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Zum Rapport bei den enttäuschten Fans

96-Niederlage gegen Hoffenheim Zum Rapport bei den enttäuschten Fans

Nach der 0:1-Niederlage gegen Hoffenheim wird die Stimmung bei Hannover 96 vor dem Duell mit den Bayern immer schlechter. Denn viele Fans stellen sich die Frage: Warum soll ausgerechnet gegen den Spitzenreiter am 17. Spieltag etwas herausspringen?

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„Ich kann ihren Unmut verstehen“: 96-Torwart Ron-Robert Zieler im Gespräch mit den hannoverschen Fans.

Quelle: Imago

Sinsheim. In Zeiten, in denen Hannover 96 in der Bundesliga Freude macht wie ein schlechter, für einen Brummschädel sorgender Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, suchen Fußballfans kleine Hoffnungsschimmer. Das ist in Hannover 2015 eine schwierige Suche, und angesichts der Tatsache, dass im letzten Spiel des Jahres am kommenden Sonnabend der Gegner Bayern München heißt, ist das mit der Hoffnung auch so eine Sache. 96 hat am 16. Spieltag bei der vorher den letzten Platz schmückenden TSG 1899 Hoffenheim mit 0:1 verloren. Warum soll da ausgerechnet gegen den Spitzenreiter am 17. Spieltag etwas herausspringen?

Bei der TSG 1899 Hoffenheim unterlagen die "Roten" am Sonnabend mit 0:1. Die Spieler in der Einzelbenotung.

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Okay, kürzen wie das mit dem Hoffnungsschimmer ab. Die Bayern sind - kurios, aber wahr - das Beste, was 96 in der größten Krise seit dem Wiederaufstieg passieren kann. Denn die Bayern liegen nicht auf den Plätzen 12 bis 18. Hannover 96 hat in dieser vermaledeiten Hinrunde die ärgerliche Eigenschaft entwickelt, Spiele gegen Clubs, deren Mannschaften gleich schlecht oder noch schlechter sind, zu verlieren. Lediglich gegen Werder Bremen, Kategorie „Gleich schlecht“, machte 96 netterweise eine Ausnahme. Die Bayern aber sind besser, viel besser. Und das ist zumindest ein Hoffnungsschimmerchen für Hannover.

Nach 16 Runden steht im Grunde fest, welche Vereine mit den „Roten“ gegen den Abstieg spielen. Gegen keinen Verein davon, außer Bremen, hat 96 gewonnen. Gegen Darmstadt 98 gab es ein 2:2, gegen Eintracht Frankfurt (1:2), FC Augsburg (0:2), VfB Stuttgart (1:3) und jetzt gegen Hoffenheim setzte es Niederlagen. „Es ist extrem fatal, dass wir gegen die Mannschaften unten nicht gewinnen“, sagte 96-Torwart Ron-Robert Zieler nach der Pleite in Hoffenheim, die so überflüssig wie typisch war für diese merkwürdige hannoversche Elf.

Hannover 96 bei der TSG 1899 Hoffenheim: Die besten Bilder vom Spiel.

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96 gab mehr Torschüsse ab als Hoffenheim (19:14), hatte mehr Ballbesitz (56:44 Prozent), gewann mehr Zweikämpfe (58:42 Prozent) und hatte die bessere Passquote (79:76 Prozent). Nur in der Rubrik „Tore“ stand bei Hoffenheim eine 1 und bei 96 eine 0.

96-Trainer Michael Frontzeck sprach von einem „bitteren Nachmittag“ und beschrieb die Situation mit einem Wort: „Frustrierend.“ Eine halbe Stunde war 96 in Sinsheim die bessere Mannschaft gegen einen völlig verunsicherten Gegner und hatte zweimal Pech. Ein Kopfball von 96-Profi Ceyhun Gülselam (15. Minute) sprang an Latte und Pfosten und dann zurück ins Feld, ein Kopfball von Hoffenheims Jonathan Schmidt (30.) ging „wie aus heiterem Himmel“ (Hoffenheims Trainer Huub Stevens) ins Netz. Doch bereits beim Gegentor bedarf das mit dem Pech einer Relativierung, denn die Hannoveraner halfen beim Treffer der Gastgeber kräftig mit: Marcelo deckte den Torschützen fahrlässig (also: gar nicht), Christian Schulz ließ die Flanke halbherzig zu, Miiko Albornoz hielt sich bei der Abwehrarbeit einfach ganz heraus. Bei einer solchen Fehlerkette würde selbst eine Kreisligaelf gegen 96 treffen.

Das Sturmduo Allan Saint-Maximin und Leon Andreasen, das eigentlich kein Sturmduo ist, sorgte in der ersten Halbzeit für Torchancen und Torgefahr. Ein richtiger Torjäger, den es bei 96 nicht gibt, hätte in dieser Phase zweimal zugeschlagen. Als es Frontzeck später mit den gelernten Angreifern Mevlüt Erdinc und Charlison Benschop versuchte, war es - noch eines dieser hannoverschen Fußballrätsel - mit den Torchancen komplett vorbei.

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In der zweiten Halbzeit, als Hoffenheim mit der Führung im Rücken etwas besser konterte und Torwart Zieler mit Glanzparaden die Gegentreffer zwei und drei verhinderte, verfiel die 96-Mannschaft mit jeder Minute mehr in größere Ratlosigkeit. Die „Roten“ versuchten es, aber einen Plan, wie die Hoffenheimer mit ihrem einfachen und im Grunde trostlosen Huub-Stevens-Rustikalstil zu knacken sind, hatten sie nicht. Oder konnten ihn nicht umsetzen.

Sechs Tage hat Frontzeck nun Zeit, einen Plan für das Spiel gegen die großen Bayern zu entwickeln. Vorfreude verspürt bei 96 derzeit niemand vor dem Treffen, das früher einmal der Höhepunkt des Jahres war. Die 96-Spieler, die sich in der Rhein-Neckar-Arena nach dem Abpfiff zur Fankurve begaben, bekamen dort deutliche Worte von wütenden und enttäuschten Anhängern zu hören. „Ich kann den Unmut der Fans verstehen“, sagte Zieler. „Sie machen sich Sorgen und haben Angst.“

Auch Frontzeck hat das registriert. „Wir wollen versuchen, für das hannoversche Publikum einen schönen Abschied ins neue Jahr zu finden“, sagte der 96-Trainer. Davon, ob dieser Versuch wenigstens halbwegs gelingt, dürfte abhängen, ob aus dem Abschied von 2015 ein Abschiedsspiel für Frontzeck wird.

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„Mit Kritik kann ich leben“: 96-Trainer Michael Frontzeck.

Wie ein Trainer, der befürchtet, dass das Spiel am Sonnabend gegen Bayern München sein letztes ist, wirkte Michael Frontzeck am Tag nach der Niederlage in Hoffenheim nicht. Seine Botschaft am Sonntag im Gespräch mit Journalisten: Er kenne das Geschäft, aber er glaube an sich und an die Mannschaft.

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27. November 2016 - Christian Purbs in Allgemein

Und wieder zwei Punkte weg. Und wieder war mehr möglich für die „Roten“. Auch wenn Daniel Stendel die Tore nicht selbst schießen kann, was er garantiert am liebsten machen würde, in Düsseldorf gab auch der 96-Trainer keine glückliche Figur ab.

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