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Angela Merkel und David McAllister verstehen sich bestens
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CDU-Wahlkampfendspurt Angela Merkel und David McAllister verstehen sich bestens

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident David McAllister haben in Braunschweig die heiße Phase des CDU-Landtagswahlkampfs eröffnet.

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Geben sich siegesgewiss: David McAllister und Angela Merkel.dpa

Quelle: dpa

Braunschweig. Sie ist sichtlich beeindruckt und wirkt für einen Moment sogar etwas verlegen. Gerade hat Niedersachsens CDU-Generalsekretär Ulf Thiele die rund 5000 Parteianhänger in der Volkswagenhalle gebeten, den Gast aus Berlin noch einmal besonders zu begrüßen. Dann gehen plötzlich die Scheinwerfer an, Angela Merkel auf der Bühne wird angestrahlt, die vielen Besucher stehen fast ruckartig auf und klatschen kräftig Beifall.

Wuchtig bricht die laute Zustimmung über der Kanzlerin herein, und sie selbst scheint sich ein wenig vor dieser Welle zu ducken, hebt dann zögerlich die Hand und winkt schüchtern. In Niedersachsen, das wird ihr klar, heißt man sie derzeit besonders kraftvoll willkommen. Auch heute.

Schon zum dritten Mal feiert die CDU vor einer Landtagswahl den Auftakt der heißen Phase in der Braunschweiger Volkswagenhalle, 2003 und 2008 war auch Merkel als Berliner Ehrengast dabei gewesen, beide Male an der Seite des CDU-Spitzenkandidaten Christian Wulff. Jubelstimmung gab es auch damals, aber diesmal wirkt alles noch kräftiger, noch enthusiastischer - selbst wenn einige Plätze auf den Tribünen frei bleiben. Merkel und McAllister treten wie ein altes Ehepaar auf, eng und in Treue fest verbunden. Etwaige Spannungen, die es zwischen Wulff und Merkel zumindest unterschwellig immer gab, sind bei diesen beiden nicht vorhanden.

Die Umfragen sagen zwar im Unterschied zu 2003 und 2008 keinen Sieg voraus - aber Verzagtheit ist an der CDU-Basis nicht zu bemerken. Der leichte Aufwärtstrend für die FDP in der jüngsten Umfrage, von mageren drei auf nicht ganz so magere vier Prozent, ist für viele in der CDU schon Anlass genug für neue Zuversicht. Vielleicht, sagen viele Christdemokraten, reicht es am Ende ja doch noch für die Fortsetzung von Schwarz-Gelb. Und eine Wahlkampflokomotive an der Spitze habe man ja auch.

Die gute Stimmung in der Volkswagenhalle liegt wohl vor allem am Spitzenkandidaten McAllister, der gleich nach der Begrüßung mit „David, David“-Rufen unterbrochen und angefeuert wird. Als er zu Beginn vor die Masse tritt und winkt, tritt er ganz wie der abgeklärte Staatsmann auf, der auch auf den Großflächenplakaten präsentiert wird.

Aber McAllister kann sich schnell wandeln, und bewusst setzt er wenig später am Rednerpult kämpferische Botschaften. Erstens: Eine Zweitstimmenkampagne für die FDP gibt es nicht. „Ich werbe jeden Tag, jede Stunde und jede Minute um beide Stimmen für die CDU“, betont McAllister. Er sei „sicher, dass die FDP den Sprung in den Landtag schafft“, wünsche den Freien Demokraten dafür auch viel Erfolg - „aber sie werden das aus eigener Kraft erreichen“.

