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Deutschland wird nicht Weltmeister

Futschikato! Deutschland wird nicht Weltmeister

Eine Niederlage gegen Japan? Eher wird die FDP bei der nächsten Bundestagswahl stärkste Partei. Hatte man gedacht. Jetzt ist es passiert: Nach dem 0:1 gegen die Asiatinnen ist der Traum der deutschen Fußballfrauen vom Titel bei der eigenen WM geplatzt. Und es zeigt sich, dass volle Stadien und gute TV-Quoten nicht immer beflügeln müssen.

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Innere Leere: Nadine Angerer (vorn) und Saskia Bartusiak sitzen nach dem Spiel gegen Japan konsterniert auf dem Rasen der Wolfsburger Arena.

Quelle: dpa

Wolfsburg. Es schien, als könnten sie nicht loslassen. Loslassen vom Spielfeld in der Wolfsburger Arena, loslassen von der WM, loslassen von ihrem großen Traum. Die deutschen Fußballfrauen hatten nach der 0:1-Viertelfinalniederlage nach Verlängerung gegen Japan bereits eine Abschiedsrunde in der Arena am Allerpark gedreht und sich mit einem Plakat bei den Fans bedankt. „Ein Team – ein Traum – Millionen Fans – Danke“ stand darauf. Dass dieser Traum nun mit einem Schlag zu Ende sein sollte, konnten sie aber noch nicht begreifen. Und so irrten Simone Laudehr, Saskia Bartusiak, Alexandra Popp, Celia Okoyino da Mbabi und Lena Goeßling noch lange über den Rasen. Jede allein für sich, gebeugt und mit Tränen in den Augen.

Es war die Szene aus der 108. Spielminute, die die deutschen Spielerinnen derart aus dem Lot gebracht hatte. Bei einem Konter der Japanerinnen schaltete Homare Sawa am schnellsten, als sie die schnelle Karina Maruyama freispielte. Dass Bianca Schmidt das Abseits aufhob und Saskia Bartusiak der Stürmerin nicht folgen konnte, half den Asiatinnen ebenso wie Torfrau Nadine Angerer, die sich bei dem Schuss aus spitzem Winkel zu schnell für die kurze Ecke entschied. Das 0:1 war ein Wirkungstreffer: Ratlos rannten die deutschen Spielerinnen in den verbleibenden Minuten gegen die disziplinierte Defensive der Japanerinnen an, doch mehr als ungenaue hohe Bälle in den Strafraum der Asiatinnen fiel ihnen nicht mehr ein. „Wir hätten noch eine Stunde länger spielen können und hätten kein Tor geschossen“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid.

WM-Traum adieu: Für Tausende Fans im Freien und Millionen vor den Fernsehern ist der Traum vom WM-Hattrick der deutschen Elf zerplatzt. Mit hängenden Köpfen und traurigen Mienen verließen viele Besucher nach dem 1:0-Triumph der Japaner wortlos die großen Fanmeilen in Frankfurt und Wolfsburg sowie das Stadion in der VW-Stadt.

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Nicht zum ersten Mal bei dieser WM war bei der deutschen Mannschaft keine spielerische Linie zu erkennen, auch bei den holprigen Vorrundensiegen gegen Kanada (2:1) und Nigeria (1:0) hatte die Mannschaft enttäuscht. Die vielfach vermisste „Leichtigkeit“ wurde unter der Last des „Weltmeister-werden-Müssens“ erdrückt.

Bereits drei Monate vor Turnierbeginn hatte Neid ihre Mannschaft zur Vorbereitung zusammengerufen, auf Wunsch der Bundestrainerin wurde sogar der Bundesligaspielplan umgekrempelt. In sieben Trainingslagern bereitete Neid ihre Spielerinnen auf die WM im eigenen Land vor und ging dabei auch Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg: Als die Nationalspielerinnen von Turbine Potsdam erst mit Verspätung zur Vorbereitung ihres Klubs auf das Champions-League-Finale gegen Olympique Lyon stießen und Turbine das Endspiel mit 0:2 verlor, zog sich Neid nicht nur den Zorn von Potsdams Trainer Bernd Schröder zu.

Hinter den Türen der Trainingslager wurde aus dem Traum vom Titel im eigenen Land bald ein festes Ziel, doch auf eines konnte Neid ihre Mannschaft offenbar nicht vorbereiten. Der Bundestrainerin ist es nicht gelungen, den Spielerinnen zu vermitteln, was es heißt, in ausverkauften Stadien mit bis zu 75.000 Zuschauern und unter der Erwartungshaltung von 16 Millionen Fernsehzuschauern zu spielen. Was die deutschen Männer bei ihrer Heim-WM 2006 noch beflügelt hatte, lähmte nun die Frauen fünf Jahre später: Immer wieder sprachen die Spielerinnen in den vergangenen zwei Wochen von dem großen Druck, den sie sich selbst gemacht hätten und der schon in dieser Vorbereitung sanft begann. Vor eigenem Publikum wollten sie es besonders gut machen und scheiterten.

„Die Mannschaft wirkt seltsam gehemmt“, musste auch Neid feststellen. Nur einmal konnte das deutsche Team bei diesem Turnier annähernd zeigen, was es kann. Beim 4:2-Sieg im dritten Gruppenspiel gegen Frankreich zeigte die Mannschaft ihre mit Abstand beste Leistung; sportlich ging es allerdings nicht mehr um viel, weil beide Mannschaften bereits für das Viertelfinale qualifiziert waren.

Sogar eine so erfahrene Fußballerin wie Birgit Prinz zerbrach an der großen Erwartungshaltung. Schon vor der Endrunde hatte sich gezeigt, dass die Spielführerin weit von ihrer Bestform entfernt ist. Doch Neid fand in dieser sensiblen Personalfrage keine überzeugende Lösung. Zunächst entzog sie ihrer Spielführerin unausgesprochen das Vertrauen, indem sie sie in den ersten beiden Spielen jeweils früh auswechselte. Als Prinz dann unter dem Druck der Öffentlichkeit die Nerven verlor und selbst um ihre Versetzung auf die Bank bat, eskalierte die Situation und sorgte für unnötige Unruhe im Team. Und als sie der Mannschaft am Sonnabend gegen Japan mit ihrer Erfahrung und ihrer körperlichen Überlegenheit hätte helfen können, da wurde Prinz von der Bundestrainerin eiskalt ignoriert.

Bis zuletzt konnte Neid das Personalpuzzle nicht lösen; die Bundestrainerin schaffte es nicht, sich für eine feste Startelf zu entscheiden. Auf vier Positionen baute sie die Mannschaft für das Spiel gegen Frankreich um, gegen Japan tauschte sie erneut drei Spielerinnen aus. Und wenn dann noch eine Hoffnungsträgerin wie Fatmire Bajramaj im WM-Getöse im Vorfeld den Überblick verliert, die mit solcher Macht zum Werbegesicht stilisiert wurde, dass sie das Wesentliche, die sportliche Vorbereitung, aus den Augen verlor, dann werden die Hindernisse auf dem Weg zum großen Ziel irgendwann unübersichtlich.

„Die Mannschaft hat alles gegeben“, sagte die Bundestrainerin nach der Niederlage gegen Japan. Für den angestrebten dritten Weltmeistertitel nach 2003 und 2007 war das nicht genug.

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