt nur zwei legale Ablehnungsgründe“, erklärt Harfst. Der eine ist das Alter. Wer älter als 65 Jahre alt ist, kann dies als Begründung angeben. Außerdem können die Angeschriebenen auch familiäre Gründe als Entschuldigungen angeben. Vom Familienfest bis hin zum Fußballspiel sei alles vertreten. „Es ist immer schwer, Wahlhelfer zu finden“, sagt Harfst. 15?000 Bürger musste das Wahlamt dieses Mal anschreiben, um 4000 Wahlhelfer zu finden. Nur jeder Vierte sage in der Regel zu, erzählt Harfst. Er habe schon viele Entschuldigungen gehört, die er und sein Team nicht so ohne Weiteres gelten lassen würden. Zum Beispiel: „Es gibt sonst niemanden, der mit meinem Hund Gassi gehen kann.“

Doch der Wahlamtsleiter kennt auch Helfer, die schon seit Jahren begeistert dabei sind, wie Klaus Beck. Obwohl Beck mit seinen 69 Jahren schon über der eigentlichen Altersgrenze liegt, lässt er es sich nicht nehmen, den Dienst im Wahllokal anzutreten. 20 Wahlen hat Beck seit 1986 schon bestritten. „Ich arbeite gerne ehrenamtlich“, sagt er. Und so ist es eine Ehrensache für den Rentner, am 27. September seinen sonntäglichen Schwimmbadbesuch ausfallen zu lassen und um halb acht ins Wahllokal an der Ricarda-Huch-Schule in der List zu kommen. Als Wahlvorsteher sorgt er für einen reibungslosen Ablauf der Wahl. In einer Früh- und Spätschicht wechseln sich etwa neun Wahlhelfer bei der Arbeit ab, gleichen Wahlbescheide mit Personalausweisen ab, haken Namen auf Listen ab und geben Stimmzettel aus. Zum Auszählen kommen alle wieder zusammen.

Ohne ehrenamtliches Engagement könnten Wahlen nicht durchgeführt werden. Deswegen bekommen Wahlhelfer für ihren Einsatz auch mehr als nur einen warmen Händedruck: Nach dem Bundeswahlgesetz steht ihnen ein sogenanntes Erfrischungsgeld von 21 Euro zu. Die meisten Gemeinden runden die Summe jedoch noch auf. In Hannover bekommt ein Wahlhelfer 25 Euro, Wahlvorsteher und Schriftführer erhalten ein paar Euro mehr. Das sei wenig Geld, meint Harfst. Andere Städte zahlen ihren Wahlhelfern bis zu 50 Euro. Doch das Geld ist für Klaus Beck und Max Jansen ohnehin nur Nebensache. Mit ihrer Arbeit im Wahllokal wollen die beiden einen Beitrag zur Demokratie leisten.

Von Sarah Pancur und Julia Sellner

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