Manche Äußerung aus den vergangenen Tagen, auch von ihm selbst, war anders interpretiert worden - nämlich als Zweitstimmenkampagne der CDU für die Liberalen. Davon will McAllister zumindest offiziell nichts wissen. Zweitens: Der CDU-Spitzenkandidat geht frontal die Grünen an, die gegen die Massentierhaltung zu Felde ziehen. „Unsere Bauern sind tüchtige Leute, und ich lasse es nicht zu, dass ein Berufsstand pauschal diffamiert wird.“ Drittens: Auch die SPD, die der Ministerpräsident bislang zumeist ignoriert hatte, wird von ihm jetzt attackiert. „Die Kampagne der SPD ist nicht in Fahrt gekommen, die Sozialdemokraten sind allmählich müde und kaputt - aber wir, wir starten jetzt erst voll durch.“

Schwungvoll trägt McAllister vor, nur bei der Bildungspolitik wirkt sein Beitrag etwas langatmig. Aber dafür nutzt er einen Versprecher, um sich selbst ein wenig auf die Schippe zu nehmen. „Ich möchte erreichen, dass ich der erste Ministerpräsident dieses Landes in der Geschichte Niedersachsen ist“, sagt er, bemerkt den Fehler und ergänzt „beziehungsweise bin“. Die Zuhörer sind erheitert über den verhaspelten Satz, Gemurmel kommt auf im Saal. Der Redner greift das aber gleich auf und spielt mit seinem Fehler.

Noch einmal setzt McAllister an: „Ich möchte der erste Ministerpräsident in der Geschichte Niedersachsens sein, der...“, sagt er und fügt gleich den dritten Anlauf hinterher: „Ich möchte als erster Ministerpräsident des Landes Niedersachsen...“ Zur eigentlichen Botschaft, als erster Regierungschef einen Landeshaushalt ohne neue Schulden zu präsentieren, kommt McAllister dann zwar auch noch. Aber die Zuhörer belohnen vorher schon seine humorvolle Einlage mit Applaus.

Sogar die Kanzlerin wirkt von der entspannten Rhetorik McAllisters gelöst, sie spricht später locker und launig, es wird keine der üblichen Stunden-Vorträge über die Weltpolitik, sondern nur ein 14-Minuten-Beitrag. „Es macht Spaß, mit David McAllister Wahlkampf zu machen - leider sind es nur noch 15 Tage“, sagt sie, redet dann über den neuen Tiefwasserhafen und die Autobahn 20, die noch weitergebaut werden müsse, und über die CDU-Mitglieder, die in den kommenden zwei Wochen bis zum Wahltag „wie ein Leuchtturm“ wirken müssten.

„Reden Sie mit allen, die sie kennen - und erreichen sie, dass es in deren Augen funkelt und glitzert. Aber nicht, weil die Merkel heute ein glitzerndes rotes Jackett trägt“, sagt die Kanzlerin, „sondern wegen der politischen Botschaften“.

Zum politischen Gegner schweigt Angela Merkel bei ihrem Auftritt in Braunschweig. Die Sozialdemokraten sind der Kanzlerin kein Wort der Würdigung wert. Die Spitze in Richtung der SPD und des Herausforderers Peer Steinbrück darf McAllister abschießen - ganz am Ende seiner Rede, und zwar ohne Namensnenung des sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten. Es sei sehr schön, mit Anfang 40 ein hohes öffentliches Amt bekleiden zu können, sagt McAllister, ob Ministerpräsident oder Bundeskanzler: „Aber es geht um Ehre und ums Dienen, nicht ums Verdienen“, ruft er in den Saal. Das kommt gut an hier.

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Geboren 1971 in Berlin Geboren 1958 in Hamburg
1989 bis 1991: Zeitsoldat bei der Bundeswehr im Panzerbataillon 74 in Cuxhaven 1978 bis 1986: Jurastudium in Göttingen
1991 bis 1996: Studium der Rechtswissenschaften in Hannover 1987 bis 1989: Anwalt in Hannover
  1989 bis 1994: Staatsanwalt und Richter in Hannover
Politische Stationen
Seit 1998: Mitglied des Niedersächsischen Landtags 1994 bis 1997: Ministerialrat im Niedersächsischen Justizministerium
2002 bis 2003: Generalsekretär der CDU in Niedersachsen 1997 bis 2006: Stadtkämmerer in Hannover
1996 bis 2010: Abgeordneter im Cuxhavener Kreistag Seit 2006: Oberbürgermeister von Hannover
Seit 2010: Niedersächsischer Ministerpräsident  

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