Am Sonnabend wird es ernst. Die Prüfungen für den doppelten Abiturjahrgang starten mit den Deutschklausuren. An den Gymnasien gehen die letzten Schüler, die noch 13 Jahre Zeit hatten, und die ersten mit nur zwölf Jahren Schulzeit gemeinsam in die Prüfungen. Für die Gymnasien, die deutlich mehr Abiturienten verzeichnen, bedeutet das eine logistische Herausforderung. Die Bismarckschule zählt zum Beispiel 173 statt sonst knapp 100 Abiturienten. Allein in Deutsch oder Mathe sitzen über 100 Schüler in den Prüfungen. „Papier ohne Ende“ würde für die Aufgabenblätter gebraucht, sagt Oberstufenkoordinator Manfred Baum. Die Schulleiter können die umfangreichen, landesweit einheitlichen Aufgaben für Deutsch am Freitag ab 12 Uhr aus dem Internet herunterladen – und dann heißt es kopieren, heften und sicher wegschließen bis Sonnabend früh.
„Es hilft uns sehr, dass wir dieses Jahr zwei Stunden früher als sonst im Netz an die Aufgaben kommen“, sagt Doris Espel, Leiterin der Schillerschule, wo sich mehr als 180 Schüler prüfen lassen. An anderen Schulen in Hannover kann gar nicht mehr von einem Doppeljahrgang gesprochen werden, weil sehr viele Schüler vorher von der Fahne gegangen sind. Die Schillerschule aber braucht am Sonnabend neben ihrer Aula noch drei Klassenräume, um alle Deutschabiturienten unterzubringen. „Es ist gut, dass mit Mathematik, Deutsch und Englisch die schriftlichen Prüfungen mit den meisten Teilnehmern immer auf einen Sonnabend gelegt wurden“, sagt Espel.
Die Käthe-Kollwitz-Schule hat für am Sonnabend sogar sieben Räume und 18 Lehrer zur Aufsicht eingeplant. Insgesamt machen dieses Jahr an dem Gymnasium 175 Schüler Abitur. Spitzenreiter ist die katholische St.-Ursula-Schule mit 234 Abiturienten. In normalen Jahren gehen dort 115 Schüler in die Reifeprüfung. „Die Flucht aus dem verkürzten Abitur hat bei uns nicht stattgefunden. Diese Stimmung gab es bei uns nicht“, sagt Schulleiter Ewald Wirth. Nur einzelne Schüler hätten sich aus Krankheitsgründen ein Jahr zurückversetzen lassen. Dafür fühlten sich an seiner Schule die Elftklässler ein wenig vernachlässigt, berichtet Wirth. „Das ist nur ein subjektives Gefühl. Aber wir Lehrer beschäftigen uns natürlich mental stark mit dem Doppeljahrgang.“ Wirth ist optimistisch, dass die Abiturienten aus dem 12. und 13. Jahrgang ähnlich gut abschneiden werden. Notenanalysen hätten keine signifikanten Unterschiede ergeben.
Am Ende der Prüfungen müssen die Lehrer all die vielen Klausuren lesen und bewerten. Das Kultusministerium schreibt dieses Jahr nur zwei statt drei Prüfer für die schriftlichen und mündlichen Prüfungen vor. „Sonst hätten wir auch arge Probleme, das hinzukriegen“, sagt Manfred Baum von der Bismarckschule.
HAZ.de Anmeldung
