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Bundestrainerin Neid gerät stark in die Kritik

Nach WM-Aus Bundestrainerin Neid gerät stark in die Kritik

Silvia Neid hat am Montag Post bekommen. Es war keine Fanpost, und deshalb scheidet Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), als Absender aus, schließlich hat er bereits gesagt, „dass Silvia Neid das Beste ist, was wir kriegen können“. Was soll er auch sagen.

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Bundestrainerin Silvia Neid.

Quelle: dpa

Hannover. Zwanziger hat vor der Frauenfußball-Weltmeisterschaft den Vertrag mit Bundestrainerin Neid bis 2016 verlängert, damals war niemand davon ausgegangen, dass die deutsche Frauennationalmannschaft im Viertelfinale der Heim-WM ausscheiden könnte.

Jetzt ist sie raus aus dem Turnier, und Silvia Neid, deren Arbeit in den vergangenen Jahren weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ablief, bekommt plötzlich Post von Franz Josef Wagner. Er hat eine Kolumne in der „Bild“-Zeitung, sie heißt „Post von Wagner“. Der Chefkolumnist der Boulevardzeitung schreibt dort manchmal kleine, versponnene Liebeserklärungen an Menschen, die in den Schlagzeilen stehen, meist ist seine Post aber ziemlich genau das Gegenteil. An Silvia Neid schreibt er: „Sie sind keine Mutter oder sentimentale Oma. Sie haben nicht geweint.“ Und ein paar Zeilen weiter: „Für mich sind Sie keine gute Trainerin.“

Für Silvia Neid ist das ein neues Gefühl. Dass sie sich dabei unbehaglich fühlen muss, ist leicht nachzuvollziehen, denn bislang war sie eine Erfolgstrainerin, die die deutschen Frauen zum WM- und EM-Titel geführt hat. Das Projekt WM-Titel im eigenen Land ist ihr aber mächtig misslungen, und ihr Anteil an dem Scheitern ist groß. Das sagt nicht nur Wagner. Das sagen auch ihre Kritiker.

Überhaupt Kritiker zu haben, ist für Neid ungewohnt. Als sie nach dem 0:1 gegen Japan gefragt wurde, ob sie sich als Bundestrainerin Vorwürfe machen würde, antwortete sie: „Warum soll ich mir Vorwürfe machen? Weil ich den Ball nicht selber in den Sechzehner getragen habe?“ Es war eine zynische Antwort, Neid neigt zu solchen Formulierungen. In diesem Moment war sie aber unpassend, weil die Antwort eine Distanz zu der Mannschaft aufbaute, weil sie letztlich die Botschaft vermittelte: Die Spielerinnen sind schuld, nicht ich!

WM-Traum adieu: Für Tausende Fans im Freien und Millionen vor den Fernsehern ist der Traum vom WM-Hattrick der deutschen Elf zerplatzt. Mit hängenden Köpfen und traurigen Mienen verließen viele Besucher nach dem 1:0-Triumph der Japaner wortlos die großen Fanmeilen in Frankfurt und Wolfsburg sowie das Stadion in der VW-Stadt.

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Möglicherweise hat sich Neid damit mehr Probleme bereitet als mit ihren fragwürdigen Personalentscheidungen und taktischen Missgriffen während der WM, am auffälligsten der sportlich mit nichts zu begründende Verzicht auf die erfahrene Birgit Prinz im Viertelfinale. Kein Trainer macht alles richtig, jeder Trainer braucht Fehler, um besser zu werden. Wenn er sie denn einsieht. Genau damit aber scheint sich die 47-Jährige nicht anfreunden zu können.

„Letztlich muss sich auch Silvia Neid bestimmte Fragen gefallen lassen“, sagte am Montag DFB-Vizepräsident Rolf Hocke. Der Mann ist Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes und Leiter des Frankfurter WM-Organisationskomitees, also kein Verbands-Hinterbänkler. Das WM-Aus nennt er „ein Desaster“. Auch die Vertreter der Frauen-Bundesliga haben sich auf Neid eingeschossen, nicht nur Bernd Schröder, der Dauernörgler von Meister Turbine Potsdam. „Es ist trotz der langen Vorbereitungszeit nicht gelungen, eine mannschaftliche Einheit hinzukriegen“, sagte Siegfried Dietrich, Manager des Liga-Rekordmeisters 1. FFC Frankfurt. Einen schlimmeren Vorwurf an eine Trainerin, die acht Trainingslager Zeit hatte, ein Team zu formen, gibt es nicht.

Neid spürt plötzlich Gegenwind, auch ihr Fan Zwanziger hat das mitbekommen und stellt sich schützend vor sie. „Wenn sie will, kann sie noch bis 2020 bleiben“, sagte er am Montag. Und Neid? Sie will alles erst „in ein, zwei Wochen Revue passieren lassen“. Nur dass sie ihren Kurs nicht ändern will, ließ sie schon mal ausrichten. Und dass sie sich „eigentlich gar keinen Vorwurf“ macht.

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