Die Wahlbeteiligung fielen allen Appellen zum Trotz bei dieser Europawahl auf einen historischen Tiefststand. Nach 43 Prozent im Jahr 2004 gingen dieses Mal nach ersten Angaben nur 42,1 Prozent der Deutschen zur Wahl; europaweit liegt die Wahlbeteiligung bei 45 Prozent. Zum Vergleich: Bei Bundestagswahlen gehen gut 80 Prozent der Deutschen zur Wahl.
Muss man sich Sorgen um die Demokratie machen? Nicht unbedingt, sagt Matthias Jung, Vorstand der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen. Die Deutschen entschieden vielmehr, welche Bedeutung eine Wahl für sie habe. „Sie orientieren klar am Nutzen.“ Die Wahlbeteiligung sei immer dann hoch, wenn die Wähler die Einschätzung hätten, dass es bei der Wahl um etwas geht. Diesen Eindruck machten die Europawahl und der Wahlkampf offenbar nicht. „Für die erneut geringe Wahlbeteiligung ist weniger Verdruss oder Europaskepsis verantwortlich, sondern vielmehr Desinteresse und die als gering wahrgenommene Bedeutung der europäischen Parlamentsebene“, urteilt die Forschungsgruppe Wahlen. Während sich allgemein 45 Prozent der Befragten stark für Politik interessieren, sind es mit Blick auf Europa nur 30 Prozent. 85 Prozent der Deutschen halten Entscheidungen des Bundestages, aber nur 56 Prozent die des Europaparlamentes für wichtig.
Während viele jüngere Leute zu Hause blieben, gingen die Älteren zur Wahl – auch eine Erklärung für den Wahlerfolg der Union. Mit 48 Prozent erzielt die Union bei Wählern ab 60 Jahren ihr bestes Ergebnis, allerdings schneidet sie in allen anderen Altersgruppen unterdurchschnittlich ab, bei den 30- bis 44-Jährigen sind es 34 Prozent, bei den 45- bis 59-Jährigen 33 Prozent und bei den unter 30-Jährigen nur noch 29 Prozent. Die SPD kommt ebenfalls bei den Wählern ab 60 Jahren auf ihr bestes Ergebnis (25 Prozent), zu den anderen Altersgruppen ist der Abstand aber nicht ganz so groß, am schlechtesten schneidet sie bei den 30- bis 44-Jährigen mit 17 Prozent ab. Die Grünen werden in allen Altersgruppen bis 59 Jahren jeweils drittstärkste Kraft.
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Kommentare
Wahlprogramme Bruno – 03.07.09
Bommel hast du die letzten Jahre nicht bemerkt, dass es keine Wahlprogramme mehr gibt? Die Parteien jeglichen Couleur beschimpfen nur die Gegenseite, dass sie unfähig wären. Das führt dazu, dass sich kein Mensch mehr für das Gezedere interessiert. Wahlprogramme müssen auch einmal unpopulär sein, aber sie müssen einen klaren Inhalt besitzen. So lange unsere Politiker das nicht begreifen, bleibt der Wähler zu Hause und die Demokratie auf der Strecke. Sowohl in Deutschland als auch in EuropaTja, Matze... LD-50 – 10.06.09
...gewöhn dich halt daran - die 90er und das unerträgliche Gutmenschentum sind außer im hinterwälderischen Deutschland nun einmal hoffentlich Geschichte.;-)
Kommunikationsproblem Bommel – 08.06.09
Dass die Wahlbeteiligung so niedrig war, ist doch keine Überraschung.Die wenigsten Bürger wissen überhaupt, was die EU macht und wer sich dahinter verbirgt.
Doch die EU und die Landespolitiker machen es ihnen auch sehr einfach. Welche Entscheidungen in der EU gefällt werden, welche anstehen und in Planung sind - all das wird nahezu gar nicht kommuniziert.
Stattdessen wird kurz vor der Wahl der EU-Hammer aus der Schublade geholt, der den Leuten das Wissen eintrichtern soll, dass über Jahre im Verborgenen geblieben ist. Die Floskel "Die da in Brüssel" sollte doch die Alarmglocken schrillen lassen.
Und wenn doch mal Aufklärungsarbeit geleistet wird, dann so politisch trocken, dass viele bereits im Vornherein abschalten.
Dazu kommen die Wahlplakate, die fast schon suggerieren, dass selbst die Parteien nicht wissen, was die EU ist und was sie macht:
- "Wir in Europa", schreibt die CDU und lässt einen verblüfften Lesen stehen, der die Botschaft zwar freudig aufnimmt, nicht allein zu sein, doch den politischen Inhalt des Parteiprogramms vergeblich sucht.
- "Finanzhaie würden FDP wählen", schmettert die SPD und macht einmal mehr deutlich, dass sie dem Populismus derzeit näher stehen als Inhalten.
- "Millionäre zur Kasse" lautet eine nicht weniger populistische Überschrift bei den Linken. Was das ganze mit der EU zu tun hat, ist fraglich. Und überhaupt: warum sollen diese Menschen gesondert abkassiert werden? Lautete ein anderes Wahlplakat nicht "Freiheit, Gleichheit"? Sollte das letzte Wort etwa gar nicht so gemeint sein?
- Und bei den Grünen "wummst" es gewaltig. Originelle Idee, aber zu kompliziert.
Warum nicht einfach mal den Wählern erklären, was das politische Parteiprogramm für die EU ist? Und nur das für die EU. Nicht für die anstehende Bundestagswahl. Vielleicht würden die Menschen ja dann verstehen, dass die EU mehr ist, als nur 12 Sterne.
Sie hätte es verdient. Und die Demokratie ebenso.
Schade, Chance vertan
Traurig Matze – 08.06.09
Das kommt davon, wenn man den Alten die Wahl überlässt. Nun werden wir in Europa von verfassungsfeindlichen Schergen vertreten. Danke! Es zeigt, dass die Menschen einfach nicht aus den Fehlern der Geschichte gelernt haben.