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Der stille Kronprinz

David McAllister Der stille Kronprinz

David McAllister ist die Nummer eins hinter Christian Wulff - und bleibt in Wartestellung.

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David McAllister

Quelle: Martin Steiner

Es ist eigentlich gegen seine Natur, aber er tut es trotzdem: David McAllister, der CDU-Landesvorsitzende, beißt sich in diesen Wochen lieber auf die Zunge, als leidenschaftlich zu streiten und zuzuspitzen. Angriffe auf die Sozialdemokraten im Bundestagswahlkampf? McAllister sagt nur das Nötigste, geht über die Kritik von Parteifreunden nie hinaus. Distanzierung von der Politik des sozialdemokratischen Bundesverkehrsministers? McAllister, der sich dazu kürzlich in einer Pressekonferenz äußerte, bleibt staatsmännisch zurückhaltend. Der 38-jährige Christdemokrat will, so scheint es, um keinen Preis auffallen in diesen Tagen.

Dabei richten sich die Blicke automatisch auf ihn. Seit einem Jahr führt der Jurist aus Bad Bederkesa im Kreis Cuxhaven den CDU-Landesverband, ist damit mächtigster Landespolitiker neben Ministerpräsident Christian Wulff. Und weil nach der Bundestagswahl in sieben Wochen das politische Tableau bundesweit neu geordnet wird, sind auch die Zustände in Niedersachsen von großem Interesse: Geht Ministerpräsident Christian Wulff, der kürzlich mit der VW-Porsche-Einigung sein wirtschaftspolitisches Meisterstück abgeliefert hat, vielleicht doch in die Bundespolitik? Wenn ja, dann ist die Nachfolgeregelung geklärt: Entweder übernimmt McAllister selbst die Regierungsgeschäfte, oder aber er entscheidet, wer es an Wulffs Stelle tun wird. An McAllister kommt niemand vorbei - und sein Ehrgeiz ist auch bekannt. Das gilt auch für den Fall, dass Wulff bleibt und sein Kabinett im Herbst oder Winter umbildet. Aber McAllister, der sich viele Veränderungen vorstellen kann, drängelt derzeit nicht, ganz im Gegenteil: Er verordnet sich die äußere Stille. Auf keinen Fall will er ungeduldig wirken, denn das könnte Quelle werden für Spekulationen, zwischen ihm und Wulff harmoniere es womöglich nicht.

Dabei sind die beiden Christdemokraten seit vielen Jahren enge Weggefährten, sie haben ein gutes Vertrauensverhältnis. Beide trennt nicht nur ein Altersunterschied von zwölf Jahren, sondern auch ein anderer politischer Stil. McAllister ist ein Volkstribun, der mit einer donnernden Rede eine Parteiveranstaltung in Stimmung bringt, der von der Basis geliebt wird, vor allem in ländlichen Gegenden. Wulff tritt distanzierter und abwägender auf, war immer mehr der Vertreter der modernen Großstadt-CDU, der sich die Erneuerung auf die Fahnen geschrieben hat - wenn es etwa um die Frauenförderung ging, oder auch um Programmdebatten auf Bundesebene. Die lautstarke Zuspitzung war seine Sache selten, er ist eher ein Vertreter der leisen Zwischentöne.

Gegenwärtig sind beide in enge Rollen gepresst: Wulff konzentriert sich sehr stark auf seine Rolle als Krisenmanager in der Wirtschaft, vor allem rund um die Begleiterscheinungen bei den Großkonzernen. Erst VW und Porsche, jetzt Continental und Schaeffler. McAllister nutzt bei aller selbst auferlegten Zurückhaltung die Chance, die Inhalte in den übrigen landespolitischen Feldern stärker mitzubestimmen. Er hat in dem knappen Jahr seiner Amtszeit als CDU-Chef bereits einige Zeichen gesetzt - wenn auch zumeist ohne große öffentliche Begleitmusik.

In der Parteiarbeit stärkte er die Versuche, Migranten für die Union zu gewinnen. Er reorganisierte die Landespartei, vor allem aber komplettierte er sein Netzwerk: An vielen Stellen in der Landesregierung und in der Landtagsfraktion sitzen mittlerweile Leute, zu denen McAllister einen guten Draht hat. Das jüngste Beispiel ist Bernd Althusmann, der neue Staatssekretär im Kultusministerium: Als die Unzufriedenheit mit der Arbeit des Ministeriums überhandnahm, wurde Althusmann, der engste Mitarbeiter des CDU-Fraktionschefs, in die Schlüsselstellung geschickt. Im Hintergrund, nach außen kaum wahrnehmbar, hatte wieder McAllister gewirkt.

von Klaus Wallbaum

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