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Märchen im Sommer

Fußballfrauen Märchen im Sommer

„Sommermärchen reloaded“ heißt der Slogan des Deutschen Fußball-Bundes. Und auch die Facebook-Seite der Nationalmannschaft, auf der die Fußballfrauen ihren Weg zur Weltmeisterschaft notieren, trägt diesen Titel.

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Deutsche Meisterin ist sie schon: Aber wird Fatmire Bajramaj 2011 auch Weltmeisterin mit Deutschland?

Quelle: dpa (Archivbild)

Ein unvergessliches Fest soll die Frauen-WM 2011 werden – so wie es die Männer 2006 vorgemacht haben: ein schwarz-rot-goldener Rausch, der das Land veränderte und ihm weltweite Sympathien einbrachte.

Aber kann Deutschland zwischen dem 26. Juni und 17. Juli tatsächlich ein zweites Sommermärchen erleben? Sportlich stehen die Zeichen auf Erfolg: Die Frauen wollen nach 2003 und 2007 den Titel-Hattrick schaffen, und nicht wenige Fans und Experten würden viel Geld darauf wetten, dass dem Favoriten dies gelingt. In Deutschland würde ein Siegeszug der deutschen Elf große Aufmerksamkeit und gute Stimmung erzeugen, das ist sicher – aber wohl niemals eine Begeisterung, wie es die Männer vor fünf Jahren schafften.

Was daran liegt, dass im Sommer 2011 nicht 32 Mannschaften in Großstädten zu Gast sind, sondern 16 Mannschaften in der Provinz. Und vor allem daran, dass nicht die Welt zu Gast bei Freunden ist, sondern die Gästeteams aus aller Welt nur wenige Fans mitbringen. Diesmal feiert Deutschland alleine. Dass von den 900.000 Tickets mittlerweile mehr als 670.000 verkauft sind, stimmt die Organisatoren dennoch zufrieden. So lässt sich der WM-Etat von 51 Millionen refinanzieren. 430 Millionen Euro und 3,4 Millionen WM-Tickets waren es übrigens 2006 – allein das zeigt die Unvergleichbarkeit der Ereignisse.

Umso fraglicher ist, ob der Frauenfußball mit der Schubkraft schöner Sommertage endgültig den Durchbruch schafft. Schon nach den WM-Titeln 2003 und 2007 war die Begeisterung nur von kurzer Dauer. Die Frauen machten Fortschritte seitdem, sicher: Ihre Länderspiele werden live übertragen, sie haben einen eigenen Hauptsponsor und ein eigenes Trikotdesign, zudem spült jeder Erfolg Nachwuchs in die Vereine. Seit 2007 verzeichnete der DFB bei Mädchenteams einen Zuwachs von 65 Prozent, bei den Frauen von 35 Prozent.

Wenn nur die Lücke zwischen Nationalelf und Basis nicht wäre: Die Frauen-Bundesliga findet kaum Beachtung. Der Zuschauerschnitt liegt bei 800 pro Spiel (bei den Männern zuletzt knapp 43.000), nicht selten laufen die Partien vor 150 Fans, und nur die drei Großen – 1. FFC Frankfurt, Turbine Potsdam und FCR Duisburg – können Besucherzahlen im vierstelligen Bereich vorweisen. Die WM wird die Aufmerksamkeit nicht automatisch auf die Liga lenken. „Die Professionalisierung muss gesteigert werden, der DFB ist dort finanziell gefordert“, sagt Daniela Schaaf, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Wobei die Meinungen über den WM-Effekt weit auseinandergehen. „Die WM wird ein unglaublicher Startschuss für den Frauenfußball“, sagt Siegfried Dietrich. Als Manager des 1. FFC Frankfurt ist ihm die Professionalisierung seines Vereins gelungen, nun erwartet er von der Endrunde „einen Boom“. Bernd Schröder hingegen, Trainer von Turbine Potsdam, hält dies für Wunschdenken. Den Frauenfußball betrachtet er als ausgereizt, „wir müssen versuchen, das Niveau zu halten“.
Wird die WM mit zu hohen Erwartungen überfrachtet? Goldgräberstimmung ist bereits ausgebrochen. ARD und ZDF zeigen alle 32 WM-Spiele live; vom „sportlichen Höhepunkt 2011“ schwärmt ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz: Eine „offensive mediale Präsentation der Frauen“ trage zu steigender Popularität ihres Sports bei. Bloß gut, dass die Organisatoren den Weltverband FIFA überzeugen konnten, die Frauen-WM vom September in die spielfreie Zeit der Männer zu verlegen.
Davon wollen auch die Sponsoren profitieren. Die Vermarktung der Spielerinnen wird eine Dimension erreichen, die der Frauenfußball bislang nicht kannte.

Eine „Revolution“ nennt es Schaaf: Noch nie seien so viele Spielerinnen mit einem Werbevertrag ausgestattet gewesen wie derzeit. Sechs nationale Sponsoren haben je vier Millionen Euro investiert, um mit der WM werben zu dürfen. Adidas möchte mit der Frauen-WM 2011 das Geschäft der Männer-WM 2010 wiederholen. Und etliche Firmen aus den Bereichen Mode und Kosmetik sowie Banken und Versicherungen haben Einzelverträge abgeschlossen. So ließ Schwarzkopf Aufnahmen von Starfotograf John Rankin inszenieren, um mit Fatmire Bajramaj, Kim Kulig und Celia Okoyino da Mbabi für Haarpflegeprodukte zu werben. Allerdings nur für die Zeit der WM – danach werden die Karten neu gemischt. Oder weggelegt.

Aber kann man das den Sponsoren verdenken? Ihnen gehe es nicht um den Frauenfußball, sondern ums Geschäft, betont Schaaf. Je erfolgreicher der Ball rollt für Deutschland, je sympathischer die Spielerinnen auftreten, desto mehr Einsatz kommt zurück. Und dennoch ist die Frequenz der TV-Spots und Anzeigenkampagnen längst nicht so hoch wie 2006; Schaaf spricht von „homöopathischen Dosen“.

Manchmal aber, so scheint es, wird den Verantwortlichen mulmig angesichts der hohen Zielvorgabe. DFB-Präsident Theo Zwanziger, der nie eine Gelegenheit auslässt, vom Frauenfußball zu schwärmen, rudert beim Stichwort Sommermärchen zurück und sagt: „Wir müssen die Dinge nüchtern betrachten.“ Und Steffi Jones, die Chefin des WM-Organisationskomitees, sprach bislang ohnehin lieber davon, dass sie auf ein „Volksfest“ hoffe.

Die Partyrepublik Deutschland wird ihr Fest schon bekommen. Und den Spott, dass die Leute nur feierten und ihnen der Frauenfußball egal sei, dürfen die Spielerinnen getrost überhören: Feierfans gab es auch beim Männerfußball 2006 reichlich.

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