Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Die Wahlbeobachter

Und in der Ferne leuchtet Europa


Wie Schüler einen Straßburg-Besuch erleben – und die Kenntnisse über Brüssel verbesserungsfähig sind.

Straßburg. Ein Feld, leere Straßen, Sternenhimmel. Zwölf Schüler und Mitglieder des Stadtjugendrings Wolfsburg wollten ins europäische Zentrum vordringen, nach Straßburg, zum Sitz des Europaparlaments und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Doch die Fahrt endet nach sechs Busstunden zwischen Schwarzwald und Vogesen im Hotel Krone im Kehler Vorort Odelshofen. Die gefühlte Einwohnerzahl entspricht der Zahl der EU-Mitgliedsländer, die Hoteleinrichtung dem Charme der EU-Gründerjahre. Am nächtlichen Firmament leuchtet das Licht einer Großstadt, einen Acker weit entfernt.

Die Straßburg-Reise des Stadtjugendrings Wolfsburg ist eines von 17 Projekten, die im Rahmen der „YOUrope YOUvote“-Initiative des Bundesjugendrings gefördert werden. „Wir wollen, dass sich Jugendliche mit Europa beschäftigen“, sagt Kristin Napieralla, die Europa-Projektleiterin des Bundesjugendrings. Gefördert werden Gesprächsrunden, Seminare, Workshops. Ein Projekt aus Hannover ist nicht dabei. Man konzentriere sich eher auf kommunale politische Anlässe, sagt Torsten Albrecht, der Vorsitzende des Stadtjugendrings. Das aber reicht den Wolfsburgern nicht. Die Pfadfinder, Jusos, Mitglieder der Evangelischen Jugend und Mitarbeiter des Geschäftsbereichs Jugend der Stadt Wolfsburg widmen sich nach einer Stadtbesichtigung ausführlich Europa anhand des Europäischen Parlaments. Sie machen Fotos und posieren vor dem Besuchereingang. Das Eingangsschild ist in 23 Sprachen beschriftet, ein Hauch von europäischer Vielfalt.

Das parlamentarische Geschehen enttäuscht die Besucher eher. Die Gruppe kommt zum One-Minute-Speech-Teil, bei dem die Abgeordneten genau eine Minute für ihr Anliegen haben. Ein Themenstakkato: Der Antisemitismus nimmt zu, in Rumänien werden Minderheiten unterdrückt, die Milchpreise fallen, die Normierung von Mobiltelefonen stockt, es ist Zeit für die soziale Revolution. Der 28-jährige Stefan stöhnt. „Gar nicht so einfach, alle Wünsche unter einen Hut zu kriegen.“ Anschließend wird eine Haushaltsdiskussion geführt, die ein Abgeordneter mit dem Satz beendet, dass man sicher auch bei der EU-Kommission sparen könne, denn die arbeite noch verschwenderischer als das Parlament selbst. Die Wolfsburger schauen sich verwundert an. Dann erklärt Ewa Klamt, CDU-Mitglied und Europaabgeordnete, das Parlament. Die Jugendlichen fragen nach: „Gibt es einen Jugendrat?“, will der 16-jährige Nils wissen. „Ja, einmal im Jahr tagen Schüler.“ „Warum sind Förderanträge so kompliziert?“, fragt Stefan. „Missbrauchsgefahr.“ „Kann man Italien aus der EU werfen, wenn es faschistische Züge erkennen lässt?“, fragt Ben. Klamt ignoriert die „faschistischen Züge“ und geht auf die Gesetzgebung von Regierungschef Silvio Berlusconi gegen die Roma ein. Man müsse sich Europa wie eine Schulklasse vorstellen, in der es auch Rüpel gibt. „Die Frage ist, wie schaffe ich es, dass die Klasse trotzdem funktioniert?“

Die Schüler lernen, dass 60 Prozent der Gesetze von Straßburg und Brüssel aus bestimmt werden. Trotzdem ist laut Klamt das Interesse an Europa gering. „Europa ist zu weit weg.“ Darum geht sie als Abgeordnete in Schulen. Die Schüler nicken und sammeln Gratisplakate ein.

Wie nötig jugendorientierte Informationen zu Europa und ähnlichen Fahrten wie die derderundderund Horst Köhler für Europapolitiker, während regionale Kandidaten für das EU-Parlament wie Bernd Lange (SPD) und Burkhard Balz (CDU) nicht einmal bekannt waren. Die Schüler aus Wolfsburg finden bei derder EU zu beschäftigen. „Die meisten wissen ja nicht mal, wie das Europaparlament aussieht“, sagt Stefan. Eine Teilnehmerin kauft sich sogar einen Schirm mit EU-Logo. Ein Zeichen der Hoffnung, dass Europa auch Jugendliche zu erreichen vermag. Abfahrt aus Straßburg, dass es notwendig sei, sich mit Friedrich-Ebert-Stiftung in Hannover Passanten nach EU-Mitgliedsländern, EU-Gesetzen EU-Politikern befragt. Von 65 Befragten wussten nur 16, wie viele Länder Mitglied in EU sind. Einige Befragte hielten Joschka Fischer Wolfsburger sind, zeigen die Ergebnisse einer Straßenumfrage in Hannover. Junge Leute hatten für den Jugendkongress

Nächster Teil der Europa-Serie: Wie 
Brüssel demoskopisch betrachtet wird.

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Meistgelesene Politik-Artikel

Anzeige

Quiz

Sätze, die Geschichte machten

Es gibt einige Sätze die in die Geschichte eingegangen sind. Doch wer hat sie gesagt? Testen Sie Ihr Wissen in.

Kennen Sie Hannover?

Aus der Luft sehen sonst bekannte Gebiete manchmal ganz anders aus. Erkennen Sie Hannover von oben?

Kennen Sie alle Minister Niedersachsens?

Neun Landesminister zählt das Kabinett von Ministerpräsident David McAllister. Kennen Sie alle neun und ihre jeweiligen Berei...

Politik kompakt

Städtewetter
Tagestemperatur
°
Nachttemperatur
°
Regenprognose
%
Windstärke
km/h
Pollenflug


Top