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Hannovers frühere Bischöfin

CSU lädt Margot Käßmann zur Klausur

Von Michael B. Berger

Beim traditionellen Neujahrsempfang im Kloster Loccum am 6. Januar, dem Tag der „Erscheinung des Herrn“ (Epiphanias), wird sie 2011 fehlen. Aber einen Tag zuvor tritt Hannovers frühere Landesbischöfin Margot Käßmann in Wildbad Kreuth auf.
Margot Käßmann lehrt künftig in Bochum.

Margot Käßmann lehrt künftig in Bochum.

© dpa

Die prominente Theologin ist eingeladen, an der Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten teilzunehmen – und Käßmann begrüßte dies am Sonntag als gutes Signal, über Parteigrenzen hinweg „in entspannt-bayerischer Atmosphäre“ das Gespräch über Gott und die Welt zu führen. So habe sie es auch mit anderen Parteien gehalten, ließ Käßmann erklären. Man lade traditionell gern jemanden ein, „an dem man sich ein bisschen reiben kann“, sagte am Sonntag ein CSU-Sprecher.

Zur Parteigängerin der CSU wird die streitbare Theologin durch die Kreuther Kamingespräche vermutlich nicht. Allerdings hatte sie CSU-Chef Horst Seehofer schon in einer Talkshow bei Reinhold Beckmann kennengelernt – und sich recht angeregt mit ihm unterhalten. Auch mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gab es noch zu Beginn dieses Jahres intensive Gespräche – nach Käßmanns Intervention zum Bundeswehreinsatz am Hindukusch: „Nichts ist gut in Afghanistan ...“. Doch kurz danach trat die EKD-Ratsvorsitzende überraschend von allen ihren Ämtern zurück. Sie zog mit ihrem Rücktritt die Konsequenzen aus einer Trunkenheitsfahrt.

Die letzten dreieinhalb Monate dieses Jahres hat Käßmann für einen Studienaufenthalt an der Emory University in Atlanta in den USA genutzt – auch um Abstand zu ihrer eigenen Landeskirche zu bekommen, die während dieser Zeit nach einem neuen Bischof suchte und ihn in dem Berliner Ralf Meister vor wenigen Wochen auch gefunden hat.

Seit einigen Tagen ist Käßmann wieder in Berlin, wo sie jetzt wohnt. Nach Hannover kommt sie nur ab und zu, etwa zu Besuchen ihrer Töchter. Doch Einladungen aus der eigenen Landeskirche, beispielsweise zu Vorträgen oder Predigten, lehnt die Bischöfin a. D. bis auf wenige Ausnahmen ab. Sie wolle nicht mit ihrem Nachfolger in Konkurrenz treten, heißt es.

Bereits in der zweiten Januarwoche wird Käßmann eine Gastprofessur an der Ruhr-Universität in Bochum antreten, wo sie selbst ihren Doktortitel erwarb. „Multikulturelle Gesellschaft – Wurzeln, Abwehr und Visionen“, heißt ihr Thema – eines, das derzeit in Deutschland heiß diskutiert wird. Ein Jahr dauert diese Gastprofessur. Was sie danach machen wird, steht noch in den Sternen.

So ist der Auftritt in Bayern nicht ohne Ironie. Denn in der bayerischen Landeskirche war Käßmann vor einigen Monaten auch als mögliche neue Leiterin der Evangelischen Akademie in Tutzing gehandelt worden. Doch nachdem sie erfuhr, dass es dagegen in der Kirchenleitung Vorbehalte gab, habe sie abgewinkt, heißt es.

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