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Europa League

96 hofft auf den nächsten magischen Moment

Von Christian Purbs

Am Donnerstag ist es soweit: Hannover 96 muss in Brügge um den Einzug in die nächste Runde der Europa League kämpfen. Die entscheidende Fragen dafür ist, wie Slomka seine Mannschaft ausrichten wird. Offensiv oder auf Konter lauernd?
Foto: Schlechte Laune? Warum denn? Mame Diouf (vorn) und Mohammed Abdellaoue.

Schlechte Laune? Warum denn? Mame Diouf (vorn) und Mohammed Abdellaoue.

© zur Nieden

Hannover. Scharfe Flanke von Konstantin Rausch, Mohammed Abdellaoue spurtet zum kurzen Pfosten, drin (Sevilla, 25. August 2011). Abdellaoue nimmt aus 25 Metern Maß, der Ball schlägt rechts unten im Tor ein (Poltawa, 29. September 2011). Lars Stindl lupft den Ball mit dem rechten Fuß über seinen Gegenspieler, nimmt den Ball mit links volley und trifft unhaltbar ins rechte Eck (Kopenhagen, 3. November 2011). Freistoß von Christian Pander, Mame Diouf steigt zum Kopfball hoch, der Ball landet am Pfosten und springt von da … (Brügge, 23. Februar 2012). Tja, wo landet der Ball? Geht er ins Tor und sorgt so am Donnerstag im Rückspiel beim FC Brügge für einen weiteren magischen Moment bei Auswärtsspielen von Hannover 96 in der Europa League? Davon gab es bislang einige, angefangen beim 1:1 in Sevilla, durch das sich die „Roten“ für die Gruppenphase qualifizierten, dem ersten „richtigen“ Europa-League-Tor von Abdellaoue in Poltawa und dem Traumtor von Lars Stindl zum 2:1 beim FC Kopenhagen.

Wenn die „Roten“ am Donnerstag beim belgischen Erstligisten FC Brügge zum Rückspiel um den Einzug ins Achtelfinale antreten (19 Uhr, live auf Kabel 1, Schiedsrichter ist der Schotte William Collum), ginge es zur Not auch ohne magischen Moment. Denn ein 0:0 würde dem Team von 96-Trainer Mirko Slomka nach dem 2:1-Erfolg im Hinspiel schon fürs Weiterkommen reichen. Die Chancen, dass die „Roten“ den Sprung unter die besten 16 Teams der Europa League schaffen, stehen gut. Die Mannschaft strotzt nach den Siegen gegen Brügge und Stuttgart vor Selbstvertrauen und will auch im siebten Pflichtspiel in diesem Jahr ungeschlagen bleiben.

Als ein Vorteil hat sich in den vergangenen Wochen die große und ausgeglichene Qualität im 96-Kader erwiesen. Sogar den frühen Ausfall von Top-Torjäger Abdellaoue in der Partie gegen Stuttgart steckten die „Roten“ mühelos weg. In Brügge wird der Norweger wieder auflaufen können, unsicher ist hingegen der Einsatz eines anderen ganz wichtigen 96-Profis: Lars Stindl konnte am Dienstag wegen einer Erkältung nicht im Team trainieren; ob der Mittelfeldspieler am Donnerstag spielen kann, ist noch ungewiss. Auch der Einsatz von Artur Sobiech (Adduktoren) ist fraglich.

Welche Startelf Slomka in Brügge auf den Platz schickt, hängt jedoch nicht nur davon ab, ob Stindl rechtzeitig fit wird. Der 96-Trainer wird die Aufstellung in erster Linie von seiner taktischen Ausrichtung abhängig machen, wobei die Gretchenfrage lautet: abwarten oder angreifen? Durch das 2:1 im Hinspiel können die „Roten“ die Belgier erst einmal kommen lassen und auf ihr vorzügliches Konterspiel setzen. Geht 96 die Sache also zunächst etwas defensiver an, wird Slomka auf das bewährte Duo Sergio Pinto und Manuel Schmiedebach in der defensiven Mittelfeldzentrale setzen. Die offensivere Variante ist die Raute, in der Jan Schlaudraff statt auf der Außenbahn direkt hinter den beiden Stürmern Abdellaoue und Diouf wirbeln kann. Ist Angriff die beste Verteidigung oder die kontrollierte Defensive das richtige Rezept? Auf diese Frage muss Slomka die richtige Antwort finden.

Freie Wahl hat der 96-Coach auch bei der Besetzung der Innenverteidigung. Der zuletzt in der Liga gesperrte Emanuel Pogatetz steht in Brügge wieder zur Verfügung und wird wahrscheinlich neben Mario Eggimann auflaufen. Auf der rechten Abwehrseite ersetzt Sofian Chahed den gesperrten Steve Cherundolo, links wird Christian Schulz wieder ins Team rücken und Christian Pander ins linke Mittelfeld wechseln. Und vielleicht am Donnerstag mit einer Flanke oder einem Eckball den nächsten magischen 96-Moment einleiten.

Keine Tageskassen in Brügge

Willkommen, Hannover-96-Fans! Na, das ist doch mal eine nette Begrüßung aus Belgien. Auf einem vom Bürgermeister und der Polizei von Brügge veröffentlichten Schreiben geben die Belgier nützliche Tipps und Hinweise für die erwarteten 1500 Besucher aus Deutschland, „um so den Aufenthalt möglichst angenehm zu machen“. So sei es nicht gestattet, auf öffentlichen Plätzen Glasflaschen bei sich zu führen, wer sein Auto in der Innenstadt in einem Parkhaus abstellt, sollte beachten, dass diese um 0.45 Uhr schließen.

Keine Frage, im Gegensatz zu Lüttich präsentiert sich Brügge gegenüber den 96-Anhängern als freundlicher Gastgeber. Davon konnten sich am Dienstag auch der Fanbeauftragte Frank Watermann und Johannes Seidel vom Fanprojekt auf Einladung der Polizei Brügge ein Bild machen. Wichtig für alle Kurzentschlossenen: Am Jan-Breydel-Stadion gibt es keine Tageskassen, wer noch kein Ticket hat, sollte nicht nach Brügge fahren. Anlaufpunkt für die 96-Fans in Brügge ist der zentral gelegene Marktplatz, hier steht auch der Bus der Fanbetreuung.

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