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150 Jahre Henriettenstiftung

Margot Käßmann predigt zum letzten Mal vor USA-Reise


1500 Besucher hören die letzte Predigt von Margot Käßmann vor ihrer Reise in die USA. Anlass der Predigt war die Feier zum 150-jährigen Bestehen der Henriettenstiftung am Sonntag.
Andreas Schinkel 
und Veronika Thomas
© Martin Steiner

Die Kirche auf der ersten Etage des Henriettenstifts ist bis auf den letzten Platz gefüllt, und selbst draußen, im schattigen Stiftsgarten des Diakoniekrankenhauses an der Marienstraße, drängen sich die Zuhörer. „Ich bin extra aus Wuppertal gekommen, um Margot Käßmann noch einmal zu erleben“, sagt eine Besucherin, die sich bereits eineinhalb Stunden vor Beginn des Gottesdienstes einen Platz in der vorderen Reihe gesichert hat. Vor insgesamt 1500 Zuhörern hielt die ehemalige Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann am Sonntag ihre letzte Predigt in Deutschland, bevor sie für vier Monate in die USA reist. Anlass der bewegenden Predigt war die Feier zum 150-jährigen Bestehen der Henriettenstiftung.

Die Zuhörer erlebten eine aufgeräumte Predigerin, die wie gewohnt den Seitenhieb auf die Politik nicht scheut. „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ – dieser Satz aus dem Galaterbrief stand im Mittelpunkt ihrer Ansprache. Von hier aus schlug sie den Bogen zur Geschichte der Henriettenstiftung und skizzierte die Grundlagen einer solidarischen Gesellschaft.

„Das Lastentragen ist oft eine Geschichte der Frauen“, sagte Käßmann, und die Geschichte des Henriettenstifts sei eine Frauengeschichte. Insofern solle man in Hannover nicht mehr von „dem Henri“ reden, sondern von „der Henriette“, waren es doch die 6000 Taler der Henriette von Württemberg, die die Gründung des Stifts ermöglichten. „Diakonissen werden oft als nur noch dienend angesehen“, sagte Käßmann, dabei werde außer Acht gelassen, dass früher ein Diakonissenhaus eben auch die Möglichkeit zur öffentlichen Berufsausübung geboten hat. „Die Geschichte der Diakonissen hat ihren Anteil an der Frauenbewegung“, sagte die Bischöfin.

Der Gedanke des gegenseitigen Dienens sollte nach Käßmanns Auffassung auch heute dazu führen, dass den Schwachen geholfen wird. „Dann würde es keine Kürzungen beim Heizkostenzuschuss von Hartz-IV-Empfängern geben“, sagte sie mit Blick auf das Sparpaket der Bundesregierung. In einer solidarischen Gesellschaft würde man auch in eine bessere Ausstattung von Krankenhäusern und in eine bessere Besoldung des Pflegepersonals investieren. „Das Lastentragen darf nicht zur Überlastung führen“, warnte Käßmann.

Nach dem Gottesdienst feierten Hunderte Besucher das Jubiläum im Stiftsgarten weiter – mit Spielen von anno dazumal für die Kinder und nostalgischen Speisen für alle, von Falschem Hasen bis hin zu gekochter Milch mit Schattenmorellen. Unter die Gäste hatten sich „Akteure“ aus längst vergangenen Zeiten gemischt. In stilechten Kostümen schlenderten Königin Marie mit König Georg V. mitsamt Hofstaat, Abt Gerhard Uhlhorn und Emmy Danckwerts, erste Oberin der Henriettenstiftung, zu Kaffeehausmusik über das weitläufige Gelände – bis zum Anpfiff des Spiels der deutschen Nationalelf gegen England.

Andreas Schinkel 
und Veronika Thomas

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