Hannover. „Wir haben das Thema artgerechte Tierhaltung in den Mittelpunkt des Wahlkampfes gestellt. Und nun möchte ich auch gerne sehen, dass wir dieses Ressort dort übernehmen und damit dem Wunsch unserer Wähler entsprechen“, sagte Künast. Die Grünen-Politikerin und frühere Bundeslandwirtschaftsministerin forderte außerdem, für Ställe mit Massentierhaltung dürfe es keine staatlichen Zuschüsse mehr geben. Auch müssten die Privilegien für Anlagen der Massentierhaltung im Baurecht abgeschafft werden. Dass Künast von Berlin aus das Agrarressort in Hannover verlangt, überrascht. In Hannover teilten die Verhandlungspartner am Mittwoch mit: „SPD und Grüne legten fest, dass zunächst über Inhalte, dann über Ressorts und zum Schluss über Personalien gesprochen werden soll.“
Viele Bauern, aber auch große Firmen aus der Agrarbranche befürchten nach dem Regierungswechsel Auflagen und wirtschaftliche Einbußen. „Uns wird angst und bange, wenn wir das Programm der Grünen betrachten“, sagte Wilhelm Hoffrogge vom Geflügelwirtschaftsverband der HAZ. „Wir sehen außerordentlich große Herausforderungen auf uns zukommen.“ Konkret befürchten die niedersächsischen Geflügelhalter, dass sie ihre führende Marktposition in Europa verlieren, weil die Landesregierung durch Auflagen für den Tierschutz und den Stallbau die Eiererzeugung und Geflügelfleischproduktion verteuert.
Hoffrogge betonte, sein Verband sei bereit, mehr für den Tierschutz zu tun. Das müsse auch vom Handel nachvollzogen werden, indem er die Nachfrage der Verbraucher entsprechend in eine neue Richtung lenke. Landvolk-Präsident Werner Hilse bot allen Abgeordneten des neuen Landtags die Zusammenarbeit an und legte zugleich „der Politik und den handelnden Personen nahe, sich an Fakten und Realitäten zu orientieren“.
Den weltweit tätigen Konzern KWS SAAT AG in Einbeck plagt eine andere Sorge: Was wird die neue Landesregierung unternehmen, um die Region Südniedersachsen attraktiver zu machen? Schon heute sei es wegen des Bevölkerungsrückgangs sehr schwer, dort qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen. Experten von außerhalb seien oft nicht dazu zu bewegen, eine Stelle fernab der Großstädte anzutreten, sagt KWS-Sprecher Henning von der Ohe.
Von Reinhard Zweigler und Klaus von der Brelie
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