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Frauenfußball-WM spricht vor allem Frauen, Kinder und ältere Männer an

Bunte Mischung Frauenfußball-WM spricht vor allem Frauen, Kinder und ältere Männer an

Bunte Mischung: Die Frauenfußball-WM steht für familiäre Atmosphäre im Stadion und spricht vor allem Frauen, Kinder und ältere Männer an.

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Beim Frauenfußball ist die Stimmung auf den Stadionplätzen vorwiegend entspannt.

Quelle: dpa

Hannover/Wolfsburg. Ihr Favorit leuchtet blau-weiß-rot. Wencke Hedderich trägt die Flagge Norwegens um die Schultern, dem Heimatland ihrer Mutter, das sie im Weltmeisterschaftsspiel gegen Brasilien unterstützen will. Die 39-Jährige aus Velber sitzt im Zug nach Wolfsburg, inmitten einer Frauengruppe, alles ehemalige Fußballerinnen der SG Limmer. Die Stimmung ist fröhlich, und das Weingummi wird so gerecht verteilt wie die Sympathie. „Uns ist der Sieger egal – wir wollen ein schönes Spiel sehen“, sagt Iris Schmidergall. Auch, weil die Frauen höherklassige Frauen- oder Länderspiele bislang nicht live gesehen haben. Bundesliga, sagt Schmidergall, „kenne ich nur von den Männern“.

Da passen die zwei Ronaldinhos gut ins Bild. Florian und Leon aus Hannovers Südstadt machen sich im Nachbarabteil in väterlicher Begleitung auf den Weg zur WM. Und weil Brasilien aufläuft, dürfen die knallgelben Trikots nicht fehlen. Dass Ronaldinho gar nicht dabei ist, spielt keine Rolle: „Wir sind als Fans dabei“, sagen die Neunjährigen. Und Marta? „Schon mal gehört.“ Helmut Geier reist extra wegen Marta nach Wolfsburg. „Wie die mit dem Ball umgeht, das muss man live erleben“, sagt der 68-Jährige aus der Nähe von Bielefeld und schwärmt: „Diese Fußballerin ist eine Augenweide.“

Wie sieht eigentlich der typische Frauenfußball-Fan aus? Ein Streifzug durch die Fanmeilen.

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Kinder, ältere Männer, Frauen in den besten Jahren: Das Publikum beim Frauenfußball ist bunt gemischt. „Es geht sehr viel familiärer zu als bei den Männern“, sagt Prof. Gunter A. Pilz. Der Soziologe aus Hannover hat zwei Hauptgruppen auf den Rängen ausgemacht: jüngere Zuschauer, vor allem Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren, die oft selber kicken – und ältere Männer zwischen 50 und 70 Jahren, die die spielerische Attraktivität schätzen und die Tatsache, dass Frauen weniger kampfbetont und rüpelig zur Sache gehen.

Diese Männer sind es auch, die derzeit die Fernsehquoten in ungeahnte Höhen treiben. Insgesamt sahen 15,37 Millionen Zuschauer das WM-Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Kanada; von allen Männern über 65 Jahren, die zu dieser Zeit vor dem TV-Gerät saßen, hatten laut Media Control 79 Prozent die Frauen-WM eingeschaltet und bilden damit den größten Fanklub der deutschen Kickerinnen. Bei den 50- bis 64-jährigen Fernsehzuschauern lag der Anteil bei 71,7 Prozent.

Die familiäre Atmosphäre des Frauenfußballs ist im Stadion deutlich zu spüren. Kampfgesänge erklingen selten, lieber halten sich die Zuschauer wie in Wolfsburg mit „La Ola“ bei Laune. Und wer Fandevotionalien wie Trikots und Schals sucht, muss genau hinschauen – in Sachen Fankultur hat der Frauenfußball keine lange Tradition vorzuweisen. Viele der schwarz-rot-goldenen Fahnen, die heute Abend in Mönchengladbach für die deutschen Frauen geschwenkt werden, stammen von der Männer-WM 2006, wie auch viele Trikots dem Männerfußball entliehen sind. Die Ronaldinhos aus Wolfsburg lassen grüßen.

Ausgeglichener ist dafür beim Frauenfußball das Geschlechterverhältnis auf den Rängen. Pilz schätzt es „auf 50:50“, während der Frauenanteil beim Männerfußball eher bei 20 Prozent liege. Frauen ziehen also Frauen ins Stadion; laut Studien spielen rund 60 Prozent der Zuschauerinnen selbst oder haben früher gespielt.

Eine Folge davon: „Es wird weniger gepöbelt“, sagt Pilz. Auch Alkohol wird weniger getrunken; vielleicht mal ein Bier in der Pause, aber längst nicht die Menge, die sich gerade Jugendliche beim Männerfußball verabreichen.

Schlägereien sind beim Frauenfußball kein Thema. Im Gegenteil: Der Soziologe nennt eine Studie, wonach der „Happening-Charakter“ umso größer ist, je mehr Frauen im Stadion sitzen. Was nicht heißt, dass diese kein Interesse am Spielgeschehen hätten. Dennoch nehmen bei Großereignissen die entspannte Atmosphäre und das familiäre Rahmenprogramm einen hohen Stellenwert ein.

Eine Entwicklung, die übrigens auch der Männerfußball kennt: Die meisten Bundesligisten halten mittlerweile Kinderangebote vor; Hannover 96 hat die Südkurve zum Familienbereich erklärt und verkauft dort kindgerechte Speisen und Getränke. „Und im VIP-Bereich“, sagt Pilz, „gibt es genug Gäste, die eher das Event genießen als das Fußballspiel.“

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