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Razzia bei Wulffs Ex-Sprecher Glaeseker
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Verdacht der Bestechlichkeit Razzia bei Wulffs Ex-Sprecher Glaeseker

Schwere Vorwürfe gegen einen langjährigen Vertrauten von Bundespräsident Christian Wulff: Während der Landtag am Donnerstag über Wulffs Kreditverhalten diskutierte, ließ die Staatsanwaltschaft Hannover das Wohnhaus von Wulffs ehemaligem Sprecher Olaf Glaeseker in Steinhude durchsuchen. Die Beamten ermitteln wegen des Verdachts der Bestechlichkeit.

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Seine Mailbox wünscht noch immer ein „frohes Weihnachtsfest“: Wulffs ehemaliger Sprecher Olaf Glaeseker schweigt öffentlich – und muss jetzt Fragen der Ermittler beantworten.

Quelle: dpa

Hannover. Glaeseker soll während seiner Zeit als Regierungssprecher nach Sponsoren für den „Nord-Süd-Dialog“ gesucht haben – großen Partys, die der Eventmanager  Manfred Schmidt organisierte. Als Gegenleistung soll Glaeseker mehrere Gratisurlaube in verschiedenen Feriendomizilen des wohlhabenden Eventmanagers gemacht haben. „Personen, die im öffentlichen Dienst stehen, ist es verboten, solche Gegenleistungen anzunehmen“, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel. Der „Nord-Süd-Dialog“ führte prominente Persönlichkeiten aus Baden-Württemberg und Niedersachsen zusammen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Glaeseker die Veranstaltungen in den Jahren 2007 bis 2009 „gefällig gefördert“ hat.

Glaeseker war kurz vor Weihnachten als Sprecher des Bundespräsidenten Wulff entlassen worden – ohne Angabe von Gründen. Auch am Donnerstag verzichtete das Bundespräsidialamt auf eine Begründung – „wegen des Vertrauensschutzes, den Arbeitnehmer genießen“, wie es zur Begründung hieß.

Die aktuelle schwarz-gelbe Regierung in Hannover reagierte zurückhaltend. „Zu diesem laufenden Verfahren dürfen wir uns nicht äußern. Sicher ist allerdings, dass diese Ermittlungen zur weiteren Aufklärung des Sachverhalts beitragen werden. Das ist gut so“, sagte Regierungssprecher Franz Rainer Enste. SPD-Oppositionsführer Stefan Schostok betonte: „Die Hausdurchsuchungen strafen alle diejenigen Lügen, die die Aktivitäten rund um den Nord-Süd-Dialog banalisieren wollten.“ Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel sprach von einer „neuen Dimension“ der Verfehlungen in der Landesregierung Wulff.

Zwölf Beamte des Landeskriminalamts und drei Staatsanwälte hatten Glaesekers Einfamilienhaus  durchsucht. Sie stellten Schriftstücke und digitale Speichermedien sicher. Anlass für die Durchsuchung sei ein Anfangsverdacht, sagte Oberstaatsanwalt Lendeckel. „Es gab einschlägige Medienberichte. Wir haben daraufhin ermittelt, und der Verdacht hat sich erhärtet.“ Glaeseker sei während der Überprüfung  anwesend gewesen und habe sich kooperativ verhalten. Darüber hinaus hatte die Staatsanwaltschaft Durchsuchungen in Berlin angeordnet und die Behörden in der Schweiz um Hilfe gebeten. Dort wurde eine Immobilie des Eventmanagers Schmidt durchsucht. Wegen der Zusammenarbeit mit der Schweiz habe man die Untersuchungen erst deutlich nach Bekanntwerden einer möglichen Vorteilsnahme durch Glaeseker durchführen können: „Wir mussten einen Antrag in der Schweiz stellen – das dauert.“

Vivien-Marie Drews und Michael B. Berger

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