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Frauenfußball in den USA immer noch Randsportart

Nach dem Hype Frauenfußball in den USA immer noch Randsportart

Die USA gelten eigentlich als Vorzeigeland im Frauenfußball. Schon lange gehören weibliche Kicker dort zur Normalität. Doch mehr noch als die Männer sind sie nur Vertreterinnen einer Randsportart. Daran ändert auch die WM in Deutschland nichts.

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Frauenfußball bleibt in den USA ein Randsport, da hilft auch gute Leistung nichts.

Quelle: dpa

Washington. Frauenfußball als Massenmagnet: Als „Sommermärchen reloaded“ wird die laufende Weltmeisterschaft in Deutschland vermarktet. Der Sport erfährt so viel Aufmerksamkeit wie noch nie. Trotzdem sind kickende Frauen immer noch ein ungewohntes Bild. Anders in den USA: Ausverkaufte Stadien, bejubelte Stars, hohe TV-Quoten - das gab es dort schon vor Jahren einmal. Für viele Amerikaner gilt Soccer ohnehin als weiblich.

„Dass Mädchen hier Fußball spielen, ist nichts Besonderes“, sagt Madyson Brown. Seit dieser Saison ist die 17-Jährige im Team von DC United, ein Club aus Washington, der in der zweitklassigen W-League spielt. Zweimal die Woche Training, zehn bis 14 Spiele pro Saison, Gehalt gibt es nicht. Für Brown soll sich das ändern. „Ich will Profi werden“, sagt sie.

Im Alter von vier Jahren hat sie mit Fußball angefangen. Über Schulteams empfahl sie sich für Auswahlmannschaften, dann für DC United. Ab Herbst spielt sie als Stipendiatin für das Collegeteam der James Madison University im Bundesstaat Virginia. Teure Studiengebühren bleiben ihr so erspart.

Brown profitiert von einer rund 40 Jahre alten Regel, nach der es an der Uni für jede Sportart Männer- und Frauenteams geben muss. Hilfsreich ist für sie aber auch, dass Frauenfußball in den USA populärer ist als in vielen anderen Ländern. Rund fünf Millionen Frauen und Mädchen spielen nach Angaben des Dachverbandes USFF Fußball. Zum Vergleich: Der Deutsche Fußball-Bund zählt in Deutschland etwa eine Million.

Erfolge gibt es am Fließband. Das amerikanische Nationalteam führt die Weltrangliste an. Die US-Girls holten zwei WM-Titel und drei Goldmedaillen bei Olympia. Das Finale bei der Weltmeisterschaft 1999 sahen rund 40 Millionen Zuschauer im Fernsehen - US-Rekord für ein Fußballspiel überhaupt.

Lange galt Fußball sogar als Mädchensport; Männer, die sich für diesen „europäischen Sport“ interessierten, wurden nicht selten belächelt, wenn nicht gar beschimpft. „Manche haben mich früher Schwuler gerufen“, erzählt Chris Hummer, der in seiner Jugend selbst gegen den Ball getreten hat, heute ein Fachmagazin herausgibt und einer der Clubchefs bei DC United ist.

Heute ist das anders. Tatsächlich kicken laut USFF in den USA fast doppelt so viele Männer wie Frauen. Die Spiele der Herren-Profiliga MLS sahen in der vergangenen Saison im Schnitt knapp 17.000 Zuschauer im Stadion. Obwohl die Männer weit weniger sportlichen Erfolg haben als die Frauen, sind sie bei Sponsoren weit mehr gefragt. „In diesem Land liegt der gesamte wirtschaftliche Fokus auf dem Männerfußball“, sagt Hummer.

Das bekommt die Frauenliga WPS deutlich zu spüren. Sie war erst 2009 als Nachfolgerin der ersten Frauen-Profiliga der Welt, der WUSA, gestartet, die nach gerade einmal drei Jahren Pleite gegangen war. Nur die Besten können hier gutes Geld verdienen. Weltfußballerin Marta bekommt nach Medienberichten bei den Western New York Flash umgerechnet etwa 70.000 Euro im Monat. Zu den Spielen kommen durchschnittlich aber nur 2800 Zuschauer. Um im TV gezeigt zu werden, legen die Vereine sogar drauf.

„Fußball ist etwas, das Amerikaner gerne spielen, aber nicht so gerne schauen“, meint die Tageszeitung „USA Today“. Das gilt vor allem für ihr Verhältnis zum Frauenfußball. Als Freizeitsport beliebt, scheint der Boom im Profi-Bereich nach dem Erfolg von 1999 längst vergessen. Das Interesse an den großen Stars hat seit Mia Hamm, die damals die US-Girls zum WM-Titel führte, nachgelassen. Aber immerhin: Der TV-Sender ESPN überträgt nun alle Spiele der WM live.
Auch Madyson Brown sitzt jedes Mal vor dem Fernseher. Sie hofft, dass die US-Girls den Titel holen. Denn sie weiß aus ihrer eigenen Karriere, dass nur eines wichtig ist: Gewinnen.

dpa

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