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Grüne irritieren die Genossen mit Selbstwusstsein
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Landtagswahl Grüne irritieren die Genossen mit Selbstwusstsein

Nach ihrem Wahlerfolg treten die Grünen immer selbstbewusster auf. In den Koalitionsverhandlungen mit der SPD fordern sie deutliche Zugeständnisse des Bündnispartners.

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Stefan Wenzel und Anja Piel, Spitzenkandidaten von Bündnis 90/Die Grünen, jubeln am 20.01.2013 auf der Wahlparty ihrer Partei in Hannover am Abend der Landtagswahl 2013 in Niedersachsen.

Quelle: dpa

Hannover. Als alle Zahlenkolonnen, alle Grafiken und Analysen dieser so ungewöhnlichen Landtagswahl vorlagen, da erfuhr Hannovers SPD-Chef Alptekin Kirci, was er ohnehin schon wusste. „Wegen ein paar Hundert Stimmen“ gingen den Sozialdemokraten zwei Sitze im Landtag verloren. In Lehrte und in Neustadt/Wunstorf gewannen Christdemokraten Wahlkreise, weil Kandidaten von den Grünen, ohne Aussicht auf Erfolg, Stimmen auf sich zogen, die SPD-Männern dann zum Sieg fehlten. Ein paar Hundert Stimmen von Millionen im Land: An solchem Kleinzeug können Machtwechsel scheitern. So sieht es Kirci. Deshalb kündigte er an: „Wir müssen mit den Kollegen von den Grünen reden.“

Im hannoverschen Bündnis scheinen Taktikschulungen dringend geboten. Kaum hatte die SPD den Wahlabend mit Glück überstanden, war unter Genossen allerorten zu hören: Die Grünen müssten sich besser abstimmen mit ihrem großen Partner. Aber diese Grünen treten auch nach dieser Landtagswahl mit wachsendem Selbstbewusstsein auf. Hannover ist noch ein Stück weit entfernt von Stuttgart oder Freiburg, Städten mit grünen Oberbürgermeistern im Rathaus. In der hannoverschen Parteizentrale sehen sie sich jedoch auf gutem Weg in diese Richtung.

Zweistellige Resultate nicht mehr ungewöhnlich

Gute zweistellige Resultate für eigene Direktkandidaten sind in der Region nicht mehr ungewöhnlich. In Hannover-Döhren etwa holte die Berufsschullehrerin Eva-Maria Hartmann 16,2 Prozent der Erststimmen. Auch dies Stimmen, die nach Einschätzung von Genossen Doris Schröder-Köpf zum Sieg fehlten. Hartmann dagegen gefiel ihr Ergebnis so gut, dass sie es per Pressemitteilung in die Welt sandte. Dieserart ist das grüne Auftreten, mit dem sich Sozialdemokraten auseinandersetzen müssen. Grünen-Chef Tobias Leverenz sagt: „Wenn wir Zuwächse haben, versuchen wir, Direktmandate zu gewinnen.“

Die nächste Strategiedebatte steht unmittelbar bevor. Hannover wählt im September einen neuen Oberbürgermeister, und im Bündnis geht es um eine einzige Frage: Stellen die Grünen einen eigenen Kandidaten auf? Der, um es mit Kirci zu sagen, dem schon nominierten SPD-Bewerber Stefan Schostok vielleicht ein paar Hundert Stimmen abnimmt, die dann möglicherweise dem CDU-Kontrahenten zum Sieg verhelfen? Solche Rechenspiele sind nötig, weil Oberbürgermeister in Niedersachsen derzeit ohne Stichwahlen bestimmt werden. Wer die meisten Stimmen bekommt, ist der Sieger, einen zweiten Durchgang zwischen den zwei Erstplatzierten, traditionell Sozial- und Christdemokraten, gibt es nicht mehr. Die CDU/FDP-Landesregierung hatte Stichwahlen abgeschafft.

Grüne wissen um eigene Stärke

Die Grünen wissen um die Lage - und die eigene Stärke. Leverenz gab gestern einen ersten Hinweis: „Wenn die SPD mit uns sprechen möchte, sind wir dazu bereit.“ Er hat da vielleicht ein Angebot: Die Grünen könnten auf einen eigenen Bewerber verzichten, SPD-Mann Stefan Schostok unterstützen und dessen Aussichten so deutlich verbessern. Aber umsonst ist der Tod. „Wir verzichten nicht einfach auf irgendwas. Wir müssen das Beste für die Grünen herausholen.“ Mit anderen Worten: Es geht um Zugeständnisse der SPD. Um Positionen und politische Projekte.

Schostok hat am Montag angedeutet, in aller Freundschaft natürlich, dass er es besser fände, er bliebe einziger Kandidat des rot-grünen Blocks. „Jede Partei hat das Recht auf einen eigenen Kandidaten, aber ich würde mir wünschen, dass die Grünen mich unterstützen. Es könnte Irritationen geben, wenn der Eindruck entsteht, wir arbeiten gegeneinander.“ Womöglich rettet eine frühe Entscheidungen der Regierung Weil die hannoversche Koalition vor schwierigen Gesprächen. Rot-Grün will im Land wieder Stichwahlen einführen, bis zum Wahltermin im September wollen sie das durchziehen. Klappt das, können die Grünen zum Beispiel Frau Hartmann aufstellen. Und die Stichwahl machen SPD und CDU unter sich aus.

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Geboren 1971 in Berlin Geboren 1958 in Hamburg
1989 bis 1991: Zeitsoldat bei der Bundeswehr im Panzerbataillon 74 in Cuxhaven 1978 bis 1986: Jurastudium in Göttingen
1991 bis 1996: Studium der Rechtswissenschaften in Hannover 1987 bis 1989: Anwalt in Hannover
  1989 bis 1994: Staatsanwalt und Richter in Hannover
Politische Stationen
Seit 1998: Mitglied des Niedersächsischen Landtags 1994 bis 1997: Ministerialrat im Niedersächsischen Justizministerium
2002 bis 2003: Generalsekretär der CDU in Niedersachsen 1997 bis 2006: Stadtkämmerer in Hannover
1996 bis 2010: Abgeordneter im Cuxhavener Kreistag Seit 2006: Oberbürgermeister von Hannover
Seit 2010: Niedersächsischer Ministerpräsident  

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