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„Die Angst hat die Spieler gelähmt“

96-Trainer Thomas Schaaf im Interview „Die Angst hat die Spieler gelähmt“

Das Spiel gegen Mainz 05 am Sonnabend war für die "Roten" ein Fiasko. Im Interview spricht 96-Trainer Thomas Schaaf über die Verunsicherung der Mannschaft, Fehler und Selbstkritik.

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„Es geht nur über die Handlung“: 96-Trainer Thomas Schaaf (links) mit Uffe Bech bei dessen Auswechslung.

Quelle: zur Nieden

Herr Schaaf, die Leistung Ihrer Mannschaft muss Sie doch verzweifeln lassen. Gerade nach zwei Spielen, in denen zumindest ein kleiner Aufwärtstrend erkennbar war.

Das ist ja das Verrückte, dass das total dem widerspricht, was wir gegen Darmstadt und Leverkusen gesehen haben. Das war doch über einige Strecken schon eine gute Nummer. Aber heute hat man brutal die Verunsicherung gespürt.

Kann man diesen Auftritt allein mit der Verunsicherung erklären?

Natürlich kriegt jeder in der Mannschaft die große Erwartungshaltung gegen einen Gegner wie Mainz mit. Aber schlagbare oder unschlagbare Gegner: Solche Rechnereien brauchst du nicht. Du musst zusehen, dass du die nächste Partie, scheißegal gegen wen es geht, gut machst.

Daran zu glauben fällt schwer nach solch einem Spiel ...

Ich will diese Leistung kein bisschen schönreden, aber die Angst hat die Spieler komplett gelähmt. Es kann mir doch keiner erzählen, dass die Mannschaft nicht besser spielen kann, als sie es hier gezeigt hat.

Wie kriegt man diese Angst raus aus den Köpfen?

Nur über arbeiten. Das Schizophrene ist doch, dass du irgendwann mal ein Spiel gewinnst, womit niemand rechnet - und auf einmal läuft es. Dann bis du auf einmal drin in der Nummer. Oder du gewinnst ein Ding, das du dir hart erarbeitet hast. Es geht nur über die Handlung.

96 hat gute Erfahrungen mit Kurztrainingslagern in Klosterpforte gemacht. Wäre das ein Mittel?

Wenn man wie wir die ganze Woche über zusammenhängt, da bringt es doch auch nichts, wenn wir noch nachts zusammen schlafen.

Welche Rolle spielt, dass einige Spieler nicht auf ihrer eigentlichen Position eingesetzt werden? Trägt das zur Verunsicherung bei?

Es ist doch völlig egal, auf welcher Position jemand spielt. Er muss trotzdem einen Pass an den Mann bringen, oder? Das ist doch schon die Antwort auf die Frage.

Manuel Schmiedebach etwa ist eigentlich ein defensiver Mittelfeldspieler, läuft aber als „Zehner“ auf. Er fühlt sich dabei sichtlich unwohl.

Sie haben dieses Schablonendenken, das habe ich nicht. Wir erleben täglich die Qualitäten der einzelnen Spieler, und ich glaube nicht, dass wir irgendwen einsetzen, wo er sie nicht zeigen kann.

Aber was sehen Sie bei Schmiedebach auf der „10“?

Da müssen Sie erst einmal die „Zehner“-Position definieren, und da wird es schwierig, dass wir inhaltlich auf einen Nenner kommen.

Mag sein, aber von einem Profi, der hinter den Spitzen spielt, darf man doch zumindest etwas Torgefahr erwarten, die Schmiedebach komplett abgeht.

Ich arbeite täglich mit diesem Kader. Und ich versuche, das Bestmögliche herauszuholen, dass es in der mannschaftlichen Geschlossenheit realisierbar ist. Ich weiß, dass sich „Manu“ da nicht total wohlfühlt, aber er versucht es umzusetzen. Wir können auch nicht ständig umstellen. Wir müssen schon eine gewisse Sicherheit reinkriegen.

Wenn man heute das Gegentor sieht, das letztlich entscheidend war: da standen sechs Verteidiger gegen zwei Stürmer. Das hat doch nichts mit Verunsicherung zu tun.

Danke. Das zeigt doch, was ich anfangs gesagt habe: Es kommt auf die einzelnen Handlungen an, damit du die einfachsten Sachen auf die Reihe kriegst. Aber wir können viele Sachen nicht umsetzen, weil oben das Hirn nicht mitmacht. Das hat nichts damit zu tun, dass wir Spieler auf anderen Positionen einsetzen. Selbst ein Schmiedebach kann auf der „10“ einen Pass über zehn Meter hinkriegen. Das weiß ich, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt.

In der Verfassung wie gegen Mainz aber nicht.

Daran sehen Sie doch, in welcher Diskussion wir uns befinden.

Sie haben mit Edgar Prib den dritten Linksverteidiger im dritten Spiel eingesetzt. Gehen Ihnen langsam die Alternativen aus?

Wir reden die ganze Zeit nicht über die lange Verletztenliste, das werden wir auch weiterhin nicht tun.

Sie hatten angekündigt, dass Sie auch mal „reinfeuern“ wollten. Sind Sie in der Halbzeit lauter geworden?

Nee. Dann hätte ich die Spieler raustragen können. Die waren schon so fertig.

Gibt es auch Ansätze zur Selbstkritik, dass Sie sagen: Das oder das hätte ich vielleicht doch anders machen müssen?

Ich bin immer einer, der total reflektiert. Aber: Sagen Sie mir andere Möglichkeiten. Ich sehe keine.

Was macht Ihnen Hoffnung, dass es besser wird?

Die tägliche Arbeit. Ich erlebe die Woche über ein ganz anderes Team als in den Spielen. Das muss sich ändern. Und dann hoffe ich, dass wir bis zum Schluss um unsere Chance spielen können.

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