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Muss man sich schon wieder Sorgen machen?

Niederlage gegen Leverkusen Muss man sich schon wieder Sorgen machen?

Hannover 96 war beim ersten Saisonheimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen chancenlos und war mit dem Ergebnis von 0:1 noch gut bedient. Trainer Frontzeck bittet um Geduld, sagt aber auch: Es gibt noch viel zu tun. Damit hat er garantiert nicht untertrieben.

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Kurze Belebung: Allan S.-Maximin (r.).

Quelle: Maike Lobback (Team zur Nieden)

Hannover. Als der Stadionsprecher verkündete, dass es vier Minuten Nachspielzeit geben würde, erwachte das hannoversche Publikum in der HDI-Arena noch einmal. 90 Minuten lang hatte Hannover 96 im Fußball-Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen keine einzige gute Strafraumszene herausarbeiten können und lag verdient mit 0:1 hinten. Aber vier Minuten Zugabe, das ist eine wunderbare Gelegenheit, noch einmal alles zu riskieren, vielleicht mit ein bisschen Dusel irgendwie einen Punkt zu erobern.

Also feuerten die 96-Fans ihre Mannschaft noch einmal an - und mussten ernüchtert feststellen: Selbst zu einem mutigen Schlussspurt waren die „Roten“ nicht mehr in der Lage. Hiroki Sakai beförderte den Ball noch einmal mit einem Einwurf in den Gästestrafraum, das war’s. Als Schiedsrichter Wolfgang Stark die Partie abpfiff, blickte man auf den Tribünen in viele ratlose und manche sorgenvolle Gesichter.

Ist das die neue 96-Mannschaft, die alles besser machen soll als in der schlimmen vergangenen Saison? Und: Wann hat es zuletzt so ein langweiliges erstes Saisonheimspiel gegeben?

Dabei hatte Michael Frontzeck für die Heimspielpremiere 2015/2016 eine forsche Überraschung parat: Der 96-Trainer bot mit Mevlüt Erdinc und Charlison Benschop zwei Stürmer auf. Die Botschaft, dass sich die „Roten“ gegen eine spielstarke Elf wie Leverkusen etwas trauen, war das richtige Signal. Doch mit Spielbeginn traute sich bei 96 niemand mehr etwas. Benschop, der in der 15. Minute mit einem wuchtigen Schuss eine von nur zwei 96-Torchancen besaß, verschwand zu oft in den Tiefen des Mittelfeldes, wo er seine Stärken - fackelt nicht lange und hat einen Torriecher - nicht ausspielen konnte.

Die Bayer-Elf, die am Dienstag in der Champions-League-Qualifikation bei Lazio Rom verloren hatte (0:1) und übermorgen das Rückspiel bestreiten muss, ging die Aufgabe in Hannover ernsthaft und konzentriert an. Aber sie erkannte sehr schnell, dass sie an diesem zweiten Spieltag nicht alles an Tempo und Entschlossenheit investieren muss. Die Leverkusener erklärten den eigenen Strafraum zur 96-freien-Zone, was von den Hannoveranern strikt befolgt wurde. Weiter vorne ließen sie die Kugel ruhig und manchmal fast ein bisschen lässig, aber stets mit großer Klasse, durch die eigenen Reihen laufen.

Viel zu selten gelang es den 96-Profis, die Gäste dabei richtig zu stören. Dass Neuzugang Oliver Sorg später das „Power-Pressing“ seiner Elf lobte, führte nach dem Abpfiff zu der Diskussion, was unter dem Begriff eigentlich zu verstehen ist. Bis zum Sonnabend war es unstrittig, dass damit ein energisches, frühes Stören des Gegners gemeint ist. Weil 96 so ziemlich das Gegenteil betrieb, muss Sorg darunter etwas anderes verstehen.

Vielleicht hätte die Mannschaft mehr Glauben an sich entwickelt, wenn sie nicht bereits nach 18 Minuten und dem Freistoßtor von Hakan Calhanoglu einem 0:1 hätte hinterherlaufen müssen.

Der Leverkusener Verspieltheit und dem Glück, dass Calhanoglu bei einem zweiten Freistoß nur die Latte traf (47. Minute), war es zu verdanken, dass 96 nicht mehr Gegentreffer bekam. Als Frontzeck nach einer Stunde Allan Saint-Maximin brachte, kam für kurze Zeit etwas Leben ins Team. Doch der Franzose ist momentan noch der Typ begabter Kleinkünstler, seine Tricks dienten zu sehr dem Selbstzweck, um eine Elf mitreißen zu können. Aber er ist 18 Jahre jung, wer will ihm das vorwerfen?

So plätscherte die Begegnung Höhepunktfrei ihrem Ende entgegen. „Leverkusen ist nicht der Gegner, an dem wir uns orientieren müssen“, sagte Frontzeck, wollte aber auch nichts schönreden. „Es gibt viel zu tun und wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns. Das kann ein bisschen dauern.“

Es gehört zur Erkenntnis des zweiten Spieltags, dass dieser Berg mit Arbeit in Hannover verdammt hoch ist.

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