Wohin mit dem Atommüll? Die Geschichte der Schachtanlage Asse und die des Salzstocks Gorleben zeigen, dass die optimale Lösung noch nicht gefunden wurde. Alles zum Thema.
Die SPD will im Bundestag einen sofortigen Erkundungsstopp für das geplante Atommüll-Endlager Gorleben einfordern. Auch die Möglichkeit zur Enteignung von Bürgern für die Erkundung des Gorlebener Salzstocks müsse zurückgenommen werden, heißt es in einem Antrag der SPD-Bundestagsfraktion, der der „Passauer Neuen Presse“ (Mittwoch) vorliegt.
Wenig Hoffnung auf einen Stopp des nächsten Castor-Transports: Für diese Art des Transports von Atommüll aus dem französischen La Hague gebe es in Deutschland nur ein genehmigtes Zwischenlager, das sei in Gorleben, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Dienstag nach einem Gespräch mit dem Kabinett in Hannover.
Mitentscheidungsrechte für Anwohner: Am Prüfverfahren für das atomare Endlager in Gorleben sollen die Bürger nach Willen des Bundesumweltministers aktiv teilhaben. Der Kreistag soll nach Röttgens Vorstellung Sachverständigen- und Beratungsgremien einrichten.
Die Grünen wollen die Rolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Gorleben-Erkundung als Umweltministerin der Kohl-Regierung genauer unter die Lupe nehmen. Einem Medienbericht zufolge wirft die Partei ihr vor, das atomare Entsorgungskonzept für den Salzstock so verändert zu haben, dass damit unnötige Gefahren in Kauf genommen wurden. Die Grünen wollen auch Merkel selbst in den Gorleben-Ausschuss des Bundestages zitieren.
Die Grünen im Landtag fordern die Offenlegung sämtlicher Unterlagen über Untersuchungen zu Öl- und Gasvorkommen rund um das mögliche Atommüll-Endlager Gorleben. Die vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie dokumentierten Erkundungen in der Region seien unter Umständen unvollständig, sagte Fraktionschef Stefan Wenzel am Donnerstag in Hannover.
Gasvorkommen im unterirdischen Salzstock könnten die Endlagerpläne in Gorleben stoppen. Das erklärte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter, Wolfram König, dem Magazin „Stern“.
Neue Hiobsbotschaft aus dem maroden Atommülllager Asse: In dem früheren Salzbergwerk fließt wesentlich mehr radioaktive Lösung als bisher. Die Menge der kontaminierten Salzlösung habe sich nach jüngsten Messungen verdoppelt.
Das marode Atommülllager Asse sorgt erneut für Unruhe: In der Gemeinde Remlingen sind laut einer statistischen Auswertung für die Jahre 1971 bis 2009 deutlich zu wenig Mädchen zur Welt gekommen. Linke und SPD im Landtag forderten, möglichen Zusammenhängen zwischen den Mädchen-Geburten und radioaktiver Belastung nachzugehen.
In der Schachtanlage bei Wolfenbüttel sind zwischen 1967 und 1978 insgesamt 125.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktiven Abfällen eingelagert worden. Seit Jahren fließt kontaminierte Salzlauge aus dem maroden Bergwerk. Nach langwierigen Debatten sollen die Fässer jetzt zurückgeholt werden.
1977 fiel der Entschluss: Das ehemalige Salzbergwerk Gorleben soll atomares Endlager werden. Die Lage Gorlebens im Zonenrandgebiet sowie die dünne Besiedlung der Gegend gaben mit den Ausschlag - obwohl von Anfang an vor dem instabilen Deckgebirge über dem Lagerort sowie eindringendem Grundwasser gewarnt wurde.