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Atommüllendlager Asse

Bundesamt versucht Bürger zu beruhigen

Von Dr. Margit Kautenburger

Eine Decke stürzt ein, an verschiedenen Stellen läuft Wasser in das Bergwerk – die Meldungen aus dem Atommüllendlager Asse bei Wolfenbüttel klingen erschreckend und verunsichern die Menschen in der Region.
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Atommüllendlager Asse

© Ralf Decker (Archivbild)

Sie fragen sich, wie es tatsächlich um die Sicherheit des Lagers steht und ob die Deponie, wie geplant, überhaupt noch geregelt stillgelegt werden kann. Mitglieder von Bürgerinitiativen vermuten vielmehr, die Gefahren würden nur aufgebauscht, um Notfallmaßnahmen ohne die Beteiligung der Bürger zu ermöglichen.

„Wir haben große Probleme, die Vorkommnisse zu bewerten“, sagt Bürgerinitiativensprecher Udo Dettmann vom Koordinationskreis Asse II. „Die Frage, die sich hier alle stellen, lautet: Wie lange hält das Bergwerk noch?“ Viele Anwohner seien beunruhigt. Es sei aber weniger der Deckeneinsturz an sich erschreckend, sondern die Art, wie dieser entdeckt wurde, erklärt der Ingenieur. „Eine Erschütterung wurde nicht gemessen, der Einsturz wurde zufällig festgestellt.“ Die Messgeräte seien demnach nicht verlässlich.

Die Schachtanlage Asse, in der rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiver Atommüll lagern, ist einsturzgefährdet. Seit Langem dringen rund 12.000 Liter Wasser täglich in die Grube ein. Der Betreiber, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), meldete in jüngster Zeit mehrmals einen Anstieg des Zuflusses. Auch Decken sind schon eingestürzt. Beim jüngsten Vorfall am 5. Oktober war eine Kammer in 532 Metern Tiefe ohne radioaktive Abfälle betroffen. Im April hingegen drohten größere Gesteinsbrocken auf Atommüllfässer zu fallen.

Heike Wiegel von der Initiative AufgepASSt hält den Deckeneinbruch nicht für dramatisch, hat aber Sorge, dass die Unruhe unter den Anwohnern durch solche Vorkommnisse wächst. Die geplanten Stabilisierungsmaßnahmen müssten zügig vorangebracht werden, fordert Wiegel. „Der Betreiber muss dafür sorgen, dass alle drei Stilllegungsvarianten machbar bleiben.“ Wenn plötzlich sehr viel Wasser in das Bergwerk laufe, sei keine kontrollierte Schließung mehr möglich. Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt unterdessen Entwarnung. Der jüngste Wasserzutritt sei zurückgegangen, und von der Decke sei nur ein Teil „abgerutscht“, berichtete BfS-Sprecher Werner Nording am Freitag. Da der Brocken weich auf Salzgrus gefallen sei, habe es kaum Erschütterungen gegeben. Daher hätten die Messgeräte nichts registriert.

Das BfS wolle mit solchen Meldungen keine Panik schüren, betont Nording. „Die Menschen sind misstrauisch, das ist verständlich. Aber wir melden das alles, weil wir mit offenen Karten spielen wollen.“ Daraus abzuleiten, die Gefahren würden absichtlich übertrieben, sei abwegig. „Es besteht keine Gefahr“, betont Nording.

Für die Grünen im Landtag bleibt hingegen jedes dieser Ereignisse kritisch, wie Fraktionschef Stefan Wenzel erklärt. Der Deckeneinsturz zeige, dass die Verfüllung der Asse mit Salzgrus „total fehlerhaft und zu spät“ ausgeführt worden sei. „Die gewünschte Stützwirkung ist nicht erzielt worden“, sagt Wenzel. Auch die schwankenden Wasserzuflüsse seien beunruhigend. Das alles dokumentiere, dass Zeit der kritische Faktor bei der Schließung der Asse sei. Ob der Müll zurückgeholt, umgelagert oder das Bergwerk mit Beton verfüllt werde, dies müsse entscheidend davon abhängig gemacht werden, wie lange für das jeweilige Verfahren gebraucht werde. Bis Anfang 2010 will das BfS sich für eine Option entscheiden. Bis dahin gelte es, die Notfallvorkehrungen voranzutreiben, fordert Wenzel. Nach dem Notfallplan ist ein Wasserzutritt von 500 Kubikmetern täglich beherrschbar.

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Asse

In der Schachtanlage bei Wolfenbüttel sind zwischen 1967 und 1978 insgesamt 125.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktiven Abfällen eingelagert worden. Seit Jahren fließt kontaminierte Salzlauge aus dem maroden Bergwerk. Nach langwierigen Debatten sollen die Fässer jetzt zurückgeholt werden.

Gorleben

1977 fiel der Entschluss: Das ehemalige Salzbergwerk Gorleben soll atomares Endlager werden. Die Lage Gorlebens im Zonenrandgebiet sowie die dünne Besiedlung der Gegend gaben mit den Ausschlag - obwohl von Anfang an vor dem instabilen Deckgebirge über dem Lagerort sowie eindringendem Grundwasser gewarnt wurde.

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